Kann man den Abbauprozess von Kunststoffen beschleunigen?

von Hans R. Kricheldorf am 20.02.2013, Kommentar hinzufügen

Kunststoffe sind organische Materialien, die aus Erdöl, Kohle oder Pflanzenprodukten hergestellt werden. Und in der Natur überlebt nichts ewig. Die Natur kann all diese Materialien zu letztlich unschädlichen Produkten kleinmachen. Das Problem ist, dass für manche Kunststoffe dieser Prozess Hunderte von Jahren dauern würde. Der Mensch ist aber beim Anhäufen dieser Dreckberge viel schneller als die Natur mit der Beseitigung.
Man kann die Kunststoffe ganz grob in zwei Kategorien teilen: Eine Gruppe wird allmählich durch Wasser gespalten; die verschwindet schneller. Aber der Großteil der Kunststoffe, die im mehr schwimmen – Polyethylen, Polystyrol, Polypropylen – hat sehr lange Lebensdauern. Diese Stoffe werden auf Dauer nur durch Licht und Sauerstoff zerstört, und das dauert lange. Wie lange das dauert, hängt vom Klima, der Temperatur, der Sonneneinstrahlung ab, aber wir bewegen uns hier in einer Größenordnung von Hunderten von Jahren. Man kann das also der Natur auf Dauer nicht überlassen.

Könnten z. B. Bakterien den Abbauprozess zu beschleunigen?

Diese Idee verursacht bei mir Bauchschmerzen. Denn wenn Sie einen Typ von Lebewesen, der zunächst so gar nicht existiert, in solchen Mengen loslassen, dass er Müllberge beseitigt, schaffen Sie ein ökologisches Ungleichgewicht, dessen Konsequenzen schwer vorhersehbar sind. Im Reaktor kann man das grundsätzlich machen. Aber das in der Natur in großem Umfang zu realisieren … da wäre ich sehr vorsichtig!
Es gibt allerdings noch einen anderen Ansatz: Seit 20, 30 Jahren gibt es eine intensive Forschung mit dem Ziel, Polymere so herzustellen, dass sie im Komposthaufen oder auf der Müllhalde im Lauf von 10 bis 20 Jahren durch Wasser oder Bakterien abgebaut werden. Wir sprechen hier von den sogenannten biologisch abbaubaren Kunststoffen. Man ist also durchaus daran interessiert, die „ewig“ beständigen Kunststoffe durch biologisch abbaubare zu ersetzen. Das hat aber zwei Grenzen: Die biologisch abbaubaren Kunststoffe sind um das 3- bis 5-Fache teurer; die wenigsten Kunden sind bereit, das zu bezahlen. Der andere Grund ist der, dass biologisch abbaubare Produkte im Alltag auch nicht so beständig sind. Wenn Sie ein Gefäß zum Lagern von Wein, Gemüse etc. aus einem biologisch abbaubaren herstellen können Sie nicht sicher sein, dass der Behälter nicht schon nach einem Jahr verrottet ist, obwohl Sie den Inhalt fünf Jahre lagern wollten.

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