Beeinflussen Windkraftwerke das Klima?

von Gabor Paal am 11.07.2012, 3 Kommentare

Im Kleinen auf jeden Fall: Windräder beeinflussen zumindest das Mikroklima dadurch, dass sie die Luft durchmischen. Wenn sich ein Windrad dreht, schaufelt es gleichzeitig immer etwas Luft von unten nach oben und umgekehrt. Das kann sich auf die Temperatur in Bodennähe auswirken. Die Luft ist ja geschichtet.

Und wenn keine Sonne scheint, also z.B. frühmorgens vor Sonnenaufgang, ist die Luft unmittelbar über dem Erdboden noch relativ kalt – kalte Luft ist schwerer als warme, sammelt sich also am Boden, und mit jedem Meter Höhe wird die Luft immer wärmer. Wenn sich in einer gewissen Höhe über dem Boden Windräder drehen, wirbeln sie die kalte Luft nach oben und die warme nach unten. Das führt dazu, dass die Temperaturen an der Bodenoberfläche auf dem Gelände eines Windparks verglichen mit der Umgebung steigen – insofern kann man sagen, dass sich das lokale Mikroklima erwärmt. Wenn wir uns jetzt vorstellen, dass das Ackerland ist, dann kann das Vor- und Nachteile haben: Ein positiver Effekt könnte sein, dass die Windräder, indem sie etwas wärmere Luft zum Boden wirbeln, die Zahl der Tage mit Bodenfrost verringern bzw. überhaupt die Gefahr von Bodenfrost reduzieren. In anderen Gegenden kann es aber einen negativen Effekt haben, wenn dort durch Luftzufuhr vom Windrad der Boden schneller austrocknet. Es kommt also auf den Standort an. Man muss aber fair sein: Wenn man über die Auswirkungen von Windrädern spricht, muss man sie mit anderen Eingriffen in die Landschaft vergleichen. Da muss man sagen: Städte, Hochhäuser, neue Siedlungen, aber auch herkömmliche Kraftwerke, die viel Wärme in die Umgebung abstrahlen, beeinflussen das Mikroklima in ihrer Umgebung in der Regel wesentlich stärker.

So weit die Auswirkungen aufs Mikroklima. Wenn man etwas größer denkt: Haben Windräder auch einen Einfluss auf das Wetter?

Dafür gibt es kaum Hinweise. Aber die Frage nach den Klimaauswirkungen ist berechtigt, denn Windräder entziehen ja der Atmosphäre Energie. Wenn der Wind durch einen Windkraftpark weht, wird er ja immer etwas gebremst. Die Frage ist, wie viel das ausmacht. Manche Leute sagen, dass das heute noch nicht viel ausmacht. Aber wenn man weltweit die Windenergie massiv ausbauen würde – also wenn es irgendwann hundertmal so viel Windräder geben würde wie heute – dann würde das einfach die Gesamtwindmenge auf der Erde verringern, weil der Wind ja überall gebremst würde.

Wind ist aber fürs Klima sehr wichtig, denn der Wind bringt Wärme aus warmen in kalte Gegenden und er nimmt Feuchtigkeit aus den Meeren auf. Wenn weltweit der Wind durch Windräder gebremst würde, hätte das Auswirkungen auf all diese Vorgänge. Allerdings sind das bisher nur Modellrechnungen, die auch sehr umstritten sind. Denn – und jetzt kommt wieder die Gesamtbetrachtung – es ist zwar richtig, dass Windräder zunächst Energie aus der Atmosphäre „herausholen“. Aber diese Energie wird ja genutzt, um Strom zu erzeugen – zum Beispiel, um Straßen zu beleuchten oder Maschinen zu betreiben. Und irgendwann, am Ende dieser Nutzungskette, endet die Energie wieder als Wärme bzw. Abwärme in der Atmosphäre. D.h. die Energie, die das Windrad an einer Stelle aus der Atmosphäre rausholt, fließt anderswo wieder in die Atmosphäre zurück. Das ist ein Kreislauf – anders als wenn z.B. fossile Kohle verbrannt wird. Insofern erwarten die meisten Wissenschaftler nicht, dass Windenergienutzung im großen Stil das Weltklima beeinflusst – und wenn, dann positiv dadurch, dass mithilfe von Windenergie weniger Kohle und Gas verbrannt werden muss.

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Beantwortet von Gabor Paal am 11.07.2012 in Frag den Paal !, Wetter & Klima, Stichworte: , , , , , , , .

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Kommentare zu „Beeinflussen Windkraftwerke das Klima?“

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Karin Stilke schreibt am 10.03.2013

Die ganzen Diskussionen über Energie gehen mir langsam in Ihren Aussagen aus den Geist. Ich habe noch nicht gehört, dass die massenhafte Anzahl von Menschen mit Ihren sogenannten Bedürfnissen der Grund allen Übels ist. Die Natur leidet unter den Menschen, der durch unbedingtes Geldverdienen alles immer schneller vernichtet. Gebt z.B. Menschen eine kleine Rente oder verbessert die soziale Lage von Millionen von Menschen, erhöht die Bildung u.s.w., dassweniger Menschen das Niveau deer Entwicklung der Wissenschaft und vieler anderer Gebiete weiterentwickeln können. Das Thema ist noch nicht am Ende.

Paul Kaulitz schreibt am 04.02.2018

Dieser Artikel ist grundsätzlich falsch. Windräder drehen sich weil Wind vorherrscht. Sie erzeugen keinen Wind und somit auch keine Luftdurchmischung.

Gabor Paal schreibt am 18.02.2018

Das ist ein Trugschluss: Eine Windräder erzeugen in der Tat keinen Wind, aber sie beeinflussen dennoch die Luftbewegungen. Eine Analogie wäre ein Wasserrad (Schöpfrad). Es wird auch vom fließenden Wasser angetrieben, befördert dabei aber auch einen Teil des Wassers nach „oben“.

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