Warum haben manche Kathedralen zwei Türme, andere nur einen?

von Barbara Schock-Werner am 05.07.2012, Kommentar hinzufügen

Die Zweiturmfassade war von Anfang an eine „Fassade des Anspruches“, da wurde sozusagen die Bedeutung des Ortes aufgezeigt. Deshalb hat sich für Kathedralen fast immer die Zweiturmfassade durchgesetzt, während die Bürgerkirchen sich meist mit einem Turm zufrieden gaben.

Aber es gibt natürlich berühmte Beispiele wie die Bürgerkirche St. Sebald in Nürnberg, die in Konkurrenz zum Bamberger Dom zwei Türme aufweist. St. Sebald und St. Lorenz, beide große Nürnberger Bürgerkirchen, haben zwei Türme. Das ist mit einem gewissen Anspruchsdenken oder Anspruchsauftreten verbunden.

In der Regel haben also Bischofskirchen und große Klosterkirchen zwei Türme und Bürgerkirchen einen Turm. Aber von dieser Regel gibt es ganz viele Ausnahmen.

Es war also keine Vorschriften dazu?

Nein. an solche Vorschriften hätte man sich im Mittelalter auch gar nicht gehalten. Wenn eine Gemeinde anspruchsvoll genug war zu sagen: „Wir wollen hier mit zwei Türmen operieren“, dann konnte ihr das keiner verwehren. Wer hätte es ihr untersagen sollen? Der Bischof war froh, wenn die Gemeinden Kirchen bauten.

Und Ulm hat zwar nur einen Turm, aber der ist dafür umso größer. Und der Stephansdom in Wien hätte eigentlich zwei Türme bekommen sollen, aber man hat sich dann mit einem besonders prachtvollen zufriedengegeben.

Informationen zu dieser Antwort:

Beantwortet von Barbara Schock-Werner am 05.07.2012 in Geschichte und Archäologie, Religion, Philosophie, Ethik, Stichworte: , , , , , , , , .

Weitere Möglichkeiten:

Antwort drucken

Kommentare zu „Warum haben manche Kathedralen zwei Türme, andere nur einen?“

Noch sind keine Kommentare vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

Kommentar schreiben

Name und Email müssen angegeben werden, die Email-Adresse wird nicht innerhalb der Kommentare angezeigt.

*