Wie wird man Dombaumeister/in?

von Barbara Schock-Werner am 05.07.2012, Kommentar hinzufügen

Die meisten meiner Kollegen und Kolleginnen haben Architektur studiert, mit einer Vertiefung in Denkmalpflege. Das gilt auch für mich. Ich habe ebenfalls Architektur studiert und war auf einem Architekturbüro, das sich ausschließlich mit denkmalpflegerischen Aufgaben beschäftigt hat. Dann habe ich Kunstgeschichte studiert und über gotische Architektur und mittelalterliche Bauorganisation promoviert. Diese Doppelausbildung, also Architektur mit Vertiefung Denkmalpflege und Kunstgeschichte mit Vertiefung Gotik, hat mich auf diesen Posten geführt.
Es gibt auch eine Vereinigung der europäischen Dombaumeister, deren Vorsitzende ich noch bin, aber die Wege sind unterschiedlich.
Wichtig zu erwähnen ist auch, dass alle Kollegen in unterschiedlichen Strukturen arbeiten. Bei mir ist das Metropolitankapitel, das Domkapitel verantwortlich. In Bayern ist der Arbeitgeber der Freistaat, weil die Bauunterhaltung der großen Kirchen beim Staat liegt. Manchmal sind es die Diözesanbauämter, und manchmal ist es, wie in Freiburg, der Dombauverein bzw. in dem Fall der Münsterbauverein usw.
Es gibt also keine feste Struktur, dafür aber eine gute Vernetzung zwischen den Menschen, die eine solche Aufgabe haben. Wir treffen uns regelmäßig, wir tauschen Erfahrungen aus und wir helfen uns gegenseitig mit Ratschlägen weiter. Das ist ganz wichtig. Jeder von uns hat ähnliche Aufgaben, aber nicht jeder muss wieder bei null anfangen, wenn er ein Problem hat.

Arbeitet ein Dombaumeister allein oder zieht er Experten hinzu?

Bei Fragen zur Statik ziehe ich einen Statiker hinzu, denn statische Berechnungen habe ich nicht gelernt. Und natürlich muss man für vielfältige Aufgaben, von der Malerei, Restaurierung bis Klimabrandschutz, immer wieder Experten fragen. Ich bin sozusagen der Generalist. Aber natürlich lernt man im Lauf der Zeit sehr viel Technisches dazu. Über Gerüstbau zum Beispiel, was ja ein ganz eigenes Aufgabengebiet ist, das der Architekt im Studium nicht lernt. Vieles lernt man in der Praxis.

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Beantwortet von Barbara Schock-Werner am 05.07.2012 in Geschichte und Archäologie, Religion, Philosophie, Ethik, Stichworte: , , , , , , .

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