War Darwin Rassist?

von Ernst-Peter Fischer am 16.02.2009, 1 Kommentar

Wir waren vor anderthalb Jahren in Südamerika in Patagonien und haben dort zu unserer Verblüffung festgestellt, dass Darwin ganz massiv gegen die südamerikanischen Indianer geschrieben hat. Wie kommt Darwin dazu? Denn das hat schließlich auch bewirkt, dass die spanischen Eroberer ziemlich übel dort unter den Indianern gehaust und zum Teil ganze Stämme ausgerottet haben.

Darwin war entsetzt über bestimmte Verhaltensweisen, die er unterwegs beobachtet hat bei Feuerländern. Er hat nicht gegen diese Menschen geschrieben oder später versucht, in seiner Theorie des evolutionären Werdens von Lebensformen, zu denen der Mensch gehört, einen gemeinsamen Ursprung aller Arten zu sehen, also wo dann auch alle Menschen gemeinsam sind. Und er hat auch versucht, das nicht als höher oder tiefer entwickelte Formen von Menschlichkeit darzustellen. Aber er war bei seinen ersten Fahrten noch ein junger Mann, der über bestimmte Rituale und, sagen wir mal, schlichte Verhaltensweisen etwas erstaunt war. Er hat das vielleicht etwas zu drastisch zu Papier gebracht, aber das würde ich nicht als Rassismus bezeichnen und mich wundert, dass man „da unten“, also tief im Süden von Südamerika, die Frühschriften von Darwin so minutiös rezipiert, während man seine späteren Werke offenbar nicht so genau anschaut. Wenn man das tun würde, würde man diese frühen Bemerkungen längst korrigiert finden.

Also der Vorwurf des Rassismus geht ins Leere.

Der Vorwurf geht sehr scharf ins Leere, denn Darwin ist wahrscheinlich jemand, der seine Theorien gerade entworfen hat, um Sklavenhändlern, die damals ja wüteten und die Darwin verachtete wie man nur irgendjemanden als Menschen verachten kann – diesen Sklavenhaltern klarzumachen, dass alle Menschen einen Ursprung haben, ob sie nun schwarz sind, weiß sind, ob sie in Südamerika oder Europa wohnen … Für die Sklavenhändler gab es eben zwei Formen von Menschen – da waren die besseren Menschen – das waren sie – und das waren die anderen Menschen, und deshalb konnte man die ruhig versklaven. Dieser Gedanke war für Darwin unerträglich. Er war der Ansicht, dass alle Menschen die gleiche Form der Freiheit und gleiche Möglichkeiten haben und eine Grundidee, warum er diesen Stammbaum der Evolution entworfen hat, der aus seiner Wurzel entsteht, ist zu zeigen, dass alle Menschen einen Ursprung hatten.

Der Eindruck, denn ich dort unten bekommen habe, war eigentlich genau das Gegenteil. Dass er nämlich dort unten offiziell bekanntgegeben hat, diese Menschenrassen sind nicht erhaltenswert.

Also da war er vielleicht 22, 23 Jahre alt. Ich würde auf solche Worte keinen Wert legen, und dass er das dort unten verkündet hat, halte ich für ein Gerücht. Er hat das wahrscheinlich irgendwo in einem Tagebuch notiert und später sicher bereut, falls es diese Formulierung in dieser Form gibt, was man überprüfen müsste. Darwin hat mit diesem Gedanken, den Sie als in Patagonien vorherrschend bezeichnen, nichts zu tun.

Informationen zu dieser Antwort:

Beantwortet von Ernst-Peter Fischer am 16.02.2009 in Geschichte und Archäologie, Gesundheit, Medizin, Körper, Pflanzen, Tiere, Ökologie, Stichworte: , , , , .

Weitere Möglichkeiten:

Antwort drucken

Kommentare zu „War Darwin Rassist?“

Es ist ein Kommentar vorhanden. Ich möchte einen Kommentar verfassen.

peter rademacher schreibt am 01.01.2010

Als Darwin eines seiner wichtigsten Werke „The Descent of Man“ (Vom Ursprung der Rassen) herausbrachte, war mit über 60 gewiß kein junger Mann mehr. Hier gibt er sich ganz klar als Wegbereiter des aufkommenden Rassismus zu erkennen.

Auf Seite 199 heißt es: „In nicht allzuferner Zukunft – Jahrhunderte sind nicht notwendig die Zeit zu messen – werden die zivilisierten Rassen der Menschheit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die unzivilisierten Rassen auf der Welt ausgerottet und deren Platz eingenommen haben.“

Kommentar schreiben

Name und Email müssen angegeben werden, die Email-Adresse wird nicht innerhalb der Kommentare angezeigt.

*