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SENDETERMIN Fr, 27.7.2018 | 20:15 Uhr | 3sat

Lagunenstadt wehrt sich gegen den Tourismus Venedig - Ausverkauf eines Juwels?

Es gibt wohl wenige Städte weltweit, die schöner sind – aber auch wenige, die durch den Tourismus so sehr bedroht werden. Ungefähr 30 Millionen Touristen kommen jährlich nach Venedig. Bis zu 130.000 pro Tag tummeln sich zu Spitzenzeiten in der Lagunenstadt – fast dreimal so viele wie Einwohner. Die Infrastruktur passt sich immer mehr den Bedürfnissen der Touristen an und ermöglicht kaum mehr die Grundversorgung. Der Autor Thomas Niemietz ist für betrifft auf der Spurensuche in Venedig, um herauszufinden, wie sich diese prekäre Situation für die Venezianer zeigt, für die ihre eigene Stadt immer mehr zum Albtraum wird.

Stadtentwicklung unter dem Massentourismus

Stündlich bringen turmhohe Kreuzfahrtschiffe tausende Menschen direkt auf die Insel. Touristen scheinen Venedig zu überlaufen. Die ureigenen Einwohner verlassen hingegen das Zentrum – in Scharen. Innerhalb einer Generation ist die Bevölkerung fast um ein Drittel geschrumpft.

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Venedig - Ausverkauf eines Juwels?

Massentourismus bringt die Einheimischen in Not

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Es gibt wohl wenige Städte weltweit, die schöner sind – aber auch wenige, die durch den Tourismus so sehr bedroht werden. Ungefähr 30 Millionen Touristen kommen jährlich nach Venedig.

Es gibt wohl wenige Städte weltweit, die schöner sind – aber auch wenige, die durch den Tourismus so sehr bedroht werden. Ungefähr 30 Millionen Touristen kommen jährlich nach Venedig.

Meistfotografiertes Motiv von Venedig: Der Canal Grande von der Brücke Accademia mit dem Markusdom im Hintergrund. Für die Einheimischen werden die Touristenmassen vermehrt zum Problem, die Kreuzfahrtschiffe beschädigen mit ihrem Wellenschlag die Gebäude.

So stellen sich Reisende Venedig vor - Urlaub machen in vor herrlicher Kulisse in einer Gondel. Stattdessen tummeln sich bis zu 130.000 Touristen pro Tag zu Spitzenzeiten in der Stadt.

Kreuzfahrt-Riesen im Herzen der historischen Altstadt von Venedig. Ihre hohen Feinstaubemissionen verschmutzen Luft und Wasser, gefährden die Gesundheit, ihr Wellenschlag schädigt die Fundamente der Lagunenstadt.

Touristen scheinen Venedig zu überlaufen. Die ureigenen Einwohner verlassen hingegen das Zentrum – in Scharen.

Bis zu 130.000 pro Tag tummeln sich zu Spitzenzeiten in der Lagunenstadt – fast dreimal so viele wie Einwohner. Die Infrastruktur passt sich immer mehr den Bedürfnissen der Touristen an und ermöglicht kaum mehr die Grundversorgung für die Einheimischen.

Im November 2017 hat das Verkehrsministerium von Rom nach einem Treffen mit den Vertretern Venedigs und der Region mitgeteilt, daß große Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 55.000 Tonnen am Festland halten sollen. Immerhin könnten so einige Probleme der Lagunenstadt geringer werden.

Hinter dem Bilderbuchpanorama von Rialto-Brücke und Markusplatz ist Venedig zum Geschäftsmodell geworden und kein Ort mehr, in dem die Einheimischen noch in gewohnter Lebensqualität leben können. Das Leben ist zu teuer, Arbeitsplätze gibt es, abgesehen vom Berufsfeld Tourismus, fast nur auf dem Festland. Die Venezianer finden keine erschwinglichen Wohnungen zur Miete mehr, denn die Eigentümer vermieten diese viel lukrativer, meist über Airbnb, an Touristen. Historische Gebäude werden indes als Hotels und Einkaufszentren verramscht. Läden, Restaurants und Cafés sind nur noch auf Urlauber zugeschnitten, die Grundversorgung für Anwohner ist gefährdet. Der Tourismus entpuppt sich als die größte Bedrohung für die lokale Gemeinschaft – gleichzeitig ist er aber auch die Haupteinnahmequelle.

Die Not der Einheimischen

Leerstehende städtische Sozialwohnung in Venedig voller alter Sperrmüll-Möbel

Leerstehende städtische Sozialwohnungen: die Bürgerinitiative ASC unterstützt verzweifelte Wohnungssuchende aus dem Mittelstand bei der Besetzung von solchen Wohnungen und Häusern.

„betrifft“ begleitet Menschen, für die ihre Stadt immer mehr zum Albtraum wird: Eine Venezianerin, die in einen Vorort auf dem Festland zieht, weil sie dort eine bessere Lebensqualität findet, eine venezianische Familie, die auf Wohnungssuche ist und auf dem Mietmarkt mit Touristen konkurrieren muss. Venezianer aus der Mittelschicht, die sich im teuer gewordenen Wohnungsmarkt keine Wohnung zur Miete leisten können und leerstehende Häuser der Stadt „offiziell“ besetzen.

Die Einwohner Venedigs wehren sich zunehmend. Allein 36 Bürgerinitiativen kämpfen gegen den Massentourismus. Sie fordern ein Verbot der Kreuzfahrtschiffe: Diese gehören weder in die Lagune, noch in die Stadt. Ihre hohen Feinstoffemissionen verschmutzen Luft und Wasser und gefährden die Gesundheit der Einwohner. Der deutsche Naturschutzbund „NABU“ bestätigt mit aktuellen Messungen vor Ort die extreme Feinstaubbelastung.

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Fr, 27.7.2018 | 20:15 Uhr

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