Bitte warten...

SENDETERMIN Mi, 1.7.2015 | 21:00 Uhr | SWR Fernsehen

Weiter arbeiten trotz Haftbefehlt Versicherungsvertreter 2 - Die neuen Geschäfte des Mehmet Göker

"Wollen wir Geld verdienen oder wollen wir Geld verdienen?!" schreit Mehmet Göker, 36, auf dem Balkon eines flachen Bürogebäudes heiser in sein Handy. Unten schnüffeln streunende Hunde durch den heißen Staub. Ein paar Meter weiter, in einem ehemaligen Steinbruch, werden zum Opferfest Hammel geschlachtet. Derweil tut Mehmet Göker unter südlicher Sonne an der türkischen Ägäisküste das, was er am besten kann: Über deutsche Makler verkauft er private Krankenversicherungen von deutschen Versicherungskonzernen. Obwohl er ihnen Millionen schuldet. Und obwohl er seit September 2012 mit internationalem Haftbefehl gesucht wird. Göker macht weiter - er ist ein beständiger Mann.

1/1

Versicherungsvertreter - Die neuen Geschäfte des Mehmet Göker

In Detailansicht öffnen

Mehmet Göker (r) und sein Mitarbeiter Farid L. Aminzadeh beim Zählen von Bargeld.

Mehmet Göker (r) und sein Mitarbeiter Farid L. Aminzadeh beim Zählen von Bargeld.

Mehmet Göker (r) während einer Mitarbeiterbesprechung (März 2014)

Vor seinem Büro in der Türkei dirigiert Mehmet Göker (Mitte) seine neuen Geschäfte in Sachen Private Krankenversicherung.

Einst galt er als Shooting-Start der Versicherungsbranche: die erstaunliche Karriere des Versicherungsmaklers Mehmet Göker

Geschäfte per Telefon: Wollen wir Geld machen oder wollen wir Geld machen? fragt Mehmet Göker

Gökers MEG-AG in Kassel war einmal der zweitgrößte Vermittler privater Krankenversicherungen in Deutschland und hatte rund 1.000 Mitarbeiter. Die Versicherungskonzerne wie AXA und Alte Leipziger/Hallesche zahlten gewaltige Provisionen. Bis zu 8.000 Euro für einen Neuabschluss. Und noch gewaltigere Vorschüsse auf noch nicht abgeschlossene Geschäfte. 2009 ging die MEG AG Pleite, die Staatsanwaltschaft ermittelte und erhob schließlich Anklage. Im Jahr darauf "verlegte" Göker seinen Lebensmittelpunkt in die Türkei. Er, der einmal den größten Finanzkonzern der Welt schaffen wollte, kann heute nur noch nach Burkina Faso und Nordkorea reisen. Diese Länder haben, wie die Türkei, kein Auslieferungsabkommen mit der Bundesrepublik Deutschland geschlossen.
Seine Mitarbeiter findet Göker über Facebook. Er lockt mit großen Versprechen von Luxus und Reichtum ans Mittelmeer, heizt ein, beschimpft und lässt sich feiern. Die Fluktuation ist hoch. Göker nennt die neue Firma liebevoll seine "23-Mann-Klitsche". Derweil sitzen ihm Staatsanwalt und Insolvenzverwalter im Nacken. Und die großen Versicherungskonzerne in Deutschland beteuern, nie wieder mit ihm Geschäfte machen zu wollen. Doch Göker ist sicher: Das Geschäft mit Versicherungen wird ihm auch künftig das Einkommen sichern. Denn die Konzerne bräuchten Verkäufer wie ihn. Er könnte Recht behalten.

Der Dokumentarfilm-Autor Klaus Stern hat Mehmet Göker bereits im Jahr 2012 in einem vielfach prämierten Film (u. a. Helmut Schmidt-Journalistenpreis, Nominierung Deutscher Fernsehpreis, Nominierung Grimme-Preis, Ernst-Schneider-Preis der Deutschen Wirtschaft) porträtiert. Für seinen neuen Film "Versicherungsvertreter 2 - Die neuen Geschäfte des Mehmet Göker" hat Stern den einstigen Shooting-Star der Versicherungswirtschaft über 18 Monate begleitet und liefert ein weiteres Mal intime Einblicke in die Welt der Versicherungsverkäufer. Und in das einzigartige System Göker.

Sendung vom

Mi, 1.7.2015 | 21:00 Uhr

SWR Fernsehen