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SENDETERMIN Mi, 15.10.2014 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Innenansichten aus dem Verfassungsschutz Spitzel und Spione

Nach der Mordserie des rechtsradikalen NSU steht der deutsche Verfassungsschutz im Kreuzfeuer der Kritik: Warum hat man so kläglich versagt? Warum haben 16 Landesämter und das mächtige Bundesamt für Verfassungsschutz den “braunen Terror” nicht rechtzeitig erkannt?

Nach einjähriger Vorbereitungszeit ist es den Autoren erstmals gelungen, mit 40 aktiven Verfassungsschützern ausführliche Interviews zu führen. Darunter sind mehr als ein Dutzend "Geheim-Agenten", die im so genannten "operativen Bereich" tätig sind. Sie stellen sich den Fragen der Reporter, sprechen über ihre Tätigkeit, ihr Selbstverständnis und ihre Scham wegen des Versagens beim NSU-Skandal.

Der Film zeigt unzensierte Innenansichten deutscher Inlandsgeheimdienste, vor allem in Sachen NSU. "Wir dachten doch, wir hätten das alles im Griff", sagt eine leitende V-Mann-Führerin nachdenklich. "Ich habe Freunde, die auch Migrationshintergrund haben. Wie kannst du denen das als Verfassungsschützer erklären?"

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Spitzel und Spione

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Chefin der Stuttgarter Agenten: Beate Bube, hier bei den Dreharbeiten, ist Präsidentin des Landesamtes für Verfassungsschutz in Baden-Württemberg.

Chefin der Stuttgarter Agenten: Beate Bube, hier bei den Dreharbeiten, ist Präsidentin des Landesamtes für Verfassungsschutz in Baden-Württemberg.

Ein Stempel für jeden Zweck: Schreibtisch eines Geheimdienst-Mitarbeiters im Landesamt für Verfassungsschutz Stuttgart.

Geheimnisse im Keller: In einem abhörsicheren Raum im Stuttgarter Abgeordnetenhaus trifft sich regelmäßig die G10-Kommission, die jeden Antrag des Verfassungsschutzes zur heimlichen Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs kontrollieren und genehmigen muss.

Vor einem so genannten "Quellentreff" erhält der V-Mann-Führer an der Kasse des Nachrichtendienstes (hier beim Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg) die Entlohnung des Informanten bar ausgezahlt.

Inkognito im Interview - wie im richtigen Berufsleben: Ein Agent eines Landesamtes für Verfassungsschutz, der sich auch bei seinen Einsätzen verkleiden muss und mit falschem Namen operiert.

Im Vordergrund stehen Fragen nach der Führung von V-Leuten im rechten und im islamistischen Milieu sowie nach der Arbeit von Observanten zwischen Versteckspiel und wilden Verfolgungsjagden à la James Bond. Des Weiteren fragt die Dokumentation nach der amerikanischen Spionage auf deutschem Boden und nach dem Agentenleben mit falschem Namen und ausgedachter Legende. Auf diese Weise entsteht ein Bild vom deutschen Verfassungsschutz - mit manch nachdenklicher Aussage.

Auf die Frage, ob sie sich bei ihrer Arbeit manchmal wie ein Spitzel vorkäme und moralische Skrupel habe, bekennt eine Agentin selbstkritisch über ihr Handeln: "Ich bin mit der Verbeamtung auch vereidigt worden, und zwar auf mein Gewissen. Und da denke ich schon sehr oft dran, das muss ich zugeben."

Sendung vom

Mi, 15.10.2014 | 20:15 Uhr

SWR Fernsehen