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SENDETERMIN Fr, 25.5.2018 | 20:15 Uhr | 3sat

Vom Umgang mit Schwerverbrechern Wegsperren für immer?

Der kleine Eifelort Randerath machte im Jahr 2009 bundesweit Schlagzeilen. Aufgebrachte Bürger gingen hier monatelang auf die Straße. Sie wehrten sich dagegen, dass ein ehemaliger Vergewaltiger in ihre Nachbarschaft gezogen war. Der Protest lief aus dem Ruder, Rechtsextremisten nutzen den Fall für ihre Zwecke; und die Boulevardmedien trugen ihren Teil dazu bei, die Stimmung aufzuheizen.

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Wegsperren für immer

Vom Umgang mit Schwerverbrechern

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Bürgerprotest gegen Sexualstraftäter

Bürgerprotest gegen Sexualstraftäter

Rechtsanwalt Wolfram Strauch: "Die Gesellschaft muss das Restrisiko durch Freigelassene akzeptieren".

60.000 Menschen sitzen in Deutschland im Gefängnis

Zelle in einer sozialtherapeutischen Anstalt: neun Quadratmeter für das Leben nach einer schweren Straftat.

Ein rückfälliger Sexualstraftäter stellt sich dem Interview: „Ich verstehe, dass die Menschen Angst vor mir haben".

Klaus Michael Böhm, Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe: „Therapie für Täter ist auch Opferschutz".

Psychologin und Mörder auf dem Weg zur Therapiestunde.

Thomas S. ermordete vor 10 Jahren seine Frau: „In Haft bin ich ein ganz anderer Mensch geworden".

60.000 Menschen sitzen in Deutschland im Gefängnis

Und heute? Tiefe Wunden sind in der Gemeinde zurückgeblieben. Der Bruder des entlassenen Häftlings lebt inzwischen an einem geheimen Ort, der Haftentlassene selbst war zeitweise freiwillig zurück in eine JVA gegangen. Es sei eine "konstruierte Panik" gewesen, sagt der Anwalt der Brüder im Rückblick und der Organisator der Proteste bekennt: "Es ging uns nicht um den Täter oder seinen Bruder - es ging uns darum, die Medien wachzurütteln.

Fälle wie diese werfen vor allem zwei Fragen auf: Haben Menschen selbst nach schwersten Straftaten nicht das Recht auf eine zweite Chance? Und wie schützt man dann gleichzeitig die Umgebung vor Wiederholungstaten? Mit diesen Fragen reist "betrifft"-Autor Wolfgang Luck in die JVA Ludwigshafen. Er trifft dort einen Mann, der seine Frau ermordet hat und der jetzt mit Hilfe umfangreicher Therapieangebote auf das Leben in Freiheit vorbereitet wird. Der Sozialarbeiter der Anstalt sieht das ganz pragmatisch: "Vielleicht sind unsere Häftlinge tickende Zeitbomben. Aber wir sind dafür da, sie zu entschärfen". Die Anstaltsleiterin ergänzt: "Der schwierigste Tag im Leben eines Häftlings ist der Tag der Freilassung. Der löst Lebenskrisen aus".


Doch was ist mit dem Anspruch der Allgemeinheit vor möglichen gefährlichen Wiederholungstaten geschützt zu werden? Und wie zuverlässig sind solche Therapien? Machen sie tatsächlich aus Schwerverbrechern integrationswillige Normalbürger? Der Karlsruher Richter Klaus Michael Böhm spricht von "präventivem Opferschutz", wenn er mit seinem Verein BIOS pädophilen Kriminellen und Vergewaltigern zu Therapien verhilft. Wegsperren allein sei keine Lösung, sagt er. Das Justizsystem müsse sich dringend umstellen. Bislang würden Therapien oft erst genehmigt, wenn ein Täter zum zweiten oder dritten Mal verurteilt werde. "Aber eine Gesellschaft darf es sich nicht leisten, auf Rückfälle zu warten".

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Fr, 25.5.2018 | 20:15 Uhr

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