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SENDETERMIN Mi, 18.2.2015 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Die Akte Regensburger Domspatzen Sünden an den Sängerknaben

Der Dom St. Peter, aufgenommen am 06.12.2012 in Regensburg (Bayern). Nach nur fünf Monaten Vakanz hat das flächengrößte bayerische Bistum Regensburg einen neuen Bischof.

Der Dom St. Peter in Regensburg (Bayern)

Nachrichten über systematischen Kindesmissbrauch im berühmtesten Chor der katholischen Kirche erschütterten 2010 die deutsche Öffentlichkeit. Schnell trat das Bistum in Regensburg diesen Anschuldigungen mit einer öffentlichkeitswirksamen Kampagne entgegen. Die Kirche versprach Aufklärung, Transparenz und unbürokratische Hilfe für die Betroffenen.

Im November 2014, fünf Jahre nach dem Skandal, legt das Bistum Regensburg einen ersten Tätigkeitsbericht vor: Die Kirche erkannte 30 Betroffene als Missbrauchsopfer an und zahlte ihnen dafür zwischen 1.000 und 15.000 Euro pro Person aus. Ist die Affäre damit aufgearbeitet? Sind die Opfer heute zufrieden? Die Recherchen zeichnen ein anderes Bild.


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Betroffene kämpfen für Gerechtigkeit

Die Akte Regensburger Domspatzen

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Betroffene Missbrauchsopfer

Betroffene Missbrauchsopfer

Betroffene protestieren auf dem Katholikentag 2014

Verteilung von Flugblätter über Missbrauch bei den Sängerknaben.

Gang mit Musikproberäumen in der ehemaligen Vorschule der Regensburger Domspatzen in Etterzhausen.

Ein stiller Kampf um Gerechtigkeit

Der Film erzählt die Geschichte von drei ehemaligen Domspatzen, deren Leben durch die Erfahrungen im Internat des berühmten Knabenchors für immer verändert wurde. Sie berichten über gnadenlose Misshandlungen, über Trinken- und Essensentzug, über alltägliche Demütigungen und Prügel. Und sie berichten, was ihnen nachts in den Schlafräumen der Präfekten angetan wurde. Alle drei stellten Anträge auf "Leistungen in Anerkennung des Leids", wie es im Formular der Kirche heißt. Die Dokumentation zeigt, was aus diesen Anträgen geworden ist. Die Filmemacherin Mona Botros begleitet die drei ehemaligenSängerknaben bei ihrem stillen Kampf um Gehör und Gerechtigkeit.


Die Regensburger Domspatzen singen im Dom St. Peter in Regensburg (Bayern)

Die Regensburger Domspatzen singen im Dom St. Peter in Regensburg (Bayern)

Ein systematischer Fehler?

Insgesamt wurden 13 Geistliche der Diözese Regensburg verurteilt, wegen sexueller Straftaten an 77 Minderjährigen. Über die Aufarbeitung des Skandals gab Martin Lindner, der Missbrauchsbeauftragte des Bistums Regensburg ein Interview. Auch heute noch mag Lindner vor der Kamera nicht von einem "Fehler im System" sprechen. Wörtlich sagt er dazu im Interview: "Ich glaube, dass die Anforderungen dort sehr hoch sind, mit Schule und Musik und diesem Chordienst. Aber einen systematischen Fehler? Für viele Jugendliche, für viele Kinder ist das eine unglaubliche Herausforderung und Bestätigung. Da fällt mir eine pauschale Aussage - 'was ist der Fehler des Systems' - schwer."
Dieser Film dokumentiert den Umgang des Bistums mit den Vorwürfen, die so sehr im Widerspruch zu den Wert- und Moralvorstellungen der katholischen Kirche stehen.