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SENDETERMIN Fr, 11.10.2019 | 20:15 Uhr | 3sat

Das vergessene Gift Wie PCB uns alle belastet

Jahrzehnte hat man nichts mehr davon gehört, doch das Gift PCB ist nach wie vor in unserem Alltag gegenwärtig. Nahezu jeder ist täglich sogenannten "Polychlorierten Biphenylen", kurz: PCB ausgesetzt. Die Verwendung dieser gefährlichen Chlorverbindung ist zwar seit mehr als 30 Jahren in Deutschland verboten, wodurch die Chemikalie in Vergessenheit geriet. Doch PCB belastet die Menschen in Deutschland bis heute – nur wissen die wenigsten davon. Der Film begibt sich auf Spurensuche und fragt: Warum ist der Giftstoff auch dreißig Jahre nach seinem Verbot eine Gefahr? Wer hat Interesse daran, dass über den Giftstoff kaum noch berichtet wird? Wie kann man sich vor PCB schützen?

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Das vergessene Gift - Wie PCB uns alle belastet

"Wundermittel" mit gesundheitlichen Spätfolgen

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In Häusern wie diesem lauert das Gift am häufigsten: Betonbauten aus den 60er und 70er-Jahren enthalten PCB in vielen Baustoffen.

In Häusern wie diesem lauert das Gift am häufigsten: Betonbauten aus den 60er und 70er-Jahren enthalten PCB in vielen Baustoffen.

Besonders in fetthaltigen Lebensmitteln findet man den Giftstoff PCB.

In diesen unscheinbaren Fugen wurde das Gift PCB verwendet.

Unscheinbar - aber leider: PCB-haltige Außenfuge.

In diesem Anbau des Gymnasiums in Ludwigsburg wurde der Giftstoff PCB gefunden.

Vom "Wundermittel" zum krebserregenden Gift

Städtisches Gymnasium Ludwigsburg: Eltern, Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer machen sich große Sorgen um ihre Gesundheit. Der Grund: Im Anbau der Schule wurde seit Ende 2016 der Giftstoff PCB nachgewiesen. Seit Jahrzehnten lauert das Gift in den Klassenzimmern. Schüler und Lehrer atmen es täglich ein. Aus Sorge um ihre Kinder verlangen engagierte Eltern eine schnelle Lösung von der Stadt. "betrifft" begleitet die Eltern, zeigt, wie sie immer wieder auf Widerstände und Verharmlosung stoßen, aber auch, ob ihr Einsatz am Ende erfolgreich ist. Ludwigsburg ist kein Einzelfall. In Deutschland gibt es noch hunderte Schulen, Universitäten, Behörden, aber auch Wohnungen in Hochhäusern, in denen der Giftstoff steckt. In vielen Betonbauten der Sechziger- und Siebzigerjahre wurde er verwendet, denn PCB galt wegen seiner Langlebigkeit jahrzehntelang als Wundermittel. Mit PCB wurden Fernster- und Wandfugen elastisch und haltbar. Doch der Giftstoff gast aus den Fugen in die Raumluft aus und gelangt über die Atemluft in den menschlichen Körper. Nachdem man in den 1970er-Jahren entdeckt hatte, dass PCB krebserregend und erbgutschädigend ist, wurde seine Verwendung Ende der 1980er-Jahre verboten. Das bereits verbaute PCB musste jedoch nicht entfernt werden.

Gift mit Spätfolgen: Entwarnung nicht gerechtfertigt

Tausende Tonnen des Giftstoffes PCB wurden beispielsweise in Stromtransformatoren, Kondensatoren von Haushaltsgeräten und in Farbanstrichen verwendet, denn die Chemikalie ist schwer entflammbar, nicht elektrisch leitend und vor allem extrem langlebig. Wegen ihrer Langlebigkeit findet man sie bis heute überall, denn der Giftstoff hat sich durch die Ausgasung in der Umwelt ausgebreitet und angereichert. Fachleute sagen, selbst wer in nicht belasteten Räumen arbeitet, also jeder Mensch in Deutschland, nimmt PCB täglich über die Nahrung auf. Von offizieller Seite gibt es Beschwichtigungen und Entwarnung – zu Unrecht, wie die Recherchen von "betrifft" zeigen. PCB baut sich kaum ab, es handelt sich um ein Langzeit-Gift – seine Auswirkungen zeigen sich oft erst nach vielen Jahren. Zwar wurden Raumluft-Grenzwerte festgelegt. Doch laut Experten bieten sie keinen ausreichenden Schutz vor dem toxischen Erbe von PCB, weil sie veraltet und viel zu hoch seien. Wissenschaftler fordern deshalb eine aktuelle Anpassung der Grenzwerte an die der WHO sowie systematische Maßnahmen, um das Gift aufzuspüren und zu beseitigen. Bisher ist kaum etwas umgesetzt worden. Politik und Behörden sehen keinen Handlungsbedarf, stattdessen geben sie immer wieder Entwarnung.

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Fr, 11.10.2019 | 20:15 Uhr

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