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SENDETERMIN Mi, 24.7.2013 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Anstatt geheilt "blutige Entlassung"? Krank aus der Klinik

Manche Patienten werden nach Hause entlassen, obwohl die Wunden noch nicht verheilt sind oder sie sich nicht allein versorgen können. Wird so ihre Gesundheit gefährdet? Bleibt die Gesundheit der Patienten auf der Strecke, weil sie zu früh entlassen werden?

Christian K. wird von Schwestern gestützt.

Christian K. wird von Schwestern gestützt.

Patienten werden nach Operationen immer früher aus dem Krankenhaus entlassen. Manche sollen bereits nach Hause gehen, obwohl ihre Wunden noch nicht verheilt sind oder sie sich nicht allein versorgen können. Von blutiger Entlassung sprechen Kritiker. Je früher die Kliniken die Patienten entlassen, desto mehr Kosten können sie sparen. Bleibt die Gesundheit der Patienten dabei auf der Strecke?

Ob Herzinfarkt, Grauer Star oder Unfallverletzungen - für jede Diagnose zahlen die Krankenkassen eine feste Summe an die Krankenhäuser. 2003 hat das System der Fallpauschalen (Diagnosis Related Groups - kurz DRG) die Tagessätze für die reine Liegezeit in der Klinik abgelöst. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass die jeweils vorgesehene Pauschale manchmal aber nicht reicht, um einen Patienten wieder so gesund werden zu lassen, dass er beispielsweise mit der Wundversorgung allein zurechtkommt.
Zwar müssen Mindestverweilzeiten eingehalten werden, je nach vorgegebenem Krankheitsbild, doch sie sind extrem kurz angesetzt.

Elsbeth Rütten bei der Beratung.

Elsbeth Rütten bei der Beratung.

Komplikationen oder individuelle Umstände werden nicht berücksichtigt. Da sind dann beispielsweise bei einem Unfallpatienten nach Fallpauschalkatalog lediglich sechs Tage Krankenhausaufenthalt vorgesehen, obwohl er sich insgesamt vier Operationen unterziehen muss und sich danach nicht selbstständig versorgen kann. Nachforderungen an die Kassen können Krankenhäuser aber nicht stellen.

Die Folge: Je schneller die Patienten aus der Klinik entlassen werden, desto besser für die Bilanz des Hauses. Seitdem die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen nur noch Fallpauschalen zahlen, arbeiten in den Kliniken immer mehr Controller. Sie beschäftigen sich damit, den Patienten je nach Diagnose die richtige, aber auch möglichst gewinnbringende Pauschale zuzuweisen.

Patrick G. mit offener Wunde nach 5 Tagen.

Patrick G. mit offener Wunde nach 5 Tagen.

Am schlimmsten für Controller sind unvorhergesehene Zwischenfälle wie Entzündungen und Nachoperationen. Die sind in der DRG-Pauschale nicht enthalten. Gerade Unfallpatienten können sehr teuer werden: 100.000 Euro Defizit in einer DRG heißt: eine Arztstelle weniger, rechnet Olaf Schaefer, Controller an der Medizinischen Hochschule Hannover, vor. Ein Facharzt kostet etwa 100.000 Euro. Das bedeutet: Die Abteilung müsste theoretisch, wenn wir das sofort so umsetzen, mit einer Arztstelle weniger auskommen, weil die Finanzierung nicht stimmt.

So geht es für die Ärzte auch um ihre Existenz. Sie sind gezwungen wirtschaftlich zu denken: Für die Klinik ist es gut, wenn sie eine profitable Ausgangsdiagnose stellen und dann die Patienten schnell wieder entlassen.

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Mi, 24.7.2013 | 20:15 Uhr

SWR Fernsehen