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SENDETERMIN Mi, 18.11.2015 | 20:15 Uhr | SWR Fernsehen

Wie gefährlich sind Pestizide? Gift auf unseren Feldern

Jahr für Jahr werden in Deutschland mehr als 40.000 Tonnen Gifte auf unsere Felder gesprüht: Insektizide, Fungizide, Herbizide - seit Jahrzehnten spritzen die Bauern immer neue Pflanzenschutzmittel auf Gemüse, Getreide und Obst, amtlich zugelassen und angeblich gut kontrolliert. Aber wie gut sind die Kontrollen wirklich? "betrifft" will herausfinden, welche Interessen mit dem Einsatz all der Gifte bedient werden.

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Pestizide im Essen

Gift auf unseren Feldern

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Moderne High-Tech-Spritzgeräte im Einsatz.

Moderne High-Tech-Spritzgeräte im Einsatz.

Abfüllen eines Pflanzenschutzmittels auf einem Obstbauernhof in Rheinland-Pfalz.

Moderne High-Tech-Spritzgeräte im Einsatz.

Warnhinweise auf einem Pflanzenschutzmittel gegen Apfelschorf.

Wie oft werden die zulässigen Höchstmengen für Pestizid-Rückstände in Nahrungsmitteln überschritten? Als "betrifft"-Autor Manfred Ladwig versucht eine Antwort auf diese Frage zu finden, kommt ihm ein unheimlicher Verdacht: Werden Gesundheitsgefahren für die Verbraucher und Schädigungen der Ökosysteme systematisch heruntergespielt, verschleiert, oder als "Nebenwirkung" der industriellen Landwirtschaft sogar bewusst in Kauf genommen? Diese und weitere Fragen sollen in der Sendung "betrifft: Gift auf unseren Feldern - Wie gefährlich sind Pestizide?" beantwortet werden.

Die Doku will herausfinden, welche Lebensmittel aus Deutschland aktuell unzulässig hoch mit gefährlichen Wirkstoffen belastet sind: Sind zu viele Pestizidrückstände in unseren Kartoffeln, Äpfel oder Zwiebeln? Und was heißt das für unsere Gesundheit?

Autor Manfred Ladwig ist einem reibungslos funktionierenden System auf der Spur: Es scheint, als ob Behörden, Industrie, Wissenschaftler und Labore ein gemeinsames Ziel verfolgen würden: Alle Beteiligten tragen dazu bei, die Höchstmengen und Grenzwerte so festzulegen, dass Pestizide in der industriellen Landwirtschaft weiter so wie bisher eingesetzt werden können. Statistiken zu den Messergebnissen der Behörden werden immer nur zeitverzögert veröffentlicht. Bis dahin sind die belasteten Produkte längst gegessen. "betrifft" folgt der Spur des Giftes vom Acker in die Gewässer bis hin zum Verbraucher.

Gesundheitsgefährdung durch Pflanzenschutzmittel

Harald Ebner, MdB, Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik

Harald Ebner, MdB, Sprecher für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik

Harald Ebner, Bundestagsabgeordneter aus Schwäbisch Hall/Hohenlohe und Pestizidexperte der Grünen Bundestagsfraktion fordert Konsequenzen aus unseren SWR-Recherchen über Pestizide:

"Die lange Liste von einheimischen Produkten, bei denen die Pestizid-Grenzwerte überschritten wurden, ist erschreckend.

Sie zeigt, dass Pestizidbelastung nicht als Import-Problem abgetan werden kann. Unsere Landwirtschaft muss dringend aus der Chemie-Sackgasse raus.

Auch wenn nicht jede Grenzwertüberschreitung eine akute Gesundheitsgefährdung bedeutet – die Überschreitungen sind zum Teil sehr hoch, und zeigen, dass wir an den Einsatzmengen drehen müssen. Auf gar keinen Fall dürfen die jetzt bekanntgewordenen Überschreitungen der zulässigen Höchstwerte Anlass sein, einfach mal die Grenzwerte nach oben anzupassen.

Das ist leider nur allzu oft die reflexhafte Reaktion in solchen Fällen. Selbst beim wahrscheinlich krebserregenden Pflanzengift Glyphosat hat die EU-Behörde EFSA gerade erst vorgeschlagen, den Grenzwert für die tägliche Aufnahme um zwei Drittel zu erhöhen, statt die Neuzulassung in Frage zu stellen. Wir VerbraucherInnen können immerhin jeden Tag beim Einkauf bewusst Produkte wählen, bei deren Herstellung keine chemisch-synthetischen Pestizide eingesetzt werden: indem wir ganz einfach Bioprodukte kaufen. Das Ökomonitoring der CVUA Stuttgart zeigt seit Jahren, wie deutlich der Unterschied in der Rückstandsbelastung ist."

Umweltschäden durch Pestizide: Rund ein Drittel Verlust von Biodiversität am Rande landwirtschaftlich genutzter Flächen

Die Rolle von Politik, Wirtschaft und Lobbyisten bei der Zulassung von chemischen Produkten



Corporateeurope: http://corporateeurope.org/food-and-agriculture/2015/04/glyphosate-saga-independent-scientific-advice-according-germany-uk

Bulldozing: http://archive.corporateeurope.org/lobbycracy/BulldozingREACH.html

Missed and Dismissed: http://gmwatch.org/index.php/news/archive/2014/15659-missed-and-dismissed-independent-science-in-pesticide-risk-assessments

Kritische Ergebnisse aus Fütterungsstudien