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Alpenrausch und Größenwahn Wer stoppt den Ausverkauf der Berge?

Der Kampf um die Urlauber in den Alpen wird immer härter. Durch den Klimawandel sind viele Skigebiete nicht mehr schneesicher. Um Skitouristen anzulocken, überbieten sich die verbleibenden Gebiete mit Superlativen. "Höher, größer, weiter" ist die Devise von Gemeinden und Liftbetreibern. Doch mittlerweile regt sich Widerstand der Einheimischen, die sich gegen den Massentourismus wehren. Sie sehen nicht nur die Natur in Gefahr, sondern auch das soziale Leben in ihren Dörfern. Über ein Jahr lang begleitet das "betrifft-Team" Menschen, die den aktuellen Entwicklungen etwas entgegensetzen wollen.

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Alpenrausch und Größenwahn

Wer stoppt den Ausverkauf der Berge?

Skifahren im Grünen: Mitte Oktober eröffnet Kitzbühel seine ersten Pisten. Skifahren auf Kunstschnee bei 20 Grad zur Saisoneröffnung.

Ski-Partyzirkus in Ischgl.

Massenansturm an den Liften an Weihnachten in St. Anton am Arlberg.

Einheimische protestieren gegen Eingriffe in die Natur

Ein seltenes Bild – Wanderer beim Demonstrieren: Einheimische aus dem Vorarlberg und Tirol haben sich zu einer Demowanderung zusammengetan. Sie rufen "As Langat!" (es reicht!) und wandern eine Woche lang durch die Alpen, um Touristen und Politiker aufzurütteln. Sie kämpfen gegen den Bau von riesigen Speicherseen zur Beschneiung der Pisten und gegen Skischaukeln, die bislang naturbelassene Hänge überbauen würden. Dabei schrecken Betreiber und Investoren auch nicht vor illegalen Machenschaften zurück, denn die Strafen in Österreich sind im Vergleich zum möglichen Gewinn verschwindend gering. Bereits jetzt spüren Einheimische die Folgen der Eingriffe in die Natur. So erzählt eine Bewohnerin aus Pettneu in der Nähe von St. Anton von den Hängen, die aktuell immer instabiler werden. Im Sommer vergeht kaum ein Monat, in dem keine Muren abgehen und Straßen zuschütten oder gar Häuser zerstören. Am Arlberg gibt es im Januar mehrere Lawinentote und in Balderschwang im Allgäu zerstört eine riesige Lawine Teile eines Hotels. Das Wetter wird extremer, prophezeien Experten. Wie sieht die Zukunft des Tourismus in den Alpen aus?

Ausgestorbene Bergdörfer außerhalb der Tourismussaison

Die Menschen in den einst armen Bergdörfern leben fast ausschließlich vom Tourismus. Die Einheimischen selbst können sich meist die hohen Mieten im eigenen Dorf nicht mehr leisten, wenn sie überhaupt eine Bleibe finden. Das Vermieten als Ferienwohnung an Touristen ist lukrativer. Das trägt teils skurrile Blüten. Ganze Orte sind neben der Hauptsaison wie ausgestorben, da fast alle Wohnungen als Ferienwohnungen verkauft wurden, aber von den Eigentümern nur sporadisch genutzt werden. Gerade jungen Menschen bleibt nichts anderes übrig, als in Sozialwohnungen außerhalb des Ortes zu wohnen und selbst die sind schwer zu bekommen. Auch die Jobs in der Gastronomie und Hotellerie werden immer härter. Da der Hauptverdienst nach wie vor im Wintertourismus verdient wird, heißt das für die Arbeitnehmer, monatelanges Durcharbeiten mit 12-Stundentagen.