Bitte warten...

"Nibelungenlied" in Karlsruhe Ein Meisterwerk der Weltliteratur

Jede Menge Helden, Heldinnen und Drachen bietet die Nibelungensage. Drei Handschriften, in denen das mittelalterliche Epos vollständig überliefert ist, hat die UNESCO im Juli 2009 in das Weltdokumentenerbe aufgenommen.

Blick auf die erste Seite des Nibelungenliedes, Handschrift C

Die Nibelungen-Handschrift C

Die Karlsruher Nibelungensage, die so genannte "Handschrift C", ist die älteste der drei Handschriften, die von der UNESCO in das "Memory of the World" aufgenommen worden sind. Sie stammt aus der Zeit von 1225 bis 1250. Wäre dieses Buch nicht erhalten, sagt die Direktorin der Badischen Landsbibliothek, Dr. Julia v. Hiller, würden wir von der Lebendigkeit der Sage wenig wissen.

Und die gilt als eines der zentralen Werke der Weltliteratur: Das Nibelungenlied ist mit anderen großen Epen vergleichbar, wie z. B. der Troja-Sage oder dem Gilgamesch-Epos aus dem alten Babylonien.


Vor 800 Jahren zum ersten Mal niedergeschrieben

Der Autor des Nibelungenliedes ist unbekannt. Forscher glauben, dass es zum ersten Mal am Hof des Passauer Bischofs Wolfger von Erla aufgeschrieben wurde, und dass mündliche Überlieferungen aus älterer Zeit die Basis des Epos darstellen. Vermutlich wurden Personen, die tatsächlich lebten, mit der Zeit zu literarischen Helden.


Verehrt und missbraucht

Nibelungen-Festspiele: Nina Petri als Heldin Brünhild

Wormser Nibelungen-Festspiele

Die Geschichte um den Drachentöter Siegfried, der Kriemhild heiratet, getötet wird und den Kriemhild später blutig rächt, ist populär.

Allerdings wurde das Nibelungenlied auch in hohem Maß von denen vereinnahmt, denen es für ihre Ziele passend schien: Vor 100 Jahren sprach Reichskanzler v. Bülow von der "Nibelungentreue". Im Ersten Weltkrieg ließ Kaiser Wilhelm II. die "Siegfriedlinie" bauen. Hermann Göring mahnte die eingeschlossenen Soldaten in Stalingrad, sie sollten sich wehren wie die Nibelungen, die den Durst mit dem eigenen Blut gelöscht hätten.

"Textvergewaltigung" nennen das manche Forscher. Auch Dr. Ute Obhof, die Leiterin der Abteilung Sammlungen der Badischen Landesbibliothek, mahnt, den Text vor solchem Missbrauch zu trennen: "Das Nibelungenlied ist nicht deutsch. Die Nazis haben diesen Text für ihre Zwecke missbraucht, ohne ihn richtig gelesen zu haben. In allererster Linie ist das Nibelungenlied europäisch", sagt sie.

"Für alle Zeiten erhalten"

Blick auf die erste Seite des Nibelungenliedes, Handschrift C

Unscheinbar höchstens auf den ersten Blick

Normalerweise ist die Nibelungen-Handschrift nicht öffentlich zugänglich. Denn Pergament, Einband, Tinte und Farben sind hochempfindlich gegenüber Licht oder der mechanischen Beanspruchung des Buchs beim Transport. "Wir wünschen uns, dass diese Handschrift für alle Zeiten erhalten bleibt", sagt Ute Obhof entschieden. Und das Original muss man nicht vor sich haben, um das Nibelungenlied studieren zu können - schließlich liegt es auch digital vor.

Mehr zum Thema im WWW: