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450. Todestag Philipp Melanchthons "Investiert in Bildung!"

Auch wenn man mit der Reformation heute vor allem den Namen Martin Luther verbindet: Ohne dessen Freund Philipp Melanchthon wäre die Reformation sicher weniger erfolgreich verlaufen. Der gebürtige Brettener lebte und wirkte in Wittenberg. Dort starb er vor 450 Jahren, am 19. April 1560. Was Melanchthon bewirkt hat, darüber hat Uwe Birnstein zwei Bücher geschrieben. Uns hat er bei der Spurensuche geholfen.

Fassade des Melanchthon-Hauses in Bretten

Melanchthon-Haus in Bretten

Als Philipp Schwartzerdt wurde Melanchthon 1497 in Bretten geboren. Das hochtalentierte Kind begeisterte sich schon früh für Latein und Altgriechisch. Philipps Großonkel Johannes Reuchlin förderte den Knaben - und übersetzte seinen Namen schließlich ins Griechische: aus "Schwarzerdt" wurde "Melanchthon".

Der Bildungreformer

Melanchthons Spuren sieht man bei jedem Blick auf ein Gymnasium: In Nürnberg gründete Melanchthon 1526 eine Obere Schule – sie ist das Urbild jedes Gymnasiums. Den Menschen Bildung nahe zu bringen, war ihm ein Grundanliegen und nach seiner Überzeugung das einzige Mittel gegen Barbarei und gegen Kriege. Uwe Birnstein glaubt: "Wenn man Melanchthon heute zu unserer Bildungssituation interviewte, würde er sicher sagen: 'Investiert nicht in irgendwelche Firmen oder in die Wirtschaft – investiert in Bildung!'"

Der Weggefährte Martin Luthers

Porträt Philipp Melanchthons aus der Werkstatt Cranachs des Jüngeren

Philipp Melanchthon

Ohne Melanchthon hätte es die Reformation möglicherweise gar nicht gegeben, sagen Experten. Denn Martin Luther - impulsiv und laut - hätte den evangelischen Glauben alleine nicht dialogfähig machen können. Melanchthon hat viele von Luthers Äußerungen in eine Sprache gebracht, die die katholische Kirche überhaupt verstehen konnte. So wurden Gespräche möglich.

"Der enthusiastische und existenziell ergriffene Luther brauchte die Ergänzung durch den Denker Melanchthon", sagt Uwe Birnstein. "Zusammen haben sie die katholische Kirche und damit eigentlich die ganze Welt in ihren Grundfesten erschüttert." Und Luther lobt seinen Freund in den höchsten Tönen: "Ich glaube, dass seit 1.000 Jahren die Heilige Schrift nicht mit solcher Reinheit und Klarheit behandelt worden ist."

Der Humanist

Philipp Melanchthon

Die Kircheneinheit konnte er nicht bewahren.

Was ist der Sinn des Lebens? Was ist mit dem rechten Glauben an Gott gemeint? Im 16. Jahrhundert war es die katholische Kirche, die den Menschen darauf Antworten gab. Die so genannten Humanisten und mit ihnen Melanchthon wollten den Theologen jedoch nicht länger blind glauben, sondern lieber selbst in den Schriften antiker Philosophen und in den Urtexten der Bibel nachlesen. Melanchthon las auch mit seinen Studenten die Originalschriften - regelmäßig waren seine Vorlesungen in Wittenberg überfüllt. Damit wollte er ein verknöchertes Bildungssystem auflockern, und zwar nicht mit neuen Ideen, sondern durch den Rückgriff auf das Alte. "Denn alles, was gut ist, ist schon da in der Welt", zitiert Uwe Birnstein Philipp Melanchthon.

Der Privatmann

Philipp Melanchthon war ein außergewöhnlich neugieriger Mensch: Er betrachtete die Welt offen, ohne gleich zu urteilen. Sein Familienleben mit seiner Frau Katharina war vorbildlich, und Melanchthon dachte viel über seine eigenen Erziehungsmethoden nach - und über seine Fehler. So gab er beispielsweise seiner Tochter einen seiner Studenten zum Ehemann, und die Ehe wurde unglücklich. Uwe Birnstein sagt: "Es gibt ganz Herz zerreißende Briefe, wie Melanchthon da mit sich selbst ins Gericht geht. Er war kein Pascha, sondern ein ganz feinsinniger Mensch – in der Lehre und auch privat."


Melanchthon ganz wörtlich - Zitate aus seinen Schriften

"Ich bitte dich, schau dein Leben an und erkenne - soweit es dir möglich ist aus den Früchten die gegenwärtige Unreinheit deines Herzens! Bist du nicht deshalb um Unterhalt, guten Ruf, Leben Kinder, Ehepartner ängstlich besorgt, weil du Gott zu wenig vertraust, weil du die Größe der göttlichen Barmherzigkeit nicht erwägst?"
"Im Leben kann überhaupt Treffliches nur geleistet werden, wo wir mit Feuereifer eine Sache ergreifen und uns eine gewisse Leidenschaft mit fortreißt."
"Es kann kein Zweifel bestehen, dass der Lebensform des Lehrens und Lernens das größte Wohlgefallen Gottes gilt."
"Weintrinken mit Maß und ein liebliches Mädchen genießen: Das ist, in Gemeinschaft mit Gottesfurcht, das süßeste Leben."
"Umgib dich nicht mit vielen Freunden, selten sind nämlich heute Freimut und Treue und Dank."

Buchcover 'Der Humanist'

Buch

Uwe Birnstein

Der Humanist. Was Philipp Melanchthon Europa lehrte

Verlag:
Wichern
Produktion:
2009
Länge:
120 Seiten
Preis:
9,95 Euro
Bestellnummer:
ISBN: 978-3-88981-282-7


Buchcover 'Melanchthon klug & weise'

Buch

Uwe Birnstein (Hg.) mit Illustrationen von Christiane Knorr

Melanchthon klug & weise. Seine besten Zitate

Verlag:
Evangelische Verlagsanstalt
Produktion:
2010
Länge:
52 Seiten
Preis:
7,80 Euro
Bestellnummer:
ISBN: 978-3-374-02753-8