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Kaltwasser-Geysir Andernach Die zischende Sprudel-Spritze

Warum der Andernacher Geysir Wasser spuckt

Wie Schampus auf dem Siegertreppchen spritzt der Geysir in Andernach am Rhein eine Fontäne 60 Meter hoch in den Himmel. Die Fontäne hat er mit allen rund 600 aktiven Geysiren weltweit gemeinsam. Der Effekt entsteht bei den meisten Geysiren durch Erdwärme. Das Besondere am Andernacher Geysir: Sein Wasser ist kalt, und es wird von Kohlendioxid-Gas (CO2) empor geschleudert, das sich unter der Erde angesammelt hat.

Das Kohlendioxid bahnt sich aus dem tiefen Erdinneren seinen Weg durch die Gesteinsschichten nach oben. Wissenschaftler vermuten erhöhte vulkanische Aktivität unter der Erdoberfläche in der Osteifel. Das CO2 stammt aus Magma-Kammern, die in der Vulkan-Region schlummern. Auf seinem Weg nach oben trifft das Gas irgendwann auf Grundwasser und vermischt sich mit ihm. Damit beides bis an die Erdoberfläche gelangen kann, hat man auf der Halbinsel Namedyer Werth, die bei Andernach in den Rhein ragt, ein Brunnen-Loch gebohrt. Jetzt ist der Weg frei, das Gas reißt Grundwasser mit nach oben - ähnlich wie bei einer Mineralwasserflasche, die man zuvor geschüttelt hat.


Warum das Wasser blubbert

Das kalte Grundwasser kann einiges an Kohlendioxid aufnehmen. Aber wenn eine bestimmte Menge an Kohlensäure im Wasser erreicht ist, steigen die Gasbläschen weiter an die Oberfläche – es beginnt zu brodeln. Gleichzeitig nimmt der Druck im Brunnen-Rohr ab, je mehr Kohlendioxid freigesetzt wird. Die Blasen werden immer größer, bis sie das ganze Rohr ausfüllen. Das Gas kann nur noch auf einem Weg entweichen: durch die Brunnenöffnung Richtung Himmel. Der Geysir "springt", die Fontäne steigt höher und höher.

100 Minuten bis zum nächsten Ausbruch

Wer das Naturschauspiel erleben will, wird in Andernach garantiert auf seine Kosten kommen. Der Geysir spuckt zuverlässig fünf Mal am Tag Gas und Wasser in die Luft. Ein Ausbruch dauert etwa sechs bis acht Minuten. Beim ersten Geysir-Sprung am Morgen können Besucher sogar bis zu zehn Minuten staunen, weil sich über Nacht besonders viel CO2 angesammelt hat. Wenn das Gas entwichen ist und die Fontäne verebbt, füllt sich das 350 Meter tiefe Bohrloch wieder mit frischem Wasser. Es wird aufs Neue mit aufsteigender Kohlensäure angereichert – das Spiel beginnt von vorn.

Künstliche Kontrolle

Nachts und während der Wintermonate darf der Geysir nicht springen – er wird mit einem Deckel verschlossen. Zum einen soll das den Tieren im Naturschutzgebiet Namedyer Werth eine Ruhepause verschaffen – schließlich brodelt und zischt der Geysir kurz vor und während des Ausbruchs mit beachtlicher Lautstärke. Zum anderen wird der Rhythmus des Geysir-Sprungs aus Sicherheitsgründen kontrolliert. Aus der Quelle tritt mal mehr, mal weniger CO2 aus – und in hoher Konzentration eingeatmet kann das Gas sogar tödlich sein.

Eiskalter Fontänen-Rekord

Der Andernacher Kaltwasser-Geysir ist übrigens Meister seiner Klasse. Mit seiner 60 Meter hohen Fontäne hat er es sogar ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft.

Das hohe CO2-Vorkommen im Städtchen am Rhein ist nur eine von vielen vulkanischen Spuren in der Region. Auch im Eifeldorf Wallenborn gibt es einen kleinen Kaltwasser-Geysir. Der "wallende Born" hat dem Ort seinen Namen gegeben und zeugt ebenso von Vulkanismus wie die zahlreichen Mineralquellen am Rhein und in den angrenzenden Mittelgebirgen.