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Hightech-Laufrad Der Draisine auf der Spur

Freiherr von Drais gilt als Urvater des Fahrrads. Um das Jahr 1813 begann er ein Laufrad aus Holz zu entwickeln. Das erste Exemplar dieses Gefährts, mit dem der Professor für Mechanik erstmals am 12. Juni 1817 in Mannheim unterwegs war, hatte keine Pedale und wog 40 Kilogramm. In Karlsruhe bauen Forscher zusammen mit Studenten und Schülern eine moderne Version des Vehikels.

Draisine im Karlsruher Stadtmuseum

Nachbau der ersten Draisine

Freiherr von Drais hatte das Laufrad wegen steigender Haferpreise als Alternative zu Pferdefuhrwerken entwickelt. Was der Hafer damals, sind heute die Treibstoffpreise: Alternative Antriebsmöglichkeiten sind ein wichtiger Forschungsgegenstand.

Am Fachbereich Maschinenbau und Mechatronik der Hochschule für Technik und Forschung Karlsruhe beschäftigen sich Professoren, Studenten und Schüler mit der Draisine - weniger aus Nostalgie, sondern vielmehr aus ganz praktischen Gründen. Seit 2002 wird an dem Gefährt gearbeitet, es wird permanent optimiert. Schon unter zehn Kilogramm Gewicht und doch über 40 Stundenkilometer schnell sind die aktuellsten Konstruktionen aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Auf den Prototypen wird bäuchlings nach unten mehr gelegen denn gesessen.

Wissen für den Fahrzeugbau

Professor Walter hält Vordergabel

Professor Jürgen Walter mit Vordergabel

"Wenig Energieverbrauch, geringes Gewicht, hohe Sicherheit, Fahrspaß und Alltagstauglichkeit sind Kriterien, die allgemein im Fahrzeugbau gelten, also auch bei unserer Draisine", stellt Jürgen Walter, Professor für Informationstechnik an der Hochschule, fest. "Das Einfachste zu finden, ist oft das Komplizierteste." Professor Walter strebt an, das aus der Draisinen-Forschung bezogene Wissen auch für Verbundstoffe oder in der Antriebstechnik für den Fahrzeugbau zu nutzen.

Das Hightechprodukt Draisine soll unter dem Motto "Drais 300" bis zum 300. Stadtgeburtstag von Karlsruhe im Jahr 2015 serienreif entwickelt werden. Dann sollen 300 Draisinen per Sternfahrt nach Karlsruhe fahren.

Der Bau der Ultraleichtgeräte aus Kohleverbundfaser ist aufwändig, aber nicht so kompliziert, dass nicht auch Schüler Teile davon erledigen können. Zehn Schulen rund um Karlsruhe arbeiten seit Herbst 2008 an der Draisine mit. Die handwerkliche Tätigkeit und die Beschäftigung mit der Technik sollen die Teamarbeit fördern und letztlich die Schüler auch für Ingenieurskunst und Naturwissenschaften begeistern. Zusammen mit Studenten und den Fachlehrern schleifen die Schüler für den Laufrad-Rahmen Fasern ab, gleichen Unebenheiten aus und laminieren die Rohformen aus Styrodur – was so ähnlich wie Dämm-Material im Hausbau aussieht und sehr leicht ist.

Stadtvehikel der Zukunft

Andreas Dieterle auf Draisine

Andreas Dieterle testet

Weil die Arbeitsschritte für die Schüler vereinfacht werden mussten, ist die Produktion der Laufräder jetzt noch effizienter geworden, bestätigt Professor Walter. Und für die Lackierung sind angehende Verfahrensmechaniker der Heinrich-Hübsch-Schule am Werk - die Außenhaut glänzt bei einigen Draisinen jetzt wie bei Formel Eins-Fahrzeugen im Rennsport.

Der Bau der Hightech-Draisine wird von Andreas Dieterle betreut. Der Ingenieur hat das Design entwickelt, eine computergestützte Arbeit, zusammen mit Drittsemestern am Fachbereich. Dort ist die Ausstattung so gut, dass innerhalb kürzester Zeit die Zeichnungen an Maschinen umgesetzt werden können. So sind etwa verschiedene neue Teile für den Rahmen entstanden.

Betreuer erklärt Schülern Arbeitsschritte

Handarbeit am Rahmen

Diese Rohformen werden dann für das Endprodukt weiter veredelt. Für Dieterle ging es darum, Liege- und Sitzfläche in möglichst geschwungenem Design zu verbinden. Gerade überlegt er, wo ein Elektroantrieb untergebracht werden könnte und wie eine Draisine beschaffen sein müsste, die gleichermaßen für Männer und Frauen geeignet ist.

Und auch Professor Jürgen Walter hat die Zukunftspläne für das Stadtvehikel der Zukunft schon fest im Visier. Er möchte das Projekt noch so weiter entwickeln, dass die Draisinen mit einer hoch auflösenden Kamera, GPS und i-Pod bestückt werden, um Navigation und Kommunikation zu ermöglichen. Und wenn das Zweirad schließlich ausgereift ist, will er damit nach Nancy, in die Partnerstadt Karlsruhes, fahren - das ist immerhin 220 Kilometer entfernt. Eine ähnliche Fernfahrt wie sie einst Freiherr Karl Drais von Sauerbronn von Karlsruhe nach Kehl unternahm.

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"Zeitwort"

12.06.1817: Karl Drais fährt in Mannheim erstmals mit einer Draisine

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