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Der Bombenangriff vom 27. Februar 1945 "Das war das Ende von Mainz"

Interview mit einem Zeitzeugen

20 Minuten dauerte der Bombenangriff der britischen Luftwaffe, der die Mainzer Innenstadt am 27. Februar 1945 in ein Inferno aus Flammen und Rauch verwandelte. Als er vorüber war, gab es das alte Mainz nicht mehr: 80 Prozent der Innenstadt waren zerstört. Der Angriff kostete mehr als 1.200 Menschenleben. Der damals 16 Jahre alte Anton Maria Keim entkam nur knapp dem Tod. Für SWR.de erinnert er sich.

Anton Maria Keim

Überlebte das Inferno: Dr. Anton Maria Keim

SWR.de: Herr Dr. Keim, denken Sie noch oft an den 27. Februar 1945?

Dr. Anton Maria Keim: Dieser Tag bleibt mir bis heute in leidvoller Erinnerung. Ich werde nachts manchmal wach und weiß gar nicht, warum ich noch lebe. Ich zucke heute noch zusammen, wenn ich eine Sirene höre oder wenn mich etwas an Flakfeuer erinnert. Das Knistern und das Brennen der Stadt bleibt mir ewig in Erinnerung.

Was haben Sie gemacht, als der Fliegeralarm Sie überraschte?

Ich war damals untergetaucht, um weder zum Fronteinsatz eingezogen noch deportiert zu werden (Anm. der Redaktion: Keims Großmutter war Jüdin). Nachmittags war ich mit dem Fahrrad in der Mainzer Innenstadt unterwegs, um mich in zwei Buchhandlungen umzusehen, in denen es alte und verbotene Bücher gab. Als der Fliegeralarm um kurz nach 16 Uhr losging, wollte ich mich in den Osttürmen des Doms in Sicherheit bringen. Ich war auf der Höhe des Proviantamtes und fuhr eilig los, geriet aber am Schillerplatz in den Bombenhagel.

Innenraum der zerstörten St. Emmeranskirche

Zerbombt: Kirche St. Emmeran

Ich habe dort den Angriff im Hausflur der Elsässer Bank verbracht. Aus dem Keller unter mir drang Geschrei: Gas- und Wasserleitung waren geplatzt und die Leute ertranken und erstickten. Ich hatte Glück, ich konnte nach diesen furchtbaren 20 Minuten mit einer leichten Rauchvergiftung auf meinem Fahrrad mit Mühe und Not aus dem brennenden Mainz herauskommen - auch wenn bis heute nicht genau weiß, wie.

Wo sind Sie hingefahren?

Ich wohnte damals in Hechtsheim. Von der Hechtsheimer Höhe aus habe ich die brennende Stadt gesehen, wie eine einzige Fackel, die sich nach oben zusammenschloss. Ich habe wie ein Kind geheult. Uns war damals klar: Das ist das Ende von Mainz. Die Stadt war kaputt und blieb es über Jahre. Der Dom blieb stehen - ein wahres Wunder! Er war das Symbol für Beständigkeit.

Im Kapuzinerkloster kamen damals 41 Schwestern ums Leben. Vielleicht haben diese Märtyrerinnen dafür gesorgt, dass ich überlebt habe.


Lesen Sie im zweiten Teil des Interviews, wie Dr. Anton Maria Keim das Kriegsende erlebte und wie er den Luftkrieg heute beurteilt.

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