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Abzug der US-Armee Heidelberger befürchten Geisterstadtviertel

In Heidelberg gehen Arbeitsplätze verloren und Kasernen werden frei

Die US-Armee zieht mit ihrem europäischen Hauptquartier weg aus Heidelberg. Diese Nachricht war eine Schock für die Stadt. Geschäftsleute befürchten Verluste, wenn Läden, Hotels oder Autoverleiher die US-Militärangehörigen als Kunden verlieren. Und Anwohner fragen, was aus den riesigen Kasernenarealen wird.

Das Hotel Rose im Heidelberger Stadtteil Rohrbach von außen

Weniger Gäste im Hotel?

Hotelinhaberin Beate Reese sitzt an einem leeren Tisch im Restaurant ihres Hotels, vor sich einen Aktenordnern mit ihren Briefen an Lokalpolitiker

Hotelinhaberin Beate Reese

"Die werden sich alle noch umgucken", schimpft Beate Reese. Die Inhaberin des Hotels Rose ist aufgebracht. "Ich finde es einfach unglaublich, dass man ein Hauptquartier in Europa ziehen lässt nach bald 65 Jahren in Heidelberg."

Die wichtigsten Kunden

In vierter Generation betreibt die Familie von Beate Reese ein Hotel im Ortsteil Rohrbach. In Rohrbach liegen auch die amerikanischen Kasernen mit dem Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa. In guten Zeiten beherbergte sie zu 95 Prozent amerikanische Gäste, heute machen die immer noch die Hälfte ihrer Kundschaft aus. Manche Militärs waren über Monate bei ihr untergebracht. Das Gästebuch ist voller Danksagungen in englisch. Wie es mit dem Hotel weitergeht, wenn die Amerikaner weg sind, weiß sie noch nicht.

Die Einfahrt zum europäischen US Hauptquartier in Heidelberg, ein wuchtiger Kasernenbau aus rotem Sandstein

Hauptquartier der US Army

Wieso sie sich Sorgen macht, wird deutlich, wenn man durch Heidelberg-Rohrbach weiter Richtung Stadtmitte fährt. Entlang der Hauptstraße ziehen sich endlos Kasernenbauten und Zäune dahin. Am Eingang des Hauptquartiers stehen keine bewaffneten Soldaten mehr wie in den Zeiten nach den Terroranschlägen. Ein privater Sicherheitsdienst kontrolliert alle Besucher und verweist Fremde an die Militärpolizei in einer Baracke.

Nach Angaben der Stadt Heidelberg sind 8.000 Soldaten und Angehörige sowie 1.000 Zivilbeschäftigte vom Abzug betroffen. In der Region werden es zusammen sogar 30.000 Militärangehörige und 2.500 zivile Angestellte sein, weil auch Standorte in Mannheim und Schwetzingen schließen. Ein Teil der Soldaten muss sofort gehen, bis 2015 soll der Umzug abgeschlossen sein.

Vorsichtig mit Auskünften

Wer US-Soldaten am Kaserneneingang nach der Verlagerung befragen will, bekommt gar nicht erst die Gelegenheit. Vorbeikommende Militärangehörige fragen sofort beim Sicherheitspersonal nach, wer hier ein Foto macht und ob das genehmigt sei. Dass die Pressesprecherin des Hauptquartiers dabei ist, beruhigt nicht sofort. Die Angst um die Sicherheit vor Anschlägen ist offensichtlich.

Ein Auto steht vor einem Ford Autohaus in Heidelberg

Sorge um US-Kundschaft

An der nächsten Kreuzung bietet der örtliche Ford-Händler nicht nur Autos zum Kauf an. Er vermietet auch Wagen, vor allem an Amerikaner. Ein Mann in Uniform läuft vorbei. Er gibt ein paar Auskünfte auf Englisch.

Befehl ist Befehl

Umziehen, das gehöre nun mal zum Job, bei jeder Armee. Aber er mag die Stadt und will gerne hier bleiben: "Personally, I like Heidelberg. I would not want to go back to the States." Denn nicht alle Kameraden werden nach Wiesbaden umziehen, ein Teil wird in die Staaten versetzt. Haus, Nachbarschaft, deutsche Freunde - alles bleibe zurück. Das sei hart. Seinen Namen will er nicht nennen, "and please, no photo." Kritik an den Umzugsplänen wird offenbar von der Militärführung nicht gerne gesehen.

Lesen Sie im zweiten Teil des Artikels, was amerikanischen Touristen zum Umzug einfällt. Und was mit den frei werdenden Kasernen und US-Wohnvierteln geschehen soll.

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