Bitte warten...

Synagoge Staudernheim Das Gotteshaus mit dem Garagentor

Nicht immer sind Synagogen von ihrer Architektur sofort zu identifizieren, manchmal stehen sie in einer Häuserzeile zwischen Scheunen und Bauernhöfen. So auch in Staudernheim im Kreis Bad Kreuznach.

Staudernheim, Fassade der Synagoge

Fassade der Synagoge

Anfang des 19. Jahrhunderts nutzte die jüdische Gemeinde in Staudernheim einen Betsaal über dem Stall einer Viehhandlung für ihre Versammlungen. 1864 lebten 86 Frauen, Männer und Kinder mosaischen Glaubens in dem kleinen Ort zwischen 1.000 katholischen und evangelischen Mitbürgern. Und so entstand der Wunsch, eine Synagoge zu bauen. Bescheiden, mit nur 104 Quadratmetern, errichtete der ortsansässige Maurermeister Peter Dietz ein kleines Gotteshaus mit drei Rundbogenfenstern zur Straße und einem Mittelgiebel, den ein Spruch Moses' zierte: "Wie heilig ist diese Stätte. Hier ist nichts anderes als Gottes Haus und dies ist die Pforte des Himmels." Der kleine rechteckige Raum im Inneren ist heute ohne jeglichen Schmuck. Allein die leere Thora-Nische fällt auf und altdeutsche Buchstaben künden von einer unrühmlichen Geschichte.

Das Wehrmachtskasino

Staudernheim, ehemalige Synagoge

Innenraum der Synagoge

"In den Jahren 1942/1943 musste die Synagoge durch die jüdische Gemeinde zwangsverkauft werden und wurde als Wehrmachtskasino genutzt. In der Synagoge sieht man auch noch Sprüche, und zwar links und rechts der Thora-Nische. Links steht: 'Und setzet ihr nicht das Leben ein, nie wird euch das Leben gewonnen sein.'  Und auf der rechten Seite steht: 'Und trifft es uns morgen, so lasset uns heute noch schlürfen die Neige der köstlichen Zeit.' Das sind so genannte 'Durchhalteparolen' und die sind aus 'Wallenstein' von Schiller."

Angela Fröhlich ist Vorstandsmitglied im Museumsverein "Jüdische Synagoge in Staudernheim". Sie weiß, dass die Nazis das Gebäude geschändet, aber nicht in Brand gesetzt haben. Das Wehrmachtskasino wurde auch als Vereinsheim und Werkstatt der Flieger-HJ genutzt. Schließlich wohnte der Kreisleiter nur einige Häuser entfernt. Die jüdische Bevölkerung war damals mit Ausnahme von vier Personen geflüchtet. Drei wurden deportiert.

Vom Lagerraum zum Museum

Angela Fröhlich erzählt, dass eine Frau überlebt hat, Amali Ginz. "Sie war mit einem Christen verheiratet. 1968 ist sie hier in Staudernheim gestorben. Sie war die letzte jüdische Einwohnerin.“

Staudernheim, Außenansicht der Synagoge

Außenansicht der Synagoge

Damals war die ehemalige Synagoge bereits wieder im Besitz der Gemeinde, die in die Fassade ein Garagentor einbauen ließ und dort Gerümpel lagerte. Der Museumsverein hat das Haus 1993 erworben und von allen Einbauten befreit. Jetzt hat man zumindest wieder die ursprüngliche Gestalt. Aber auch die Zeugnisse der Nazi-Geschichte. Wie damit umgehen?

Im Verein gab es dazu große Diskussionen, verrät Angela Fröhlich: "Am Anfang war die Meinung auch in der Bevölkerung: 'Das wird jetzt alles wieder so, wie es früher war.' Aber mittlerweile sind wir der Meinung, dass wir in der Synagoge zeigen wollen, auch in diesem Museum, welche Wunden da früher entstanden sind. Das heißt, es soll nicht wieder alles zurückgebaut werden, sondern die Wunden, die diese Synagoge erlitten hat - seien es jetzt die Wehrmachtsinschriften oder das Garagentor - sollen sichtbar sein. Es soll keinen Rückbau geben in so einem Zuckerbäckerstil."