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90 Jahre Schule Schloss Salem "Zur Verantwortungs-Elite erziehen"

Das renommierte Internat Schloss Salem am Bodensee ist für sein ganzheitliches pädagogisches Konzept international bekannt. Prinz Philip, der Mann der britischen Königin Elisabeth II, oder die Meinungsforscherin Elisabeth Noelle-Neumann drückten hier schon die Schulbank.

Ehemaliger Schulleiter von Salem Dr. Bernhard Bueb

Dr. Bernhard Bueb, der ehemalige Schulleiter von Salem

Das weitläufige Schulgelände von Schloss Salem strahlt mit seinem spätmittelalterlichen Gemäuer und seinen hohen Torbögen bis heute etwas Hoheitliches aus. Auf dem Innenhof stehen Schüler in Grüppchen zusammen und unterhalten sich, zum Teil auch auf Englisch. Etwa ein Drittel der rund 700 Internatsschüler von Schloss Salem kommen aus dem Ausland.

Die Eltern kostet der Schulbesuch jährlich 30.000 Euro. Salem wird daher oft als Elite-Einrichtung bezeichnet. Doch nicht nur Kinder reicher Eltern dürfen hier lernen, auch besonders begabte Schüler können über Stipendien an die private Internatsschule kommen. "Wir sind eigentlich eine ganz normale Schule – nur mit sehr hoch gesteckten Charakterzielen. Salem will zur Verantwortungs-Elite erziehen", sagt Bernhard Bueb, der das Internat von 1974 bis 2005 leitete.

Pädagogische Grundsätze der Schule

Kurt Hahn und Prinz Max von Baden

Die Schulgründer Kurt Hahn (links) und Prinz Max von Baden

Kurz nach dem ersten Weltkrieg träumten die Deutschen von Frieden und Freiheit. Um künftige Kriege zu verhindern, wollte man Kinder zu mündigen Bürgern mit politischem Bewusstsein erziehen. Auch der ehemalige Reichskanzler Max Prinz von Baden und sein Privatsekretär, der Reformpädagoge Kurt Hahn, hatten diese Vision. Sie richteten auf dem Schlossgelände in Salem eine Schule ein, in der völlig neue pädagogische Prinzipien galten. "Junge Menschen sollten frühzeitig lernen, Verantwortung zu übernehmen und eigenständig zu denken", sagt Bueb.

Schüler bei der Gartenarbeit

Auch körperliche Arbeit gehörte anfangs zum Internatsleben

Für Hahn standen die Erlebnispädagogik und die Mitgestaltung durch die Schüler im Vordergrund. Er richtete Schülergremien ein, die ein sehr großes Mitspracherecht hatten. Körperlich war das Leben für die damals rund 30 Schüler allerdings hart, weiß Ulrike Niederhofer, Kunstlehrerin in Salem. "Die Schüler mussten selbst Holz hacken, um es warm zu haben, Gemüse anbauen und Kartoffeln ernten."

Erste Krisenjahre

Nach der euphorischen Gründerzeit kam die Ernüchterung durch den Nationalsozialismus. Hahn war Jude und kam 1933 für fünf Tage in Schutzhaft. Zu Beginn des zweiten Weltkriegs emigrierte er nach England. In der Zeit von 1941 bis 1945 übernahm die SS die Leitung der Schule. Nach dem Krieg wurde sie zunächst geschlossen, aber bereits im November 1945 wieder eröffnet.

"Die starken Prinzipien haben der Schule geholfen, sich in schwierigen Zeiten und in den dunkelsten Jahren deutscher Geschichte zu behaupten. Ich bin überzeugt, es werden diese Kräfte sein, die der Schule helfen werden, Krisen zu meistern." Bernhard Prinz von Baden, Schirmherr der Ausstellung.

Luftaufnahme Internat Schloss Salem

Schloss Salem

Mitte der achtziger Jahre geriet Salem finanziell in eine bedrohliche Lage, denn der Markgraf von Baden hatte der Schule das Mietverhältnis gekündigt. Er hatte konservativere Vorstellungen von Erziehung als der damalige Schulleiter. Es folgten einige Prozesse, die zugunsten der Schule ausgingen. Die Internatsschule wurde vom Haus Baden unabhängig.

Ehrenamtspflicht und Mitspracherecht

Neben den reformpädagogischen Grundsätzen, wurde mit den Jahren auch die akademische Bildung immer wichtiger. Heute können die Schüler zwischen einem internationalen Abschluss oder dem Abitur wählen. "Trotzdem sollen die Schüler nicht nach Salem kommen, nur um ein gutes Abi zu machen", sagt Bueb. Ab der achten Klassen müssen die Jugendlichen einmal pro Woche ehrenamtliche Dienste übernehmen, beispielsweise im Altenheim oder bei der Feuerwehr.

Nach wie vor haben die Schüler auch ein Mitspracherecht, von dem sie auch Gebrauch machen. Das bewiesen heftige Proteste, als der Aufsichtsrat der Internatsschule 2010 die CSU-Frau Monika Zeyer-Müller als neue Schulleiterin einsetzen wollte.

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