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Schloss Salem Teure Pracht

Gotische Eleganz und barocke Pracht

Wer den Prälatenweg von der Wallfahrtskirche Birnau aus entlangwandert, bewegt sich bereits auf Salemer Boden. Und wenn er in der weiten Salemer Ebene ankommt, steht er schließlich vor einer imposanten schlossartigen Anlage. Diese gleicht eher einem Fürstensitz als einem Mönchskloster. Das im 12. Jahrhundert gegründete Zisterzienserkloster ist vor 200 Jahren, als Folge von Säkularisation und napoleonischer Politik, an den Markgrafen von Baden übergegangen.

Prinz Bernhard

Prinz Bernhard

Mit der Gründung der 'Schule Schloss Salem' nach dem ersten Weltkrieg wurde Salem weltweit bekannt. Hausherr der gesamten Schlossanlage, in der auch die markgräfliche Familie wohnt, ist heute Prinz Bernhard von Baden. Prinz Bernhard ist stolz auf die Schlossanlage: "Hier geht es um ein unbeschreibliches Erbe. Was hier gelungen ist zu erhalten, in zisterziensischer Tradition und Kultur, 200 Jahre nachdem das Kloster aufgelöst worden ist, das ist beeindruckend."

Jahrhunderte lange Baugeschichte
Fast 700 Jahre hatte das Kloster damals auf dem Buckel, als die Mönche das Haus räumen mussten.

Der Historiker Elmar Kuhn erläutert den geschichtlichen Hintergrund: "Das Münster ist Mitte des 18. Jahrhunderts vollkommen neu ausgestattet worden. Barocke, neue Altäre wurden von Joseph Anton Feuchtmayer gebaut. Fertig geworden ist es 1750. Zwanzig Jahre später beginnt der Frühklassizismus und die ganze barocke Ausstattung verschwindet wieder. Man leistet sich das Modernste was es gibt, nämlich eine klassizistische Ausstattung. Es ist für ganz Süddeutschland eine absolute Besonderheit, dass wir in Salem eine komplette frühklassizistische Münsterausstattung haben."

Münster von Salem innen mit Alabastarausstattung

Das Münster von Salem



Fischzucht der Mönche

Rund um das hochgotische Münster gruppieren sich die Parkanlage, der barocke Konventbau, Ökonomiegebäude, Stallungen und Weinkeller, Äcker, Wiesen und Fischteiche. "Die Fischteiche gehörten auch zur Ökonomie des Klosters, die vom Kloster selbst bewirtschaftet worden sind. Zur Eigentümlichkeit des Klosters zählte, dass sie großen Wert auf die Fischzucht gelegt haben. Die Mönche konnten auch einen nennenswerten Anteil ihres Einkommen aus der Fischzucht beziehen. Sie haben die Fische also nicht nur zum Eigenverbrauch gezüchtet, sondern auch zum Verkauf", so Elmar Kuhn.

Torhaus von Schloss Salem

Torhaus von Schloss Salem

Über die Jahrhunderte haben die Zisterzienser einen florierenden landwirtschaftlichen Betrieb aufgebaut. Die Salemer Wirtschaftshöfe erbrachten ein Vermögen. Beispielsweise die Schlösser Maurach und Kirchberg. Laut Elmar Kuhn reichten die Besitztümer der Zisterzienser weit nach Oberschwaben hinein. In Ostrach, im nördlichen Linzgau, hatten sie ein Amt und in Ulm und Esslingen einen Stadthof.

Mehr als ein kunsthistorisches Denkmal

Schloss des badischen Adelshauses in Salem

Schloss Salem

Der wirtschaftliche Erfolg schlug sich ganz offensichtlich in Architektur und Ausstattung des Klosterensembles nieder. So prägen bis heute gotische Eleganz und barocke Pracht die ehemalige Klosteranlage. Gründe, sie zu erhalten, auch wenn das viel Geld kostet, gibt es nicht nur aus der Sicht des Historikers. Für Elmar Kuhn hat das Kloster Potenzial in mehrfacher Hinsicht: "Es ist nicht nur ein kunsthistorisches Denkmal, sondern auch eine Erinnerung und Denkmal einer Geistesgeschichte. Einer Geistesgeschichte, die uns heute, in dieser gegenwärtigen Auseinandersetzung, mehr ins Bewusstsein rückt. Man könnte noch platter sagen: Dann kann man natürlich auch Venedig und Florenz abreißen, dann sieht es eben überall so aus, wie es in den Vorstädten auch heute schon aussieht. Aber ganz abgesehen davon ist Salem auch ein touristischer Anziehungspunkt in der Bodenseegegend."