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Der Radbrunnenhof in Mahlberg Wohnen in einem Denkmal

Das erste Gebäude des Radbrunnenhofes in Mahlberg im Ortenaukreis ist vermutlich in der Renaissance entstanden. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde das Anwesen erweitert. Heute ist der gesamte Hof denkmalgeschützt. Die Besitzer, das Ehepaar Platt, haben ihn liebevoll restauriert und saniert.  

Eine Wand aus Sandsteinen mit zwei Fenstern und blauen Fensterläden, daran hängen alte Holzwerkzeuge und gelbe Maiskolben. Davor ist ein Beet mit Grünpflanzen.

Das Brennhaus von außen

Wer den Innenhof des Radbrunnenhofs betritt, fühlt sich erst einmal ein paar Jahrhunderte zurückversetzt. Rundherum sieht man altes Gemäuer aus Sandstein oder Fachwerk, behängt mit Weidenkörben und altem Werkzeug aus Holz oder Eisen.

Blickt man nach rechts, sieht man eine kleine, alte Kalkhütte. Daneben schließt sich das Brennhaus an, das noch heute zum Brennen und Lagern von Schnaps verwendet wird. Geradeaus sind die ehemaligen Ställe, links geht die Scheune in einen Schuppen, einen so genannten Schopf, über.

Erinnerungen werden wach

altes Bauernhaus von vorne, mit großem braunen Torbogen und blauen Fensterläden, davor steht ein Brunnen aus Buntsandstein

Der Radbrunnenhof von außen

Im Wohnhaus daneben leben die heutigen Besitzer des Hofes, Ingrid und Werner Platt. Mit einem besonderen Blick und Gespür für die historischen Details haben sie den gesamten Radbrunnenhof, also das Wohnhaus und sämtliche Wirtschafts- und Nebengebäude, wieder hergerichtet.

Den Platts war wichtig, dabei möglichst originalgetreue Bausubstanzen zu verwenden. So sind beispielsweise die Dächer der Wirtschaftsgebäude mit alten Bieberschwanzziegeln bedeckt, die die Platts zusammen mit ihrer Familie und Freunden gesammelt haben.

"Es gibt nur wenige alte Bauernhäuser, die nicht kaputt renoviert sind", meint Werner Platt. Im Jahr 1987 bot sich für ihn und seine Frau die Chance, es selber besser zu machen. "Wir waren damals auf der Suche nach einem Alterswohnsitz", erinnert sich Ingrid Platt. "Und wir wollten gerne ein altes Bauernhaus haben." Bei ihrem Mann rief das Anwesen Erinnerungen wach. Einen ähnlichen Hof besaßen schon seine Urgroßeltern im pfälzischen Meckenheim.

Manchmal rieselt es von der Decke

Treppenaufgang

Wendeltreppe im Wohnhaus

Das Ehepaar liebt seinen Hof. Und deshalb nimmt es kleine Unannehmlichkeiten gern in Kauf. Sitzt man beispielsweise im Esszimmer, kann es passieren, dass etwas Sand aus dem alten Gebälk an der Decke rieselt, wenn im darüber liegenden Zimmer jemand hin und her läuft. "Man muss in solch einem alten Gebäude wirklich wohnen wollen, sonst klappt das nicht", sagt Ingrid Platt. 

Nicht nur von außen haben die Platts dafür gesorgt, dass am Radbrunnenhof alles an ein anderes Jahrhundert erinnert. Im Schopf, dem Schuppen, hängen viele alte, restaurierte Lampen, die Werner Platt sammelt und zurzeit archiviert. In der Scheune stehen historische landwirtschaftliche Geräte und Werkzeuge. Und auch das Wohnhaus lässt mit wieder hergerichteten alten Holzmöbeln, kleinen Fenstern, niedrigen Türen und abgeschliffenen, zum Teil noch originalen Dielenböden erahnen, wie es früher dort ausgesehen haben mag.

Besucher sind willkommen

Eine Sandsteinmauer, auf der oben ein kleiner Steinbrunnen mit einer gußeisernen Pumpe steht, daneben blaue Steinguttöpfe. Im Hintergrund eine Hauswand, die von Weinreben verdeckt wird.

Der Garten des Radbrunnenhofes

Die Platts haben in den vergangenen Jahren viel Arbeit in ihren Hof gesteckt: rund 20.000 Stunden haben sie geschuftet. Und gerne zeigen sie auch - zum Beispiel am Tag des offenen Denkmals - was sie alles hergerichtet, rückgebaut und aufwändig restauriert haben. Allerdings nur in den Nebengebäuden, das Wohnhaus bleibt für Besucher zu.

"Am Anfang war es gewöhnungsbedürftig", sagt Ingrid Platt, und meint die ganzen Menschen, die am Tag des Denkmals auf das Anwesen kommen. Bis zu 300 Besucher sind jedes Jahr an diesem Tag auf dem Radbrunnenhof zu Besuch. Die können sich nicht nur das Hofgut angucken, sondern die Platts bereiten auch Ausstellungen, Vorträge und Verköstigung vor. Seit 1990 machen sie schon mit beim Tag des offenen Denkmals. "So lange es noch geht", sagt Ingrid Platt, "wollen wir dabei sein".

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