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Münsinger Hardt Wandern im Sperrbezirk

Unterwegs wie vor 50 Jahren: Keine Orte in Sichtweite, Schafe blöken, Kröten quaken, keine Autos. Der ehemalige Truppenübungsplatz Münsingen zeigt sich von seiner besten Seite. Seit April 2006 dürfen Spaziergänger wieder auf das Gelände - nach mehr als 100 Jahren Abgeschiedenheit.

Landschaft am Kalkofen im Münsinger Hart

Herber Reiz: Schwäbische Alb

Militärliebhaber kommen im Münsinger Hardt sicher nicht auf ihre Kosten: ein paar Bunker, ein zerschossener Steinbruch, ein paar Beobachtungstürme. Aber das zählt nicht im Vergleich zu einer schönen Landschaft, die wirkt, als sei sie aus einem Traum erwacht.

Der Blick schweift über Wälder, in welche die Älbler früher ihr Vieh trieben. Daher kommt auch der Name "Hardt", der ursprünglich Waldweide bedeutet. Und wer weiß schon, dass ein paar jetzt lauschige Tannenschonungen eigens für Panzer zur Tarnung angelegt wurden?

Dagegen findet sich hin und wieder Gemäuer, das an alte Zeiten erinnert: eingefallene Gewölbekeller oder das Fundament einer Mostpresse. Keine Frage, das Militär hat für seine Zwecke aufgeräumt und Sichthindernisse geschleift. Andererseits war die einseitige Nutzung auch eine Chance für die Tier- und Pflanzenwelt - eine Art unbeabsichtigtes Reservat.

Markierte Wege nicht verlassen

Auf einem rund 35 Kilometer langen Wegenetz können Wanderer die Landschaft erkunden. Autos sind verboten. Bei den Routen handelt es sich überwiegend um asphaltierte oder geschotterte Strecken. Spaziergänger, Radfahrer und Inlineskater dürfen die mit gelben Pfosten eindeutig markierten Wege nicht verlassen. Details regelt eine Rechtsverordnung. 

Die militärischen Hinterlassenschaften bleiben im Boden. Solange sie in Ruhe gelassen werden, sind sie ungefährlich. Die Munitionsreste könnten in der Landschaft nur mit großem Aufwand entfernt werden, was auch die Fauna und Flora beschädigen würde.

Lebensraum für Tiere und Pflanzen

Schafherde auf der Schwäbischen Alb

Genügsam: Den Schafen schmecken auch magere Wiesen

Selten gewordene Vögel wie Heidelerche, Schwarzkehlchen und Wendehals brüten im Münsinger Hardt. Die Hälfte aller erfassten Vogelarten sind vom Aussterben bedroht. Das betrifft auch Insekten wie den Wundkleebläuling oder Gebirgsgrashüpfer. Kröten und Frösche fanden in den Tümpeln, die durch die Fahrrinnen schwerer Panzer entstanden sind, eine neue Heimat.

Mitten im Biosphärengebiet Schwäbische Alb 

Kröte

Selten geworden: Kröten

Der ehemalige Truppenübungsplatz liegt in der Mitte des geplanten Biosphärengebiets Schwäbische Alb. Rund ein Drittel des Geländes ist bewaldet, zwei Drittel sind offen. Knapp 3.700 Hektar sind zur landwirtschaftlichen Nutzung verpachtet, davon 3.260 Hektar als Schafweide für mehr als 16.000 Schafe, die dieser Alblandschaft ihr typisches Erscheinungsbild verleihen.



Buchcover 'Naturerbe Truppenübungsplatz'

Buch

Günter Künkele

Naturerbe Truppenübungsplatz

Verlag:
Silberburg-Verlag, Tübingen
Produktion:
September 2006
Länge:
136 Seiten mit 143 Farbfotos
Preis:
19,90 Euro
Bestellnummer:
ISBN: 3-87407-713-6

Wenige Privatpersonen durften über Jahre hinweg den Münsinger Truppenübungsplatz betreten. Der Fotograf und Naturkundler Günter Künkele war eine davon. Frisch eingestürzte Dolinen, Frühjahrsstimmung im Schießplatz, Schafe beim Spielen und verlassene Panzerhaubitzen im Albnebel - mit eindrucksvollen Fotografien hat Künkele das Landschaftsbild des "letzten weißen Flecks" in Baden-Württemberg festgehalten.


Buchcover 'Spazier-Ziele auf der westlichen Alb'

Buch

Dieter Buck

Spazier-Ziele auf der westlichen Alb

Verlag:
Silberburg-Verlag, Tübingen
Produktion:
2005, 1. Auflage
Länge:
167 Seiten mit ca. 100 farbigen Abbildungen und Karten
Preis:
14,90 Euro
Bestellnummer:
ISBN: 3-87407-687-3

Wer nach der Wanderung durch das Münsinger Hart noch nicht müde ist und mehr von der Schwäbischen Alb entdecken möchte, dem sei Dieter Bucks Spazier-Führer ans Herz gelegt. Wie wäre es beispielsweise mit einer kleinen Tour zum berühmten Gestüt in Marbach oder mit einem Spaziergang zur Ruine Hohenhundersingen im Lautertal? Gute Informationen, anregende Fotos und recht präzise Karten zum Wegverlauf der rund zwei bis sieben Kilometer langen Routen zeichnen dieses Büchlein aus.


Buchcover 'Die Pflanzenwelt der Schwäbischen Alb'

Buch

Thomas Pfündel, Eva Walter, Theo Müller

Die Pflanzenwelt der Schwäbischen Alb

Verlag:
Theiss-Verlag, Stuttgart
Produktion:
2005, 3. Auflage
Länge:
240 Seiten mit mehr als 300 Farbfotos
Preis:
29,90 Euro
Bestellnummer:
ISBN: 3-8062-1956-7

Akeleien, Berg-Ahorn oder Glatthafer - dieses Buch bringt Ihnen die Pflanzenwelt nahe, die Sie während eines Spaziergangs auf der Schwäbischen Alb entdecken. Der schön bebilderte Band ist kein Nachschlagewerk im herkömmlichen Sinn: Blumen, Gräser, Sträucher und Bäume werden nach ihrem naturräumlichen Standort - beispielsweise Steinschutthalden, Hecken oder Wacholderheiden - aufgeführt. Für Eilige ist das Buch damit weniger geeignet, aber dafür umso mehr für all diejenigen, welche die Natur der Alb in ihren Zusammenhängen kennen lernen wollen.