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Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart Glänzende Luxusgarage

Rundgang durch das Museum

Das Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart-Bad Cannstatt: Ein lohnendes Ziel für Autoliebhaber, ein Muss für Architekturfans.

Bögen, Schwünge, Rundungen: Wer sich hier auf Entdeckungsreise begibt, vergisst, dass es jemals gerade Wände und starre Linien gab. Es wird erzählt, die Handwerker hätten bereits kurz nach Baubeginn die Metermaße weggeworfen, da es hier einfach keine Geraden zum Messen gäbe. Schon der großzügige Vorplatz lädt in weiten Kurven dazu ein, den silberfarbenen Koloss zu bestaunen, dessen großzügige Fensterbänder das Sonnenlicht reflektieren. Der Riese ist imposant und futuristisch zugleich. Die Luxusgarage in Form einer in Stahlbeton gegossenen Doppelhelix steckt voller Geschichten rund um die Marke Mercedes-Benz.

Gigantischer Einstieg

Atrium des Mercedes-Benz-Museums

Atemberaubender Blick im Atrium

Eingetreten in das gigantische Atrium des Museums bekommt der Besucher die gesamte Höhe des Baus entgegengeworfen: Der Schwindel erregende freie Blick zur beleuchteten Decke in 42 Metern Höhe entlockt unweigerlich ein "Wow". Die ideale Kulisse für einen James Bond-Film.

Vom Atrium aus schicken die Museumsmacher die Menschen auf eine Zeitreise durch 120 Jahre Automobilgeschichte im Zeichen des Sterns. Drei Aufzüge bringen die Besucher aus dem Verkehrslärm der B 14 zurück zu Pferdegetrappel und Peitschenknallen im Jahre 1886, zur Geburtsstunde des Automobils.

Innenansicht Merceds-Benz Museum

Gerade Wände gibt es hier nicht.

Ausgerüstet mit einem Audio-Guide oder im Rahmen einer Führung, sollen die Neugierigen das Museum mit allen Sinnen erleben. Dafür sorgen Audio- und Videoinstallationen, aufwendige Lichtinszenierungen und sogar Duftinstallationen, die beispielsweise Werkstattgeruch verbreiten. Rotationsbeamer zeigen Filme aus der Zeitepoche, in der man sich gerade befindet. Alles scheint in Bewegung.

Aus der Vergangenheit in die Zukunft

Über die leicht abfallenden Ebenen oder über Treppen, die scheinbar aus dem Nichts in die nächste Etage führen, geht der Besucher durch die Ausstellung. Dabei kann er zwischen zwei spiralförmig angelegten Gängen wählen. Er kann sich entweder die Welt des Automobils über die verschlungenen Rampen der sieben "Mythos-Räume" erschließen, die chronologisch die Geschichte der Marke präsentieren. Oder er wählt die zweite Spirale, die Zugang zu fünf Sammlungsräumen bietet, in denen zeitübergreifend Fahrzeuge und Exponate aus der Autowelt gezeigt werden. Beide Wege kreuzen sich immer wieder und können so auch kombiniert werden.

Mehr als ein Auto-Museum

Austellungsraum im Mercedes-Benz Museum

In Szene gesetzte Schauvitrinen

Der Besucher wandelt auf einem Zeitstrahl nicht nur durch die Ingenieurskunst. Durch dezent in Szene gesetzte Schauvitrinen werden ihm auch die wichtigsten Etappen der Geschichte seit Beginn des Automobilbaus nähergebracht. Dabei gelingt den Ausstellern der Spagat zwischen großer Weltpolitik und regionaler Verwurzelung. Der Bau der Stuttgarter Weißenhofsiedlung oder des Fernsehturms sind ebenso thematisiert wie die beiden Weltkriege und der Fall der Berliner Mauer. Nur in Bruchstücken, aber ansprechend und leicht verdaulich ist die Historie aufbereitet. Form, Schrift und Raumgestaltung bringen zusammen, was schwer vereinbar scheint. Die "Mythos-Räume" greifen die Materialen der jeweiligen Epoche auf. So sind die für die Autoindustrie von Sicherheitsgedanken geprägten 70er Jahre in Airbag-Stoff eingekleidet.

Berührungen - verlockend nah und doch verboten

Versteckte kleine Schauvitrinen in Böden und Regalelemente voller Kuriositäten wecken die Entdeckungslust. Es ist verlockend, die Exponate zu berühren, über den blitzenden Lack zu streichen, das alte Leder zu riechen – die Aufsichten werden alle Hände voll zu tun haben, Autoliebhaber zu bremsen. Abtrennstricke gibt es nicht, auf Autos hinter Glas wurde bewusst verzichtet. Aber nur an eigens aufgestellten Werkbänken darf selbst gefühlt, getastet und erkundet werden.

Gelungene Symbiose von Baukunst und Landschaft

Blick nach draußen

Ausblick aus dem Museum

Ein Gebäude, als gehöre es in eine ferne Zukunft. Ausblicke in die Landschaft durch Fenster, von denen keines dem anderen gleicht. Die Fabrik zu Füßen, die Weinberge in der Ferne, Autos aller Marken auf der Straße draußen wie Spielzeuge aus der Sicht eines Riesen, der sich selbst inszeniert und doch seiner Umwelt Respekt zollt.

Bis zur Jahrtausendwende galt der Plan als "unbaubar", denn für die Statik hätten die verfügbaren Softwareprogramme und Rechnerkapazitäten nicht ausgereicht. Spezialsoftware, die noch während des Baus weiterentwickelt werden musste, machte das ungewöhnliche Bauwerk möglich. Der niederländische Architekt Prof. Ben van Berkel ist zufrieden und fühlt sich in seinem Kunstwerk wohl. Die Autos, so wünschen die Museumsgestalter und Auftraggeber, sollen die Stars sein. Für Architekturfans spielen sie aber nur eine Nebenrolle.