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Böttinger Marmor Steine wie Bauchspeck

Marmor gilt als Inbegriff von Luxus und Prunk. Die Großen dieser Welt ließen sich für viel Geld Badewannen, Büsten und Tische aus Marmor fertigen. In Böttingen, einem kleinen Vorort von Münsingen, ist das ein bisschen anders: Dort fraßen jahrelang die Schweine aus Marmor-Trögen, die Misthäufen waren in Marmor gefasst, und auch das Abwasser floss in einen Kandel aus reinem Marmor.

Vor 15 Millionen Jahren durchzogen rund dreihundert Vulkanschlote den Untergrund der Schwäbischen Alb. Aber diese Vulkane spuckten kein Feuer, sondern Dampf und kochend heißes Wasser.

Geysir im Yellowstone National Park (USA)

Geysir im Yellowstone National Park (USA)

Die trichterförmige Spalte eines solchen Wasser speienden Vulkans kann man heute noch in Böttingen besichtigen. Am besten mit einem ortskundigen Führer wie dem Höhlenforscher Klaus Gebhard von der Arbeitsgemeinschaft Höhle & Karst: "Man kann sich das ungefähr so vorstellen, wie den Geysir 'Old Faithful' im Yellowstone National Park: Aus dem Quelltrichter kam heißes Wasser raus. Alles, was da im Weg war, wurde mit einer Kalkschicht überzogen."

Stündlich überschüttete der Wasservulkan die Umgebung mit kochendem kalk- und eisenhaltigen Wasser. Tiere und Pflanzen in der Umgebung "verkalkten" dadurch im wahrsten Sinn des Wortes. Sie wurden eingeschlossen in eine neu entstehende Gesteinsschicht, in den so genannten Thermalsinterkalk: weiß vom Kalk und rostrot vom Eisen.

Vergessener Schatz

Böttingen, Marmor

Böttinger Marmor

Davon wusste man in Böttingen rund 15 Millionen Jahre später natürlich nichts mehr. So mancher Häuslesbauer stieß darum auf eine echte Überraschung. Klaus Gebhard: "Die Leute haben ihr Fundament, ihren Keller gegraben. Dabei stießen sie auf eigenartige, 'gebänderte' Steine. Das war der Marmor."

Der Experte beschreibt das Gestein: "Dort ist ein ganz weißes Stück, dann sind zwei Millimeter rot, dann wieder ein bisschen weiß. Das ist wirklich marmoriert und durchzogen mit roten, weißen Streifen. Sieht aus wie Bauchspeck."

Kurze Blütezeit

Böttingen, Marmorsteinbruch

Im Steinbruch

In allen Rottönen schimmernder Böttinger Marmor schmückte nun zunächst vor allem die Keller der neuen Häuser. Aber er wurde auch für Pflastersteine, Türschwellen oder für Schweineställe verwendet - denn er war billig und leicht abzubauen.

Herzog Karl Eugen verhalf dem herrlichen Gestein im 18. Jahrhunderts schließlich zum Durchbruch. Er kaufte die Marmorgrube und ließ einen Saal im Neuen Schloss in Stuttgart mit Böttinger Marmor auskleiden. Zwar wurde auch später noch Marmor abgebaut, aber wirtschaftlich hatte der Steinbruch in der Folgezeit keine echte Bedeutung mehr.

Blick in die Erdgeschichte

Steinbruch Böttingen

Der Steinbruch ist ständig geöffnet. Wenden Sie sich in der Ortsmitte Böttingens an der Bank in Richtung Sportplatz/ Dorfgemeinschaftshaus. Nach ca. 200 Metern führt ein geschotterter Weg zum Steinbruch.
Da das letzte Wegstück aus einem steilen Pfad besteht, ist angemessenes Schuhwerk ratsam.
Der Steinbruch ist ein Naturdenkmal. Bitte belassen Sie Mineralien und Fossilien an ihrem Ort.

Ein wirkliches "Sahnestückchen" ist er jedoch bis heute für die Geologen. Klaus Gebhard: "So ein Steinbruch ist ein Schnitt in die Erdgeschichte. Wir sehen die verschiedenen Lagen wie bei einer Schwarzwälder Torte."

Auch für Wanderer ist der stillgelegte Böttinger Marmorsteinbruch heute frei zugänglich. Wer die Augen offen hält, kann dort einiges entdecken: Den Krater des uralten Wasservulkans, zum Beispiel, und ein paar letzte rot-weiße Brocken des seltenen schwäbischen Marmors.


Böttinger Marmor, Abbildung des Buches

Broschüre

Wilfried Rosendahl (Herausgeber) u. a.

Der Böttinger Marmor - Bunter Fels aus heißen Quellen

Verlag:
Staatsanzeiger-Verlag Stuttgart, 56 Seiten
Produktion:
Stuttgart, 2003
Preis:
6 Euro
Bestellnummer:
ISBN: 3-929981-48-3

Heiße Quellen, Bändermarmor, Erbsensteine oder Bulldogg-Fledermäuse: Die Broschüre beantwortet mit lehrreichen Texten, zahlreichen farbingen Abbildungen und hervorragenden Zeichnungen wahrscheinlich alle Fragen rund um den Böttinger Marmor.

Buchcover Das große Wanderbuch der Schwäbischen Alb

Buch

Schwäbischer Albverein e. V. (Hrsg.)

Das große Wanderbuch der Schwäbischen Alb

Verlag:
Konrad Theiss Verlag, Stuttgart
Produktion:
November 2005
Länge:
429 Seiten mit vielen Farbfotos und Wanderkarten
Preis:
21,80 Euro
Bestellnummer:
ISBN: 3-8062-1976-1

Wer nach dem Ausflug in den Böttinger Steinbruch Lust auf mehr bekommen hat: Dieser Führer beschreibt 120 Wanderrouten von der Klettgaualb bis zum Nördlinger Ries. Bei jeder Tour sind Sehenswürdigkeiten aufgeführt, außerdem gibt es Serviceinformationen wie z. B. zur Anfahrt oder zur Dauer der Wanderung. Die farbigen Wanderkarten zu jeder Tour sind für ihre Größe erfreulich detailgenau. Zu Klima, Naturschutz und Pflanzenleben der Schwäbischen Alb gibt es Hintergrundkapitel.

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