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Naturkatastrophe Jahrhundertsturm "Lothar": 10 Jahre danach

Am 26. Dezember 1999 ist der Orkan "Lothar" über Deutschland hinweggefegt und hat binnen Minuten verheerende Schäden verursacht. Genau zehn Jahre nach dem Jahrhundertsturm haben wir einen erneuten Blick in die Landschaft des Nordschwarzwaldes geworfen: Was hat sich seit der Naturkatastrophe verändert?

Kahlfläche nach Lothar

Kahlfläche nach Lothar

Wer die Schwarzwaldhochstraße entlangfährt, kann noch so manche große Kahlfläche entdecken. Riesige Bäume, die abgeknickt am Hang liegen, machen wieder bewusst, mit welcher Gewalt der Orkan vor genau einem Jahrzehnt in Europa wütete. Damals brachte der Sturm mit Spitzengeschwindigkeiten von über 200 Kilometern pro Stunde sogar den Windmesser zum Erliegen. Die traurige Bilanz nach der Naturkatastrophe: 60 Tote und Sachschäden in Milliardenhöhe.

Jahrelange Aufräumarbeiten

In Baden-Württemberg betrug der Sturmholzanfall durch "Lothar" über 29 Millionen Festmeter. Allein im Stadtwald von Baden-Baden hinterließ der Orkan eine Kahlfläche von ca. 2.000 Hektar. "Über zwei Jahre waren wir mit den Aufräumarbeiten beschäftigt", erklärt Dieter Faltin vom Forstamt Baden-Baden. Inzwischen wurden die Kahlflächen mit rund 900.000 Forstpflanzen wieder aufgeforstet. "Doch die Folgen des Lothars werden den wirtschaftlichen Ertrag aus dem Stadtwald noch lange negativ beeinflussen", so der Forstexperte.

Neue Chancen für die Forstwirtschaft

Förster zeigt Tubex-Wachstumshüllen

Forstexperte Dieter Faltin setzt auf Wachstumshüllen

Die Katastrophe hat aber auch ihr Gutes. Denn für die Forstwirtschaft haben sich dadurch neue Wege bei der Wiederaufforstung ergeben. Es sollen nun keine instabilen Fichtenmonokulturen mehr entstehen, sondern stabile Mischwälder. Dieter Faltin: "Die zerstörten Bäume - überwiegend Fichten - waren nicht standortgerecht eingepflanzt und damit sicher auch ein Grund für das Ausmaß der Zerstörung."

Nach dem Sturm wurde in Baden-Baden auf das so genannte "Rhodener Pflanzverfahren" umgestellt. Bei diesem Verfahren kommt die Pflanze tief in den Boden und erhält damit einen festem Sitz. Zusätzlich wird das Wachstum der Forstpflanzen mit Wachstumshüllen gefördert. "Dadurch sind Bäume in ihrer Anwuchsphase vor Verbissschäden durch Rotwild sicher."

Naturabenteuer "Lotharpfad"

Schwarzwald, Lotharpfad

Der "Lotharpfad" an der Schwarzwaldhochstraße

Das Naturchaos, das der "Lothar" hinterlassen hat, bekommt im Naturschutzgebiet Schliffkopf (Schwarzwaldhochstraße) eine völlig neue Bedeutung. Nach dem Orkan beschloss das Staatliche Forstamt Baiersbronn, eine 10 Hektar große Sturmwurffläche sich selbst zu überlassen, um die Regeneration der Natur langfristig beobachten zu können.

Seit Juni 2003 führt der ca. 800 m lange "Lotharpfad" mit Treppen, Brücken und Stegen über und unter umgestürzten Bäumen hindurch. Der Sturmwurf-Erlebnispfad gehört mit rund 50.000 Besuchern pro Jahr zu den beliebtesten Ausflugszielen im Schwarzwald.

Stürmische Zukunft?

Erst "Lothar" (1999), dann "Kyrill" (2007), "Emma" (2008) und "Kirsten" (2008) - die Zahl der Orkane hat stark zugenommen. Wird es in Zukunft also noch häufiger zu heftigen Stürmen kommen? Prof. Dr. Marc Hanewinkel von der Forstlichen Versuchsanstalt Freiburg im Interview mit dem Fernseh-Wissenschaftsmagazin "nano": "Wir gehen davon aus, dass es im Zuge steigender Temperaturen mit den Windgeschwindigkeiten zumindest nicht runtergeht."

Extreme Niederschläge, durchfeuchtete Böden und ausbleibende Bodenfröste machen die Wälder noch anfälliger gegenüber Winterstürmen. Hinzu kommen lange Trockenperioden im Sommer. "Unsere Wälder werden sich durch die Klimaerwärmung zunehmend verändern. Es werden mediterrane Waldformen entstehen, die sich mit Trockenheit und Wärme zurechtfinden. Die sehr hohen Bäume wird es dann nicht mehr geben."

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