Bitte warten...

Auf der Draisine von Karlsruhe ans Schwarze Meer Abenteuer aus ganzer Leidenschaft

Walter Werner hat seine Wohnung und seinen Job gekündigt, sein Auto ist verkauft. Er braucht es zurzeit auch nicht. Denn der abenteuerlustige Österreicher fährt auf einer hölzernen Laufmaschine von Karlsruhe 3.000 Kilometer entlang der Donau ans Schwarze Meer. Am 4. Mai ist Walter Werner am Karlsruher Schloss gestartet. Im Winter hofft er am Ziel zu sein.

Von Karlsruhe ans Schwarze Meer. Das ist eine Tour, die man selbst mit dem Auto nicht "eben mal so" macht. Knapp 2.600 Kilometer kommen da via Autobahnen und Fernstraßen zusammen. Eine ordentliche Fernreise also.

Walter Werner fährt aber nicht über Autobahnen ans Schwarze Meer. Und erst recht nicht mit dem Auto.

Der 52-jährige Österreicher mag es komplizierter: Er macht die Tour per Rad. Und zwar mit der Mutter aller Fahrräder, der legendären Laufmaschine von 1817 - auch "Draisine" genannt. So heißt sie nach ihrem Erfinder und Konstrukteur, dem gebürtigen Karlsruher Karl Friedrich Freiherr von Drais.

Ein Verrückter?

Wie verrückt muss man eigentlich sein, wenn man sich auf eine hölzerne Laufmaschine mit eisenbeschlagenen Rädern setzt und diagonal durch den halben Kontinent tourt? "Überhaupt nicht", sagt Walter Werner. Nur Abenteurer müsse man schon sein. Und er ist ein Abenteurer. Einer, der schon immer auf der Suche nach den eigenen Grenzen und neuen, ungewöhnlichen Erlebnissen war.

1978 strampelte der völlig durchtrainierte Mann aus der Nähe von Linz in Österreich durch die USA. Mit dem Fahrrad. Vom Süden bis nach Alaska. "Auch durch Ägypten bin ich schon gezogen", berichtet Werner, der überhaupt viel zu erzählen hat. Ohne allerdings seine Erlebnisgeschichten aufzudrängen. Ausführlich wird er aber dann schon, wenn er nach seinem Leben befragt wird.

Jahrelang hatte er als Reiseleiter gearbeitet - und als Busfahrer. Aber immer wieder zog es ihn raus aus dem Job und rein in ein neues Abenteuer. So hat er auch schon auf Tonga gelebt - im Südpazifik, wo es schon so manchen Aussteiger hingezogen hat. Dort hat er auch seine Familie gegründet.

Heute ist er von seiner Frau geschieden. Sein Sohn lebt auf Neuseeland, seine Tochter in Europa. Seine Wohnung hat Werner gekündigt und sein Auto verkauft. Letzteres braucht er auch nicht mehr. Er hat ja die Draisine und seinen Erlebnis-Trip. Und in den steckt er sein ganzes Geld.

Abenteurer und Drais-Enthusiast

Warum er jetzt diese Wahnsinns-Tour auf diesem schweren und störrischen Vehikel durchziehen will, dafür hat Walter Werner zwei Gründe: "Erstens, weil mich fasziniert, was Drais damals erfunden hat. Ich bin zu einem totalen Drais-Enthusiasten geworden. Denn schließlich hat er mit seiner Laufmaschine den Grundstein zu allem gelegt, was heute Mobilität ausmacht."

Und zweitens möchte er, der es bereits zum Vize-Weltmeister im Draisinenfahren gebracht hat, einfach mal die Donau entlang rollen. Auf den Spuren seiner Urahnen. Vor vielen Generationen hatten sich seine Vorfahren in Ulm aufgemacht, um donauabwärts eine neue Heimat zu finden. Spätere Generationen waren immer weiter am Strom entlang gezogen. "Das interessiert mich. Ich möchte sehen, wo sie gelebt haben."

Und so wird Walter Werner am Ende rund 3.000 Kilometer gefahren sein. Von Karlsruhe durch den Schwarzwald, zu den Quellflüssen Brigach und Breg und dann über den Donau-Radweg bis ans Schwarze Meer. Die Donau verläuft halt nicht so gerade wie die Autobahnen.

In Kontakt mit den Menschen

Schlafen will der Weltenbummler auf Campingplätzen. Und er hofft auf die eine oder andere Einladung unterwegs. Wenn er wieder einmal von neugierigen oder schlicht interessierten Passanten angesprochen wird.

Chancen darauf rechnet er sich genug aus. Schließlich erregt sein Original-Nachbau der legendären Draisine schon gehörig Aufsehen. Nicht allein wegen ihrer Konstruktion, sondern auch wegen der seltsamen Art des Antriebs: Der Fahrer sitzt auf einem Lederbock und läuft, die Maschine zwischen den Beinen.

Und dann kommt auch noch der Anhänger. Absolut atypisch, aber nötig. Schlafsack, Kameras, ein wenig Ausrüstung und eine Alarmanlage sind da drin. Bloß auf ein Handy verzichtet der Draisinenfahrer. Er möchte nicht abhängig sein von permanent aufgezwungenen Kontakten. Abenteurer eben.

"Wenn alles gut läuft, dann bin ich bis zum Winter am Schwarzen Meer", zeigt sich Walter Werner vorsichtig optimistisch. Und er wird viel sehen und viel erleben auf der langen Reise. Eine Reise, die nur Typen wie er machen können.