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Politiker Dr. Helmut Kohl (3.)

Kanzler der Einheit

Vom Rebellen zum Patriarchen

Viele haben ihn unterschätzt, aber er hat es allen gezeigt: Keiner war länger Bundeskanzler, und keiner war länger CDU-Vorsitzender. Helmut Kohl regierte über 16 Jahre. Seine Partei führte er mehr als ein Vierteljahrhundert.
In seiner Jugend gilt Kohl als ungestümer Rebell. Er provoziert die Sozialdemokraten in seiner Heimatstadt Ludwigshafen. Aber auch die eigene Partei wirbelt er mit neuen Ideen durcheinander. Mit 39 wird Kohl Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Er erregt bundesweit Aufsehen als dynamischer Reformer mit einem Gespür für politische Talente: Heiner Geißler und Bernhard Vogel etwa holt Kohl an den Mainzer Kabinettstisch. Und Kohl will mehr: 1982 wird er Bundeskanzler durch ein konstruktives Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt. 1989 mit dem Fall der Mauer schlägt seine historische Stunde. Er ergreift die Chance und handelt außenpolitisch die Deutsche Einheit aus. Sein zweites großes, historisches Projekt ist die europäische Einigung. Zollschranken werden niedergerissen, eine gemeinsame Währung gelingt. 1998 verliert Helmut Kohl die Bundestagswahl gegen Gerhard Schröder. Wenig später folgt der Tiefpunkt seiner Karriere: Die Parteispendenaffäre. Der Patriarch der CDU legt den Ehrenvorsitz seiner Partei nieder. Bis heute nennt er die Namen der anonymen Spender nicht. Seine bleibenden Verdienste für Deutschland und Europa werden inzwischen aber wieder allseits anerkannt.


Lebenslauf
03. April 1930Helmut Kohl wird in Ludwigshafen geboren
1950 bis 1958Studium: Jura, Politik und Geschichte
1960Heirat mit Hannelore, geb. Renner. Aus der Ehe gehen die Söhne Walter und Peter hervor
05. Juli 2001Selbstmord von Hannelore Kohl

Meilensteine
1946Helmut Kohl tritt in die CDU ein
1969 bis 1976Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz
1973 bis 1998Parteivorsitzender der CDU
1. Oktober 1982Bundeskanzler durch konstruktives Misstrauensvotum gegen Helmut Schmidt
1982 bis 1998Kanzler der Bundesrepublik Deutschland
03. Oktober 1990Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten per Einigungsvertrag
17. Oktober 1998Verabschiedung durch Großen Zapfenstreich in Speyer vor dem Kaiserdom
2000Parteispendenaffäre seinen Rücktritt vom Ehrenvorsitz der CDU.
2007EU-Kommissionspräsident Barroso schlägt Helmut Kohl für den Friedensnobelpreis vor

Übrigens, wussten Sie schon...

dass...
Helmut Kohl als Bundeskanzler Hausmacher Wurst in Dosen sogar an Indira Gandhi als Geschenk schickte?

dass...
Helmut Kohl in seiner langen Karriere mehr als 20 Ehrendoktorhüte verliehen wurden?

dass...
Helmut Kohl als Vorsitzender der rheinland-pfälzischen CDU-Fraktion mit seinem Kollegen, dem damaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden Jockel Fuchs, im sogenannten „Pfeifenkabinett" vertrauensvoll zusammenarbeitete, um Reformen in Rheinland-Pfalz durchzusetzen?
Auch, wenn sie eigentlich politische Gegner waren, saßen sie oft bei einem guten Wein und Pfeife rauchend zusammen.


Orte in Rheinland-Pfalz mit Bezug zu Helmut Kohl

  • Ludwigshafen-Oggersheim
    Ludwigshafen ist Helmut Kohls Heimat. Er ist seit 2005 Ehrenbürger der Stadt. In Ludwigshafen-Oggersheim steht das Haus der Familie. Helmut Kohl ist Pfälzer durch und durch. Im Pfälzer Wald wandert er gerne. Zum Speyerer Dom hat er eine besondere Beziehung: Hier nimmt er an Gottesdiensten teil, hierher hat er Staatsgäste aus aller Welt geführt, hier hat er mit einem Trauergottesdienst Abschied von seiner Ehefrau Hannelore genommen.
     

Kandidaten mit Bezug zu Helmut Kohl

  • Heiner Geißler

    Helmut Kohl holte ihn an den Kabinettstisch in Rheinland-Pfalz. Geißler war Sozialminister unter dem Ministerpräsidenten Kohl. Wichtige Reformen wie die Einrichtung von Sozialstationen hat Geißler in dieser Zeit initiiert. Später war Geißler auch Generalsekretär und Bundesminister unter Kohl. 1989 kam es zum Zerwürfnis zwischen beiden. Kohl setzte Geißler als Generalsekretär ab.

  • Bernhard Vogel

    Auch Bernhard Vogel gehört zu den politischen Talenten, die Helmut Kohl entdeckt hat. Vogel war Kultusminister unter dem Ministerpräsidenten Kohl. Als Kohl 1976 als Kanzlerkandidat nach Bonn geht, ist er dagegen, dass Bernhard Vogel sein Nachfolger im Amt des Ministerpräsidenten wird. Doch Bernhard Vogel setzt sich durch. Vogel erklärt in Interviews, dass er sich trotzdem gut mit Kohl verstehe – auch wenn beide nicht immer einer Meinung seien.

  • Karl Kardinal Lehmann

    Beide sind eng befreundet, wandern manchmal zusammen, reden über Gott und die Welt: und vor allem über gute Bücher – die Leidenschaft von Kanzler und Kardinal.

Links

Buchtipp:

Autor: Kohl, Helmut
Titel: Mein Tagebuch
Verlag: Droemer/Knaur
Erscheinungsdatum: 2000
ISBN: 978-3-426-27241-1
Preis: 22,90 €