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Nachruf auf Hanns Dieter Hüsch "Das Politische war eine Selbstverständlichkeit"

Mit seinen eher leisen Tönen und einem unverwechselbaren Stil hat der freundliche Mann an der Orgel entscheidend das Kabarett seit der Nachkriegszeit mitgeprägt - und war doch immer unverwechselbar der "Hüsch". Meist als Solist hat Hanns Dieter Hüsch seit 1947 über 70 Programme gestaltet und wurde dafür mit vielen Ehrungen ausgezeichnet.

Er war Ehrenbürger der Universität Mainz und seiner Heimatstadt Moers, er war Träger des Staatspreises des Landes Nordrhein-Westfalen und erhielt die Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz.

Hanns Dieter Hüsch 1971

Der Kabarettist in jungen Jahren

Toleranz als Lebensthema

"Ich bin in erster Linie immer ein Literat gewesen und das Politische war eine Selbstverständlichkeit für mich," hat Hanns Dieter Hüsch über sich selbst gesagt. Für seine Generation, "die 1946 aus dem Krieg kam, an die Universitäten ging", galt: "Wir hatten auf unserem unsichtbaren Fahnen ein Wort stehen, das später ja auch hin- und hergezerrt worden ist, das Wort 'Toleranz'."

Die "Tolleranten" hieß denn auch das Studentenkabarett an der gerade wieder gegründeten Mainzer Universität, mit dem er 1948 erstmals auftrat. Nach Mainz hatte es ihn gleich nach dem Krieg verschlagen, weil er studieren wollte: Theaterwissenschaften und Literatur natürlich.

Kabarettist, Poet und Philosoph

Geboren 1925 in Moers am Niederrhein, hatte ihn ein angeborenes Fußleiden davor bewahrt, in den Hitlerkrieg ziehen zu müssen. Als es ihn gleich danach eher zufällig nach Mainz verschlug, hatte er schon selbst geschriebene Lieder und Chansons im Gepäck, mit denen er bald auf dem Campus auffiel.

Stern der Satire für Hanns Dieter Hüsch

"Stern der Satire" für Hanns Dieter Hüsch

Bald folgten eigene Liederabende, Studentenkabarett, dazu ambitioniertes Laientheater: Aus dem geplanten Studium wurde nun nichts mehr. Er verschrieb sich ganz der Kleinkunst, war von da an Kabarettist, Poet, Philosoph, Komponist, Liedermacher, Wortkünstler, Schauspieler, Entertainer und Clown in einem. 

Der Mensch mit allen seinen Facetten

Überregional bekannt wurde Hüsch, als er 1956 sein eigenes Kellerkabarett "Die Arche" in Mainz gründete. Das agierte im Gegensatz zu dem "Kommödchen" oder der "Lach- und Schießgesellschaft" nicht tagespolitisch. Sein Credo hieß: "Einzige Aktualität: Der Mensch".

Diesem Grundsatz folgte Hüsch auch, als 1962 die "Arche" aufgelöst wurde und er von Mainz aus mit seinen Soloprogrammen durch die Bundesrepublik tingelte.

1971, als der Zeitgeist wieder einmal das Kabarett totsagte, war Hüsch erster Preisträger des Deutschen Kleinkunstpreis des Mainzer Unterhauses. In Mainz blieb er auch wohnen bis seine Frau Marianne, alias Frieda, an der er sich in unzähligen Gedichten und Liedern liebevoll gerieben hatte, gestorben war.

Zurück in die Heimat

Hanns Dieter Hüsch (Archivbild von 1999)

Hanns Dieter Hüsch

Er, das "schwarze Schaf vom Niederrhein", zog jetzt nach Köln, in die neue Hochburg des Kabaretts. Hier, nah seiner niederrheinischen Heimat, hatte er noch einmal das Glück, mit seiner zweiten Frau Chris Rasche eine Lebensgefährtin zu finden, die ihm bis zuletzt Halt gab.

Längst ein Monument unter den deutschen Kleinkünstlern, kündigte er in den letzten Jahren oft seinen endgültigen Abschied von der Bühne an, um dann doch immer wieder auf Tournee zu gehen. Bis ihn im November 2001 doch ein Schlaganfall ans Haus fesselte.

Hanns Dieter Hüsch und der Tod

In seinen letzten Lebensjahren war er oft in Kirchen und auf Kirchentagen aufgetreten, hatte sich mit dem lieben Gott unterhalten, den er sich sehr menschlich vorstellte. Auf den Tod hatte er sich schon früh seinen eigenen Reim gemacht:

"Tod ist von Anfang an der Doppelpunkt des Lebens, töricht wer lebt und meint dies könnte ewig sein. Doch werden alle Früchte unseres Strebens geadelt durch das Endliche Vergebens. Der Mensch geht in die Erde ein, nicht in die Geschichte, wie viele gerne glauben." (Hanns Dieter Hüsch)

Mit seinen leisen, poetischen Tönen, seiner Liebe zu dem Kleinen und den kleinen Leuten, seiner Humanität, seiner Freundlichkeit war Hanns Dieter Hüsch einzigartig in der Kleinkunstszene. Er starb am 6. Dezember 2005 in Windeck-Werfen.