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Winzige Partikel in der Luft So gefährlich ist Ultrafeinstaub

Feinstaub ist bei der Diskussion um Abgase und Luftverschmutzung immer wieder Thema. Nicht im Blickfeld ist dabei der sogenannte Ultrafeinstaub. Diese Partikel sind kleiner, aber dafür umso gefährlicher für den Menschen.

Die jeweilige Zahl steht für den Durchmesser in Mikrometer (µm). Ein Mikrometer (1 μm) entspricht einem Tausendstel Millimeter.

Bisher wird Feinstaub von den offiziellen Messstellen des Umweltbundesamtes nur in den Größen PM2.5 und PM10 gemessen. Er ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen, gelangt jedoch durch Nase und Mund in unsere Atemwege und die Lunge. Dort wo besonders viel Feinstaub in der Luft ist, ist die Zahl tödlich verlaufender Schlaganfälle, Herzleiden und Atemwegserkrankungen höher.

Noch winziger als der „normale“ Feinstaub ist der sogenannte Ultrafeinstaub: Hierbei wird die Anzahl sehr feiner, gerade einmal 0,1 µm großer Partikel in der Luft gemessen.

Belege für Herzinfarkt, Krebs, Diabetes

Axel Friedrich

Axel Friedrich: "Wir müssen dringend die Belastung der Menschen mit den ultrafeinen Partikeln ermitteln."

Axel Friedrich hat als Abteilungsleiter für Verkehr im Umweltbundesamt gearbeitet. Gemeinsam mit Urs Maier von der Deutschen Umwelthilfe untersucht den Ultrafeinstaub in Stuttgart. „Der Ultrafeinstaub kommt nicht von außen rein“, erklärt Friedrich, „sondern wird in der Straße durch Diesel-Fahrzeuge oder Baumaschinen generiert“, sagt Friederich. „Die kommen nicht von außen, sondern das sind Sachen, die kann die Stadt kontrollieren und selber in den Griff bekommen - wenn man wollte.“

An viel befahren Straßen schwirren in Stuttgart „zwischen 25.000 und 30.000“ Ultrafeinstaub-Partikel pro Kubikzentimeter Luft umher, erklärt Urs Maier. „20.000 Partikel sind in einer Stadt normal“, so Alfred Wiedensohler vom Leibnitz-Institut für Troposphärenforschung.

Bisher wird das Thema in Stuttgart jedoch weitgehend ignoriert. Dabei ist schon länger bekannt, dass diese winzigen Partikel andere negative Gesundheitseffekte hervorrufen können als der 100-mal größere PM10-Feinstaub. Einige Studien legen nahe, dass die Nanoteilchen durch die Lungenwand in die Blutbahn oder sogar über den Geruchsnerv ins Gehirn gelangen können. Herzinfarkte, Kreislauferkrankungen, Krebs sowie Diabetes werden mit den ultrafeinen Partikeln in Verbindung gebracht.

Mann trägt eine Atemschutzmaske mit der Aufschrift "Diesel macht Krebs"

Abgase sind gesundheitsschädigend. Wie gefährlich ist Ultrafeinstaub?

Keine Grenzwerte für Ultrafeinstaub

Doch für den Ultrafeinstaub gibt es bisher keine Verordnungen, geschweige denn Grenzwerte. Routinemessungen an den offiziellen Luftmessstationen in den einzelnen Bundesländern gibt es bisher nicht. Nur im Mess-Netz „GUAN“, einem reinen Forschungs-Mess-Netz, werden ultrafeine Aerosolpartikel gemessen.

Ohne langfristige Routine-Messungen aber fehlen Daten für die Durchführung von Gesundheitsstudien. Dadurch kann die Europäische Union auch keine Grenzwerte festsetzen und ohne einen Grenzwert gibt es für die Behörden keinen Grund zum Messen. Ein Teufelskreis.

Axel Friedrich plädiert deshalb für feste Vorgaben: "Wir müssen dringend die Belastung der Menschen mit den ultrafeinen Partikeln ermitteln. Das ist die Aufgabe einer Mess-Organisation, aber sie haben kein Geld dafür; sie haben keinen Auftrag dafür - und das ist der Skandal."