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Verhaltenstipps bei hohen Schadstoffwerten Joggen bei Feinstaub-Alarm?

Wer sich mit Schadstoffen im Straßenverkehr auseinandersetzt, kann schnell ein ungutes Gefühl bekommen, wenn er in der Stadt unterwegs ist. Nicht nur als Fußgänger oder Radfahrer. Wussten Sie, dass die Luft im Innenraum eines Autos oft belasteter ist als die im Freien? Wir geben Verhaltenstipps für den Umgang mit der unsichtbaren Gefahr.

1. Darf ich bei hoher Schadstoff-Belastung vor die Tür gehen?
Vor allem Menschen, deren Atemwege vorgeschädigt sind – etwa Asthmatiker oder Patienten mit chronischer Raucherlunge – sollten an Tagen mit hoher Feinstaub- und Stickoxidbelastung die „Hotspots“ meiden. Die gute Nachricht: In der Stadt sinken die Belastungen mit Feinstaub und Stickoxiden schon wenige Straßenzüge entfernt von den Stellen höchster Belastung deutlich ab. Für einen Spaziergang oder die Fahrradfahrt zur Arbeit daher lieber die Nebenstraßen nutzen.

2. Darf ich joggen?
"Die positiven Aspekte des Sports überwiegen in aller Regel die vermehrte Aufnahme von Schadstoffen", ist sich Umweltepidemiologin Barbara Hoffmann von der Uni Düsseldorf sicher. Aber auch hier gilt, was Sportler meist ohnehin beherzigen: Nicht gerade an den Stellen höchster Belastung joggen.

3. Sind Babys und Kinder besonders gefährdet?
Grundsätzlich ja. Für Kleinkinder ist eine Belastung der Atemluft grundsätzlich bedenklicher, da der Atemluftaustausch im Verhältnis zur Körpermasse viel größer ist als bei Erwachsenen. Überdies gibt es Hinweise, dass das Risiko für Kinder steigt, Asthma zu entwickeln, wenn sie dauerhaft hohen Stickstoffdioxidwerten ausgesetzt sind.

4. Sind Schwangere besonders gefährdet?
Grundsätzlich gibt es Belege, dass eine dauerhaft erhöhte Feinstaubexposition zu einem geringeren Geburtsgewicht des Kindes führt. Zu den Effekten einer kurzfristigen Belastung lässt sich wenig sagen.

Ein Teilnehmer einer Demonstration mit Atemmaske zieht durch die Straßen am 21.11.2016 in Stuttgart (Baden-Württemberg)

Atemschutzmasken sind keine Lösung

5. Schützen Atemschutzmasken vor Feinstaub und Stickoxiden?
Nein. Gerade die gefährlichen feinsten Partikel gehen ungehindert durch, die gasförmigen Stickoxide ohnehin.

6. Soll ich das Fahrrad bei hohen Feinstaub- und Stickoxidwerten stehen lassen?
Im Zweifel überwiegen die positiven gesundheitlichen Effekte der körperlichen Betätigung. Wer kann, sollte die "Hotspots" auch hier meiden und eher Nebenstraßen benutzen. Aber das tun viele Radler ja wegen der geringeren Verkehrsbelastung ohnehin. Stattdessen das Auto zu nehmen, ist aus vielerlei Gründen keine gute Idee.

7. Wenn ich schon mit Auto fahren muss – sollte ich das Fenster geschlossen halten?
Das hilft zumindest ein bisschen gegen die Feinstaubbelastung. Viele Hersteller bieten gegen den Feinstaub angeblich wirksame Filter an – objektive Tests über ihre Wirkung stehen aber noch aus. Gegen die gasförmigen Stickoxide helfen sie natürlich nicht. Im Innenraum von PKWs werden teilweise sogar höhere Werte gemessen als im Freien.
Die Lüftung auf Umluft zu stellen, ist grundsätzlich nur für kürzere Strecken zu empfehlen, weil die Luft sich mit der Zeit verbraucht.

8. Wenn ich an einer vielbefahrenen Straße wohne: Soll ich bei Feinstaubalarm meine Fenster geschlossen halten?
Das wird man vermutlich schon wegen der Lärmbelastung tun. Ansonsten kann man natürlich nicht auf regelmäßiges Lüften verzichten. Am besten nicht gerade in der Rushhour.

9. Was muss ich noch bedenken?
Bei allem sollte man aber auch die Relation im Kopfbehalten: Viele andere Luftbelastungen, denen wir uns zum Teil bewusst aussetzen, haben deutlich schwerwiegendere gesundheitliche Folgen. Der Rauch aus einer einzigen Zigarette etwa erzeugt so viel Feinstaub wie ein Euro3-Dieselmotor (d.h. ohne Rußfilter!), der eineinhalb Stunden im Leerlauf läuft.

Ganz zu schweigen davon, wie sich Raucher selbst durch das Rauchen schädigen. "Und wenn ich im Garten stehe und grille, ist die Feinstaubbelastung auch ungleich höher als an einer vielbefahrenen Straße", warnt Umweltbiologin Barbara Hoffmann vor Panik, was mögliche Gesundheitsschäden angeht.