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Kommentar | Verkehr in den Städten Mehr Großeinkäufe statt tägliche Besorgungen

Lange Staus und Belastung durch Luftschadstoffe: Um die städtischen Straßen zu entlasten und den Ausstoß von Feinstaub sowie Stickoxiden zu verringern, sind neue Konzepte gefragt. Doch auch jeder Einzelne von uns kann seinen Teil dazu beizutragen, kommentiert Alexander Drechsel.

Jeden Morgen das gleiche Bild im städtischen Verkehr: übervolle Busse und Bahnen; an roten Ampeln stauen sich Autos mit freien Beifahrersitzen; Radfahrer quälen sich durch die Straßen.

Ein Paket-Bote liefert Päckchen aus.

Paketzusteller sind fast täglich Teil des städtischen Verkehrs

Sind die Pendler am Arbeitsplatz angekommen, übernimmt der Lieferverkehr das Zepter: Große und kleine Laster blockieren Fahrspuren, werden quer über Rad- und Fußwege entladen. Am Nachmittag gesellen sich die Pendler wieder dazu.

Mit dem Mut der Verzweiflung versuchen Stadtplaner Herr der Lage zu werden. In Karlsruhe etwa erfolgte im April der erste Spatenstich für ein weiteres Teilprojekt der sogenannten Kombilösung: Der Verkehr soll unter die Erde verlegt werden. Das verschlimmert zumindest zeitweilig die Lage: Die Baustellen verursachen Staus, weshalb mancher Pendler auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigt und so die Planer der Verkehrsbetriebe im Dornröschenschlaf stört. Aber am Ende der Baumaßnahmen soll ja alles besser werden... soll!

Alexander Drechsel

SWR-Redakteur Alexander Drechsel

Unser Konsumverhalten hat Folgen

Denn wie lange solche Projekte das stetig wachsende Verkehrsaufkommen auffangen können, ist unklar. Es werden immer mehr Autos zugelassen, die zu breit für unsere Straßen sind. Hohe Mieten und Grundstückspreise treiben viele Menschen an den Stadtrand oder darüber hinaus. Die Industrie hat mit der Just-in-time-Mentalität Straßen in Lagerhallen verwandelt. Und wir alle gehen wie selbstverständlich davon aus, dass der Paketbote spätestens am Folgetag die Onlinebestellung bis an die Haustür bringt.

Futuristische Visionen von Paketdrohnen oder autonomen Flugtaxis sind kein echter Ausweg. Der Himmel über unseren Städten ist alles andere als leer.
Wie aber wäre es mit Entschleunigung und individueller Planung? Ein wöchentlicher Großeinkauf, anstatt die tägliche Fahrt zum Supermarkt. Onlinebestellungen bündeln und Fahrgemeinschaften bilden. Auf der Jagd nach "immer schneller" bleibt nicht nur die Zeit auf der Strecke.

Kommentar von Alexander Drechsel | Online: Isabell Thomas