Weltwasserforum in Marseille

Welche Interessen verfolgt der Weltwasserrat?

Verena Hepperle; Onlinefassung: Stephan Braig

Ohne Wasser kein Leben. Aus diesem Grund setzt sich der Weltwasserrat für eine gerechte weltweite Wasserversorgung ein. Doch Kritiker werfen der internationalen Organisation vor, lediglich Lobbyarbeit für die große Konzerne zu betreiben. Worum geht es dem Weltwasserrat?

Weltwasserforum

Vertreter des Weltwasserrats auf dem 5. Weltwasserforum in Istanbul 2009

Hinter dem Weltwasserrat stehen vor allem privatwirtschaftliche Interessen. Gegründet wurde die Denkfabrik 1996 von Unternehmen wie RWE, dem multinationalen Konzern SUEZ und der Weltbank. Heute finden sich unter den rund 300 Mitgliedern verschiedenste Vertreter von Unternehmen aus der Wasserversorgung oder der Maschinenbaubranche, aber auch das chinesische Wasserministerium und eine internationale Staudamm-Organisation. Nach eigenen Angaben will der Weltwasserrat vor allem das Bewusstsein zum Thema Wasser fördern und die Politik für dieses Thema sensibilisieren. Zudem soll die Erhaltung und Verbreitung von sauberem Trinkwasser gefördert werden. Finanziert wird der Weltwasserrat durch Beiträge seiner Mitglieder.

Es ist Zeit für Lösungsansätze

Sitz des Weltwasserrates ist das französische Marseille. Dorthin lädt die Organisation in diesem Jahr zu seiner Hauptveranstaltung, dem Weltwasserforum. Unter dem Motto: „Time for solutions“ – Zeit für Lösungsansätze – werden Regierungsvertreter, Nichtregierungs- wie Wirtschaftsorganisationen nach Lösungen für die weltweite Wasser- und Sanitärversorgung suchen. Denn Wasser gilt bereits heute als blaues Gold, das Anlass für zukünftige Kriege sein könnte.

Wasserpreise steigen mancherorts um 200 Prozent

Frau mit vielen Wasserkanistern

Mangel an Trinkwasser im Südwesten Chinas

Menschenrechts- und Umweltschutzgruppen wie Globalisierungsgegner kritisieren den Weltwasserrat dagegen als Lobbyorganisation. Das eigentliche Ziel, der in ihm vertretenen Konzerne sei, die Wasserversorgung weiter zu privatisieren. Die Folge einer solchen Entwicklung können höhere Preise und damit ein erschwerter Zugang zu Wasser sein. In Bolivien beispielsweise stiegen die Wasserpreise nach der Privatisierung um bis zu 200 Prozent. Laut einer Analyse der Umweltorganisation WWF kam es im vergangenen Jahrzehnt aufgrund von Wasserstreitigkeiten zu weltweit über 50 gewaltsamen Konflikten. Martin Geiger, Mitarbeiter des WWF, sieht die Schuld unteranderem beim Weltwasserforum: "Dem Weltwasserforum mangelt es leider an Verbindlichkeit. Die Politik muss endlich auf die Krise reagieren."

Alternativveranstaltung zum Weltwasserforum

Verschiedene Nichtregierungsorganisationen und Wasseraktivisten laden deshalb in Marseille zeitgleich zum Weltwasserforum zu einer Alternativveranstaltung namens FAME. Damit wollen sie darauf aufmerksam machen, dass Wasser nicht zu einer Ware werden darf und das Recht auf Wasser als Menschenrecht hochhalten.

Stand: 12.03.2012, 10.07 Uhr