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Arten wandern schneller Auf der Flucht vor dem Klimawandel

Es zieht sie in kühlere Gefilde. Tier- und Pflanzenarten flüchten vor der Klimaerwärmung der vergangenen vierzig Jahre. Eine internationale Studie berichtet nun, dass die Arten viel schneller von ihren angestammten Lebensräumen weg in angenehmere Regionen wandern, als bislang angenommen.

Ein Vogel kann tausende von Kilometern in wenigen Wochen zurücklegen. Ein Wolfsrudel kann am Tag 60, 70 Kilometer laufen. Aber: der Nistplatz des Vogels ist immer in der gleichen Gegend. Und eine Schnecke, die braucht Stunden, um nur über die Straße zu kommen. Und bei Pflanzen fällt der Apfel bekanntlich nicht einmal nach Jahren weit vom Stamm. Über alle Arten hinweg bewegt sich die Natur aber, getrieben vom Klimawandel. Auch wenn das Tempo nicht groß erscheint: diese Wanderung beschleunigt sich und geht schon weit schneller als bisher angenommen.

Arten wandern schneller

Eine internationale Forschergruppe hat entsprechende Studien des vergangenen Jahrzehnts analysiert. Der Wandel geht überraschenderweise zwei bis dreimal so schnell, wie bisher angenommen, erläutert Chris Thomas. Er ist Professor für Biologie an der Universität York in England und leitet die Untersuchung. Analysen des Weltklimarates gingen bislang davon aus, dass Tiere und Pflanzen im Schnitt mit einer Geschwindigkeit von 6,1 Kilometer pro Jahrzehnt wandern. Doch sie sind viel schneller. "Vor allem für Wanderungen weg vom Äquator zu den Polen hin haben wir festgestellt, dass die Arten mit 16 bis 17 Kilometer pro Jahrzehnt wandern", beschreibt es Biologieprofessor Thomas

Klimawandel ist eindeutige Ursache

Die Rechnung ist eher zurückhaltend. Für ihre Analyse haben die Forscher nur gut belegte Studien zu Grunde gelegt und viel Zahlenmaterial ausgeschlossen. Und die Wissenschaftler haben versucht den statistischen Beweis zu finden, dass es wirklich der Klimawandel ist, der die Wanderung auslöst – und nicht irgendwelche anderen Faktoren. Professor Chris Thomas beschreibt: Je stärker die Temperaturen in einem untersuchten Gebiet gestiegen sind, desto höher die Geschwindigkeit, mit der sich Arten zu den Polen hin bewegt haben, oder aber in größere Höhen hinauf.

Schmetterling

Schmetterlinge aus Zentral-England hat es ins kühlere Schottland gezogen

Artenvielfalt in Gefahr

Die hohe Geschwindigkeit hat ihre Tücken: Arten, die nicht mitkommen, bleiben auf der Strecke. Eine neue Studie der Senckenberg-Gesellschaft in Frankfurt zeigt: selbst wenn eine Art nicht gleich völlig ausstirbt, verringert sich die Chance auf Artenvielfalt. Denn: die genetischen Varianten innerhalb einer Art sind enorm wichtig. Je mehr, desto größer die Chance, dass sich neue Arten entwickeln. Und neue Arten braucht es auf dieser Welt, damit der Schwund auf der anderen Seite ausgeglichen wird. Das Artensterben ist viel komplexer als es auf den ersten Blick erscheint – und: es geht schneller, als befürchtet.

Werner Eckert, Online-Bearbeitung: Alice Thiel-Sonnen

Letzte Änderung am: 23.08.2011, 10.12 Uhr