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Die Angst vor der nächsten großen Seuche

Mit EHEC ist sie wieder da - die Angst vor der Seuche. Es setzen die bekannten Mechanismen ein: Nachrichten und Zeitungen sind voll mit neuen Zahlen und Fakten. Und in ein paar Wochen? Wird EHEC aus den Schlagzeilen wieder verschwunden sein, so wie zuvor schon Schweinegrippe, Vogelgrippe oder BSE?

Mikroorganismen unter dem Mikroskop

Die Angst vor der Seuche ist alt. “Und Hungersnöte und Seuchen und Erdbeben werden an verschiedenen Orten sein. Dies alles aber ist der Anfang der Wehen.” So steht es in der Bibel im Matthäusevangelium. Im Mittelalter rotteten Seuchen auf dem europäischen Kontinent regelmäßig ganze Generationen aus und noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts starben an der Spanischen Grippe zwischen den Jahren 1918 und 1920 über 25 Millionen Menschen. Jedoch haben sich Medizin und hygienische Umstände seitdem stark verändert. Ist die Seuchenangst noch begründet? Was ist geblieben von den großen Pandemien der vergangenen Jahre?


Die Schweinegrippe

Mexiko im Jahr 2009: Das H1N1-Virus springt vom Schwein auf den Menschen über und verbreitet sich anschließend rasend schnell um die Welt. Im April 2009 hat H1N1 dann Deutschland erreicht, die Bevölkerung ist zunächst beunruhigt, weil lange nicht klar ist, wie gefährlich das Virus ist.

Doch als Ende 2009 ein Impfstoff bereit steht, ist die größte Angst längst verflogen. Statt Ansturm herrscht Flaute in den Arztpraxen. Denn die volkstümlich Schweinegrippe genannte Grippenvariante verläuft gegenüber der "normalen" saisonalen Grippe aus den Jahren zuvor glimpflich: Insgesamt gibt es in Deutschland 226.000 Fälle, 258 Menschen sterben (Stand 25.05.2011). Im August 2010 erklärt die Weltgesundheitsorganisation die Schweinegrippe-Pandemie für beendet.

 

Die Vogelgrippe

Auslöser diesmal: krankes Geflügel. Von ihm springt das H5N1-Virus auf den Menschen über. Als Anfang 2006 auch in Deutschland erkrankte Wildvögel gefunden werden, ist die Aufregung groß.

Doch die Zahl der erkrankten Menschen bleibt letztlich minimal: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation erkrankten bis heute weltweit lediglich 553 Personen nachweislich an der sogenannten Vogelgrippe - von denen 323 Infizierte starben (Stand: 25.05.2011).

Verschwunden ist die Krankheit bis heute übrigens nicht. Allein in diesem Jahr gab es 17 Tote, weit weg von uns in Ägypten und Kambodscha und damit bei uns wenig schlagzeilenträchtig.

 

Der Rinderwahnsinn BSE

Der Rinderwahnsinn ist Anfang des Jahrtausends der größte Seuchen-Aufreger seit langem. Das BSE-Virus grassiert zunächst vor allem in England. Obwohl es nie wissenschaftlich bewiesen wird, verfestigt sich die Überzeugung, dass der Verzehr von infiziertem Fleisch zu der Infektion mit demjenigen Virus führen würde, der die neuartige und oft tödliche Variante der Creutzfeldt-Jakob–Krankheit (vCJK) auslöst. Im Jahr 2000, auf dem Höhepunkt der BSE-Krise, sind die Deutschen so verunsichert, dass ihr Fleischkonsum um rund die Hälfte einbricht.

Kühe werden massenhaft verbrannt

Doch die Horror-Szenarien einiger Wissenschaftler, die Hunderttausende von Toten befürchten, werden glücklicherweise nie Realität: Nach derzeitigem Stand sind bisher 200 Menschen an vCJK erkrankt, die meisten von ihnen in England. In Deutschland wurde bisher kein einziger Fall bekannt.

 

Dominik Bartoschek; Onlinefassung: Stephan Braig

Letzte Änderung am: 25.05.2011, 09.59 Uhr