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Nachhaltiger Konsum Meine Klamotten sind aus Hanf und Bananenschalen

Interessante Schnitte und Fasern. Für jeden, der nicht auf Einheitslook steht, ist was dabei: Beispielsweise leuchtend rote Oberteile aus traditionellem Wollwalk, zippelig hängende Baumwoll-Kleidchen mit Hinguckernähten und coole Sweatshirts in angesagten Farben. Das alles ist inzwischen Naturmode. Und das alles gab es in Wallau bei Wiesbaden zu sehen; genauer gesagt: hier wurden die Trends der kommenden Saison präsentiert.  

Stände auf der Textilmesse Innatex

Auf der "Innatex" präsentieren internationale Aussteller Mode aus ökologischer und sozialgerechter Herstellung

Auf zwei Etagen zeigen rund 260 internationale Modemacher, was sie bieten. Sie alle haben sich auf nachhaltige Kleidung spezialisiert. Denn gerade geht die 30. INNATEX zu Ende, eine Fachmesse, auf der Boutiquenbesitzer neue Styles für ihr Geschäft bestellen. Die INNATEX ist die größte Plattform für Naturtextilien und poliert sich gerade das verstaubte Image einer Messe ab, zu der nur die Alteingesessenen der Branche kommen. Denn diese Messe gibt es seit 15 Jahren und sie findet nicht in einer Modemetropole wie Berlin statt, sondern in Wallau im Taunus. Und gerade deshalb ist es so wichtig, auch junge Designer herzuholen. Ein paar davon sind gekommen und präsentieren ihre Mode neben den renommierten Naturtextil-Marken wie "Hempage" oder "Armedangels". 

Biologisch saubere Stoffe sind selbstverständlich

Viele Hersteller setzen nicht nur auf Naturfasern aus Wolle, Baumwolle, Hanf oder Seide. Sie wollen auch, dass die Fasern ökologisch korrekt angebaut und umweltfreundlich produziert werden. Die meisten sind GOTS zertifiziert, schreiben das aber nicht mehr groß auf ihre Plakate. Denn sie stehen auf dem Standpunkt: In erster Linie wollen wir interessante Mode machen. Dass wir diese Mode nachhaltig produzieren, ist eine Selbstverständlichkeit.

Gerade junge Labels haben diesen Weg für sich entdeckt. Denn junge Menschen, die Mode machen, wollen das auch morgen noch tun und denken deshalb fast automatisch weiter in die Zukunft, so wie die Labels "bleed" und "uniwearsal". Sie gehören auf der INNATEX zu den „DesignDiscoveries“, zu den jungen Modemachern, die frischen Wind in die Hallen bringen und Enthusiasmus. Die Einen haben sich auf Streetwear, also Sweater und T-Shirts spezialisiert. Junge nachhaltige Mode, die trotz hoher Ansprüche bezahlbar bleiben soll. Und die Anderen machen wandelbare Mode. Ein Oberteil etwa lässt sich in fünf verschiedenen Varianten tragen.

 Wachsbeschichtete Baumwolle, handbedruckte Seide und PET-Stoff 

Wer Naturmode macht, ist auch immer auf der Suche nach neuen Stoffen. Baumwolle gibt es zwar Bio-zertifiziert. Aber Erstens nur in einem sehr geringem Umfang, und man muss sich schon fragen, woher die viele Bio-Baumwolle auf dem Markt kommt. Und zweitens ist der Anbau von Baumwolle nicht geradeumweltfreundlich.

Denn auch wenn auf Spritzgifte verzichtet wird, müssen Baumwollfelder in der Regel bewässert werden. Hanf dagegen ist eine anspruchslose Pflanze, braucht wenig Wasser, keine Spritzgifte und bietet einen höheren Ertrag. Andere setzen auf Wildseide, die fair produziert wird. Und dann gibt es auch immer aufsehenerregende Stoffe aus PET-Flaschen oder Bananenfasern zum Beispiel. Bananenfasern eignen sich ideal für Regenbekleidung, weil sie von sich aus wasserabweisend sind. Eine andere Möglichkeit ist Baumwolle, die mit Bienenwachs beschichtet wird. Dass ein warmer, wattierter Winteranorak aus dem Kunststoff PET besteht, ist auch schwer vorstellbar. Doch Stoff und Wattierung werden tatsächlich aus alten PET-Flaschen hergestellt. Naturtextilliebhaber schreien bei dieser Vorstellung vielleicht auf. Aber nachhaltig ist so eine Verwertung durchaus, ähnlich wie die Herstellung von Tencel, einem zarten Viskosegewebe aus Baumfasern. Für solche Stoffe gibt es noch keine Zertifizierungen. Hier streiten sich auch noch die Branchenkenner, ob das überhaupt sein darf. Und ein Ergebnis ist vorerst nicht zu erwarten.

Sabine Schütze; Onlinefassung: Stephan Braig

Letzte Änderung am: 30.01.2012, 10.12 Uhr

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