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Startschwierigkeiten für Elektromobilität Woher kommt der Strom für die Elektroautos?

Während überall in der Bundesrepublik Windkraftparks und Photovoltaik-Anlagen entstehen, herrscht bei der Entwicklung der Elektroautos eher gefühlter Stillstand. Auf den deutschen Straßen sind Elektromobile nach wie vor selten. Werden den vielen Ankündigungen wirklich Taten folgen? Und vor allem: Wo kommt der Strom für die Autos her?

"Elektroautos, die mit grünem Strom betrieben werden, sind kein Problem. Auch dann nicht, wenn wir schneller als geplant aus der Atomkraft aussteigen." Davon ist Prof. Werner Tillmetz überzeugt. Der gebürtige Bayer arbeitet und forscht am Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung in Ulm. Seine Einschätzung zur Zukunft der Elektroautos begründet er mit dem relativ geringen Strombedarf moderner Elektromotoren. "Wir haben im Jahr 2009 etwa 95 Terrawattstunden grünen Strom produziert. Für eine Million Stromfahrzeuge braucht man zwei Terrawattstunden", rechnet der Wissenschaftler vor. "Was ich hier sagen will ist nur: Der Energiebedarf, um elektrisch zu fahren, ist relativ klein."

Bis 2020 sollen eine Million Elektroautos unterwegs sein


Eine Million strombetriebener Elektrofahrzeuge, das ist die Menge, die die Bundesregierung bis zum Jahr 2020 auf deutschen Straßen sehen will. Ob es soweit kommen wird, ist durchaus umstritten. Denn bislang sind lediglich rund 2.300 E-Autos in Deutschland zugelassen. Eine schwindend geringe Menge gegenüber den hohen Zielen der Bundesregierung. Jedoch kündigten die ersten deutschen Autobauer bereits an, für die nächsten eins bis zwei Jahre mit fünfstelligen Produktionsserien auf den Markt gehen zu wollen. Vorstellbar sind jährlich 30 bis 40.000 Fahrzeuge. Dass daraus bis zum Jahr 2020 eine Million werden ist eine sehr optimistische Annahme. Es ist nämlich fraglich, wie viele dieser geplanten Elektroautos tatsächlich auf den hiesigen Straßen rollen werden. Denn die Verbraucher werden, selbst wenn es Subventionen geben sollte, erst einmal abwarten, bis Kinderkrankheiten überwunden sind und das Stromtankstellennetz ausgebaut sein wird.

Bis zu zwanzig Jahre gehören noch dem Verbrennungsmotor


Der Schweizer Forscher und Preisträger des "Energy Globe Award" Lino Guzella von der ETH Zürich ist deshalb fest überzeugt: "Die nächsten zehn, zwanzig Jahre gehören dem Verbrennungsmotor. Mit Garantie, da gehe ich jede Wette ein."

Wie umweltfreundlich ist der Stromantrieb?

Sprit aus der Steckdose

Das Zwischenfazit: Elektroautos und Energiewende – das ist kein Widerspruch. Es bleiben jedoch noch viele Fragen offen, etwa die der Stromspeicherung. Könnte es etwa gelingen, mit den Akkus der Elektroautos überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu speichern, die oft nur unregelmäßig zur Verfügung stehen? Vor allem an sehr windigen Tagen würde sich das grundsätzlich lohnen. Nur: Das hört sich zwar gut an, würde aber heißen, dass Elektroautos, wenn sie gerade nicht gefahren werden, an der Steckdose hängen müssen, um als Speicher zu dienen. Und sie würden erst dann beladen, wenn das Stromangebot besonders groß ist. In Zeiten hoher allgemeiner Nachfrage nach Elektrizität soll der Strom aus den Autos wieder eingespeist und nicht für die Elektrofahrzeuge verwendet werden. Das aber geht nur, wenn die Elektroauto-Besitzer da nicht gerade selber fahren wollen. Doch für die Regelung dieser Fragen gibt es noch keine ausgereifte Technik.

Susanne Henn, Webfassung: Stephan Braig

Letzte Änderung am: 09.05.2011, 10.55 Uhr