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Kohlendioxid ist ein Klimakiller – je weniger von diesem Treibhausgas in die Luft geblasen wird, umso besser. CO2 einsparen heißt deshalb die Devise. Doch was ist mit den Abgasen, die sich nicht vermeiden lassen? Einen Teil davon will die Industrie künftig recyceln und als Rohstoff nutzen – oder zur Speicherung von Erneuerbaren Energien.

Die Idee, CO2 einfach in etwas Harmloses oder gar Nützliches zu verwandeln ist nicht ganz neu - jedoch verliefen die bisherigen Versuche in dieser Richtung stets ohne größere Erfolge. Das ist jedoch kein Grund es nicht weiterhin zu versuchen, meinen zumindest die Forscher der Bayer Technology Services, die Ideenschmiede des Chemiekonzerns Bayer AG. Sie wollen CO2 unter anderem in Schaumstoff umwandeln. Martina Peters, eine der Forschenden, präsentiert stolz die ersten Ergebnisse: "CO2 eingebunden in Schaumstoff. Super! Im Prinzip sieht es aus wie ein Matratzenstoff. Es ist ein sehr weicher Schaumstoff, leicht grünlich eingefärbt und es sieht sehr gut aus."
Abgase aus Kraftwerken in Matratzen einbauen – das ist die Idee des CO2-Recyclings. Der Name Kohlendioxid sagt es schon: CO2 enthält Kohlenstoff, und den will die Industrie künftig nutzen und damit Kunststoffe herstellen – nicht nur für Matratzen, sondern auch für Scheinwerfer, Computergehäuse, Tüten oder Flaschen, für die Gebäudedämmung oder zur Polsterung von Skischuhen.
Im Jahr 2010 hat der weltweite CO2-Ausstoß ein neues Rekordhoch erreicht. Laut Zahlen der Internationalen Energieagentur stieg der CO2-Ausstoß 2010 um 1,6 Milliarden Tonnen auf insgesamt 30,6 Milliarden Tonnen an. Eine Begrenzung der Klimaerwärmung auf unter 2 Grad, wie sie auf dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen im vergangenen Dezember beschlossen wurde, ist bei diesen großen Mengen an CO2 kaum mehr zu erreichen.
Doch wie genau läuft diese Umwandlung ab? "CO2 ist ein sehr reaktionsträges Molekül. Man muss relativ viel Überzeugungsarbeit leisten, um das CO2 zur Reaktion zu bringen", erklärt Forscherin Martina Peters. "Aber im Endeffekt, mit einigen chemischen Tricks und mit sogenannten Katalysatoren, können wir dann am Ende doch aus diesem Gas CO2 einen Skischuh fertigen, zumindest das Innenleben eines Skischuhs."
In Sachen Kunststoffherstellung wollen die Forscher sowieso eine neue Strategie einschlagen. Weg vom Rohstoff Erdöl, der immer knapper und teurer wird, hin zur gezielten Nutzung von Abgasen. Martina Peters und ihre Kollegen beziehen ihr Kohlendioxid von einem Kohlekraftwerk bei Köln. Sie nutzen es in einem Pilotprojekt zur Herstellung des Kunststoffs Polyurethan. Bisher sieht es so aus, als ließe sich dabei im Vergleich zu herkömmlichen Produktionsverfahren sogar Energie einsparen. Der Bayer-Chemiker Christoph Gürtler meint dazu: "Wir würden das Ganze nicht machen, wenn wir nicht glauben würden, dass es wirtschaftlich wäre. Es ist ganz klar, dass das Ganze monetär getrieben ist." Bereits jetzt würden weltweit jährlich zwölf Millionen Tonnen Polyurethan verarbeitet - meist zu Wärmedämmplatten oder in der Autoindustrie.

Mitte des Jahrzehnts sollen die ersten CO2-Schaumstoffe auf den Markt kommen. Die neuen Verfahren können einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Allerdings geht es hier eher um eine Art Zwischenlagerung von CO2. Denn wenn die Matratze alt ist und in der Müllverbrennungsanlage landet, wird das Gas doch wieder frei.
Den Klimawandel stoppen kann man mit CO2-Recycling also nicht. Das bestätigt auch Alexis Bazzanella von der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie DECHEMA: "Das ist vor allem ein Mengenproblem. Wenn wir betrachten, was die Menschheit an Kohlendioxid in die Luft bläst, dann sind wir da so ungefähr bei dreißig Milliarden Tonnen im Jahr. Es gibt aber kein Chemieprodukt, von dem die Menschheit Milliarden Tonnen bräuchte."
Schließlich wollen wir die Erde nicht mit Matratzen und Skischuhen pflastern. Fachleute glauben generell, dass insgesamt höchstens ein Zehntel des Kohlendioxids weiter genutzt werden kann – für die Produktion von Kunststoffen, aber auch für die Herstellung von Kraftstoffen und zur Speicherung von Erneuerbaren Energien.
Das Speichern könnte folgendermaßen funktionieren: Bei starkem Wind wird der überschüssige Windstrom genutzt, um Wasserstoff herzustellen, den man dann mit CO2 reagieren lässt. Chemiker Kurt Wagemann von der DECHEMA erklärt das so: "Sie nehmen Kohlendioxid (CO2) plus Wasserstoff (H2), erzeugen Methan (CH4) und können dieses dann im Prinzip in die bestehende Infrastruktur unseres Erdgasnetzes einspeisen. So lässt sich Energie zwischenspeichern." Auf diese Art könnte der Klimakiller Kohlendioxid sogar helfen, die Erneuerbaren Energien weiter voran zu bringen.
Stefanie Peyk; Onlinefassung: Stephan Braig
Letzte Änderung am: 01.06.2011, 09.36 Uhr