
Die 29-jährige Physikerin Jessica Helmschmidt lebt und arbeitet mit einer neunköpfigen Besatzung auf der Neumayer-Station III in der Antarktis. Genauer gesagt in Neuschwaben auf dem Ekström-Schelfeis. Im Interview mit "SWR2 Impuls" verriet sie, was sie dort alles zu tun hat und warum sie sogar ihr Klavier mitgenommen hat.
SWR2 Impuls: Waren Sie heute schon draußen? Wie ist das Wetter gerade bei Ihnen?
Jessica Helmschmidt: Ja, heute morgen zur Wetterbeobachtung. Bei uns ist es ziemlich stürmisch. Es weht ein starker Wind und man kann gerade mal 50 Meter weit sehen. Man spürt, dass es hier bald Winter wird. Momentan haben wir minus 11 Grad. Das ist eigentlich noch recht angenehm.
Wie kalt kann es im Winter noch werden?
Hier an der Neumayer-Station kann es bis zu Minus 48 Grad kalt werden. Im Durchschnitt haben wir im Winter ungefähr minus 25 Grad. Wenn Wind dazu kommt, kann die gefühlte Temperatur auch mal bis zu minus 50 oder minus 70 Grad kalt sein. Da muss man dann sehr aufpassen, dass man diesen Temperaturen keine nackte Haut aussetzt. Sonst wird das gefährlich.
Wie fühlt es sich an, in solch einer Kälte unterwegs zu sein?
Minus 48 Grad habe ich bis jetzt auch noch nicht erlebt. Neulich hatten wir hier minus 35 Grad. Da war es aber sehr windstill. Solange man gut eingepackt ist und sich bewegt, hält man die Temperaturen aus. Nur wenn man stehen bleibt, muss man aufpassen.
Sie arbeiten ja in der Antarktis. Können Sie erklären, was Sie genau forschen?
An der Neumayer-Station gibt es drei Observatorien: für die Bereiche Metrologie, Geophysik und Luftchemie. Ich bin für das Spurenstoff-Observatorium. Dabei geht es um die Beobachtung des Klimas. Wir bestimmen und beobachten auf unterschiedliche Weise die Luftzusammensetzung in der Antarktis.
Wie hält man es in so einer Forschungsstation aus? Kann man da überhaupt Dinge jenseits der Forschungsarbeit unternehmen?
Wir verbringen schon sehr viel Zeit mit der Forschung und mit den Arbeiten hier. Neben unserer eigentlichen Arbeit helfen wir natürlich auch im Stationsleben mit. Da muss Schnee geschmolzen und die Kläranlage untersucht werden. Natürlich haben wir aber auch Freizeit und sogar ein bisschen Luxus. Wir haben zum Beispiel eine Sauna, die wir zweimal in der Woche nutzen. Und ich habe auch meine beiden Instrumente, ein Klavier und ein Akkordeon mitgenommen.
Wie konnten Sie denn Ihr Klavier mit in die Antarktis nehmen?
Die Sachen wurden alle mit dem Schiff hertransportiert. Und da war eben auch noch Platz für mein Clavinova, also gar kein richtiges Klavier. Darauf spiele ich gerne Mozart.
Haben Sie denn eigentlich ein eigenes Zimmer in der Forschungsstation?
Ja, jeder von uns hat seine eigene Kammer, die ungefähr acht Quadratmeter groß ist.
Welche Arbeiten stehen heute noch bei Ihnen auf dem Programm?
Weil es heute so stürmisch ist werde ich meinem Kollegen helfen den Wetterballon mit der Radiosonde dran zu starten. Das ist der Ballon, der in die Höhe steigt und die Temperatur, die Feuchte und die Position bestimmt. Danach werden wir zusammen zum Spurenstoff-Observatorium laufen und dort einen Filter einbauen und nach den Geräten schauen. Außerdem habe ich heute noch Schmelzendienst. Ich muss noch Deck 1 saugen und die Messe aufräumen.
Dies ist die gekürzte Fassung eines Gesprächs, das Christoph König am 28.4.2009 in der Sendung "SWR2 Impuls" führte.
Letzte Änderung am: 30.04.2009, 11.34 Uhr
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