Im Gorilla-Kindergarten der Stuttgarter Wilhelma ziehen die Mitarbeiter kleine Gorillas auf, die von ihren Müttern nicht versorgt werden. Die Tiere sollen daran gewöhnt werden, in der Gruppe zu leben, um irgendwann vielleicht ausgewildert zu werden. Denn die Gorillas sind in freier Wildbahn vom Aussterben bedroht.
Die Gorilla-Kinder Mary Zwo und Monza toben durch die Aufzuchtstation der Stuttgarter Wilhelma. In diesem europaweit einzigartigen Gorilla-Kindergarten, werden kleine Menschenaffen aufgepäppelt, die in anderen Zoos von ihren Müttern vernachlässigt wurden. Hier wachsen sie mit Artgenossen auf und das, so die Wilhelma-Zoologin Marianne Holtkötter, ermöglicht ihnen später, in eine Gorillagruppe zurückzukehren. "Unser Ziel ist es, in den Zoos eine sich selbst erhaltende Population aufzubauen. Eigentlich ist das Ideal-Ziel sogar, dass wir Tiere zurück in die freie Wildbahn entlassen können," sagt Holtkötter.
Ein Gorilla in der Wildbahn – dieser Anblick wird immer seltener. Denn drei Dinge, so Marianne Holtkötter, bedrohen diese Menschenaffen massiv in ihrem Bestand. Erstens: das Ebola-Virus. Allein im Kongo fielen ihm zwischen 2002 und 2005 rund 5.500 Gorillas zum Opfer. Weltweit gibt es nach Schätzungen aber insgesamt nur noch frei lebende 44.000 Gorillas.
Bedrohung Nummer zwei: die Abholzung ihres Lebensraumes, der Tropenwälder. "Wenn der Wald zwischen den Gebieten, wo die Gorillas leben, abgeholzt ist, und es keine Korridore gibt, dann entstehen lauter isolierte Populationen. Genetisch betrachtet wissen wir, dass es dann zu Inzucht kommt und auch zu Krankheiten", sagt Holtkötter.
Bedrohung Nummer drei sind die Wilderer. Schon immer gehörte Affenfleisch zum Speiseplan der einheimischen Bevölkerung, ohne dass dies der Population wirklich gefährlich geworden wäre. Doch der Handel mit dem Fleisch hat in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen. Marianne Holtkötter sagt: "Seit die Holzkonzerne mit großen Fahrzeugen und großen Geräten die entlegensten Waldwinkel erschließen, wird es für organisierte Wilderer-Banden immer einfacher, in die Wälder zu kommen. Dort schwärmen sie dann aus und schießen alles, was ihnen vor die Flinte kommt. Und dieses Fleisch wird mit großem Gewinn verkauft." Eigentlich wurde der Handel mit Gorillafleisch bereits Anfang der 70er Jahre im Washingtoner Artenschutzabkommen verboten. Aber gerade in vielen afrikanischen Ländern gilt es als Statussymbol, sich Affenfleisch leisten zu können.
Für die Menschen dort ist der Affe ein Nutztier; die europäische Aufforderung, ihn zu schützen, empfinden sie als Bevormundung. Kampagnen, die auf das Schicksal der Gorillas aufmerksam machen, setzen deshalb bei den Kindern an. Hilfsorganisationen in Afrika nehmen ganze Schulklassen mit in Aufzuchtstationen, in denen Gorilla-Waisen aufgepäppelt werden, deren Eltern von Wilderern getötet wurden. "Dann sehen die Kinder zum ersten Mal die Gemeinsamkeiten, und sie schauen den Tieren in die Augen. Das verändert bei den Kinder durchaus etwas: Sie gehen dann nach Hause zu ihren Eltern und sagen, dass sie kein Affenfleisch mehr essen wollen", sagt Holtkötter. Das sei die einzige Chance, etwas zu ändern.
Aber bis sich etwas tut, wird es mindestens eine Generation dauern. "Meine Hoffnung, dass ich in meinem Leben noch sehe, dass ein Gorilla, der hier in der Aufzuchtstation aufgewachsen ist, in Afrika ausgewildert wird - die ist gering."
Autorin: Susanne Henn, SWR Umweltredaktion
Webfassung: Franziska Roth
Letzte Änderung am: 12.03.2009, 10.39 Uhr