"Die Inuit sehen ihre Chance"
SWR-Reporter Jörn Freyenhagen reiste als Tourist auf den Spuren großer Entdecker mit dem Schiff durch die Nordwest-Passage und schildert im Interview seine Eindrücke und Erlebnisse.
Wie sieht es mit den Auswirkungen auf die dortige Bevölkerung aus? Ist die Reaktion positiv, weil die Arktis nun touristisch erschließbar wird?
Ich war überrascht, ja. Ich habe immer gedacht, die Inuit seien die großen Verlierer des Klimawandels. Natürlich sehen sie die Gefahr, dass sie zum Beispiel Jagdgründe verlieren. Durch die Eisschmelze mussten teilweise auch schon Siedlungen aufgegeben werden. Auf der anderen Seite aber sehen die Inuit die Chance auf neue Jobs. Positiv wird bemerkt, dass man die Nordwest-Passage touristisch nutzen kann. Wir wurden in "Gjoa Haven" auch sehr freundlich empfangen, und die Inuit boten da ihre Produkte an. Sie rechnen auch sehr stark mit neuen Arbeitsplätzen durch die Ausbeutung der Bodenschätze.
Wie groß ist der Konkurrenzkampf um die Rohstoffe in der Arktis?
Das ist ein Aspekt, der zur Zeit heiß diskutiert wird, nachdem Russland 2007 in vier Kilometern Tiefe unter dem Nordpol seine Flagge gehisst hat. Es gibt konkurrierende Gebietsansprüche. Man konnte in "Resolute Bay" deutlich sehen, wie die Kanadier dort momentan aufrüsten. Im Moment rechne ich noch nicht mit dem Abbau der Bodenschätze, wegen der zahlreichen Unwägbarkeiten und weil es nicht komplett eisfrei ist. Ab 2020 kann man vielleicht davon ausgehen. Bis dahin wird man natürlich die Infrastruktur ausbauen.
Wie stehen die Chancen, diese einzigartige Naturlandschaft zu erhalten?
Umweltschützer sagen, dass der Arktis eine großflächige Verschmutzung droht. Man kann die Auswirkungen beispielsweise sehr eindrucksvoll auf Spitzbergen sehen, wo seit langem Kohle abgebaut wird, wo es auch ein Kohlekraftwerk gibt. Es setzen sich dort Russpartikel im Schnee ab, dadurch wird dann das Sonnenlicht ganz anders reflektiert als von einer ganz weißen Schneedecke und das Eis schmilzt schneller. Je stärker der Anteil an offener Wasserfläche zunimmt, desto stärker wirkt der Abschmelzeffekt, weil das Wasser das Sonnenlicht aufnimmt und sich erwärmt.
Wohin geht Ihre nächste Reise?
Mein Traum ist es, nochmals in die Antarktis zu reisen. Es gibt dort riesige Eisberge von der Größe des Saarlandes. So was würde ich mir gerne anschauen.
Die Nordwest-Passage
Über Jahrhunderte versuchten Seefahrer, eine nördliche Verbindung zwischen Atlantik und Pazifik zu erkunden, und lange Zeit blieb dieses Ziel auf Grund der gewaltigen Eismassen ein Traum. Zahlreiche Expeditionen scheiterten und viele Seeleute ließen ihr Leben. Die erste komplette Durchquerung erfolgte durch Roald Amundsen 1903-1906. Durch das Abschmelzen des Eises ist die Meeresstrasse immer länger komplett eisfrei. Dadurch ergeben sich für die Handelsschifffahrt kürzere und kostengünstigere Möglichkeiten.
Das Gespräch führte Tobias Fasora
Letzte Änderung am: 03.11.2009, 09.25 Uhr
Interview Arktis-Reise
- Inhalt:
- Freie Fahrt durch die Nordwest-Passage
"Die Inuit sehen ihre Chance"




