Seite vorlesen:
In diesem Jahr wurde der HANS BAUSCH MEDIAPREIS an den Medienjournalisten Stefan Niggemeier verliehen. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wird in Erinnerung an den früheren SDR-Intendanten Hans Bausch vergeben. Mit der Preisvergabe würdigte die Jury Niggemeiers hervorragend recherchierten Analysen und klugen Einwürfe zum Medienschaffen in Deutschland: „Stefan Niggemeier ist gelernter Zeitungsjournalist, beherrscht aber auch die Publikationsformen im Internet virtuos. Als Medienkritiker stellt er hohe Ansprüche an die Medien, über die er schreibt. Er stellt diese Ansprüche aber genauso an sich selbst und überträgt sie so auf das Medium, indem er schreibt. Damit überführt er die journalistischen Tugenden der „alten“ Medien in das neue Medium Internet und trägt wesentlich zur Etablierung journalistischer Standards im Netz bei.“
Stefan Niggemeier gehört zur Riege der Journalisten, die sich vor allem der kritischen Betrachtung der deutschen Medienlandschaft verschrieben haben. 2004 war er Mitbegründer des Watchblogs „BILDblog“, welcher sich zunächst hauptsächlich der journalistischen Arbeit der Bild-Zeitung widmete, zwischenzeitlich aber auch andere Zeitungen und Magazine kritisch begleitet. Zudem betreibt Niggemeier einen persönlichen Blog, in dem er regelmäßig auf das Fernsehen – seine zweite große Leidenschaft neben dem klassischen Journalismus - eingeht.
SWR-Intendant Peter Boudgoust würdigte Stefan Niggemeier bei der Preisverleihung als Blogger und Medienkritiker, der Journalisten den Spiegel vorhalte. Dies geschehe bei Niggemeier nicht plump und oberflächlich, sondern sehr differenziert. Boudgoust: „Stefan Niggemeier steht für einen Qualitätsbegriff, der für alle Medien gilt.“
Wolfram Weimer, Herausgeber des politischen Magazins „Cicero“ hielt die Laudatio auf den Preisträger. Weimer nutzte seine Laudatio für einen kritischen Blick auf die deutsche Medienlandschaft. Weimer beschrieb Niggemeier als „Trost, weil er ein Urprinzip der Demokratie verkörpert, das Prinzip der Gegenöffentlichkeit“. Niggemeier schaffe diese kritische Gegenwelt gerade mit dem Internet, von dem viele behaupten, es sei unseriös und oberflächlich. Weimer weiter: „Tatsächlich legt gerade das Internet die Seriositäts- und Glaubwürdigkeitsdefizite des klassischen Mediensystems offen. Informationslücken, Debattentabus und Legitimationsdefizite der etablierten Print- und TV-Welt werden im Internet korrigiert."
Im Gespräch mit Moderatorin Gabi Bauer betonte Niggemeier, dass viele Journalisten das Internet zu Unrecht verteufelten. Statt als Konkurrenz zum professionellen Journalismus sehe er Blogs und Foren als Ergänzung. Niggemeier: „Im Netz kommen Stimmen zu Wort, die man sonst nicht hören würde." Dass er den Hans Bausch Mediapreis verliehen bekommen habe, sehe er auch als Aufforderung an die Medien, sich der Kritik zu stellen.
Kurzbiografie
1969
Geboren in Georgsmarienhütte-Harderberg/Osnarbrück, Niedersachsen
Besuch des Gymnasiums Carolinum in Osnabrück
Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität München
1989 – 2001
Journalistische Stationen von „Neue Osnabrücker Zeitung“, „Werben & Verkaufen“ über „Süddeutsche Zeitung“, „kress Report“ und „Die Zeit“.
2001 - 2006
Verantwortlicher Medienredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
2004
Gründer und Mitblogger des prämierten Watchblogs „BILDblog“
Preise
Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik 2003
Grimme- Online-Award für BILDblog 2005 und Stefan-Niggemeier.de/blog, 2007
Journalist des Jahres 2007, Medium Magazin
Letzte Änderung am: 09.10.2009, 13.24 Uhr