Seite vorlesen:
SWR-Intendant Peter Boudgoust findet: Der Mannheimer Maimarkt ist eine wichtige Ausbildungsstation für junge Journalisten. Außerdem sagt er: Auch als junger Journalist darf man in Redaktionen offen seine eigene Meinung äußern.
Boudgoust: Ich finde, dass die Volontäre und Azubis bisher einen richtig guten Mix an Themen auf den Sender und ins Internet gebracht haben. Es gibt lustige und originelle Geschichten, aber es gibt auch genauso Wichtiges mit Hintergrund. Und man merkt: Die Volontäre sind hier mit Freude bei der Sache.
Boudgoust: Man muss ja irgendwann die Möglichkeit bekommen, zum Beispiel vor einem Publikum auf der Bühne zu stehen. Da kann man ein Risiko natürlich nicht ausschließen, aber ich finde, das bringt einen auch weiter in der persönlichen Entwicklung. Deshalb ist diese Ausbildungsstation auf dem Mannheimer Maimarkt auch so außerordentlich wichtig. Es gibt nicht viele vergleichbare Stationen, in denen man erfährt: Es gibt kein Netz. Man muss sich hier bewähren und man lernt aber auch, mit den kleineren oder größeren Abstürzen umzugehen.
Boudgoust: Nein, und das aus der ganz einfachen Erkenntnis heraus: Was wir heute in guten Nachwuchs investieren, das ist das, was die Substanz des Unternehmens in den nächsten Jahren ausmacht. Ohne gute Leute brauchen wir gar nicht erst anzutreten. Gerade in dieser Welt, in der sich so viel verändert im Medienverhalten der Menschen, brauchen wir die berühmten „digitalen Eingeborenen“. Leute die wissen, wie junge Leute ticken, die aber auch die analogen, linearen Medien beherrschen. Und deswegen werden wir mit Sicherheit nicht damit aufhören, in den Nachwuchs zu investieren.
Boudgoust: Ich glaube nicht, dass wir auf Dauer den Typus haben werden, der alles kann und täglich die ganze mediale Bandbreite nutzt. Man wird sich schon spezialisieren. Trotzdem sollte man aber nicht so eindimensional aufgestellt sein, dass man von vornherein ausschließt, in seinem Leben etwas anderes als zum Beispiel Radio zu machen. Man muss wissen, wie die anderen Medien funktionieren. Man muss mit seinen Kollegen kommunizieren können, auch wenn man sich sicher später seine eigene Rolle zurechtlegt.
Boudgoust: Mein Rat in der Hinsicht lautet immer: Sich nicht zu früh einbinden zu lassen in das, was schon immer so gemacht wurde. Man muss nicht die Revolution um der Revolution willen ausrufen. Trotzdem sollte man Dinge, die einen partout nicht überzeugen, nicht einfach hinnehmen, sondern diskutieren. Wir sind ein Haus, in dem man diskutieren darf, in dem man anderer Meinung sein darf. Und ich finde, es gehört auch zum Beruf des Journalisten, dass man nicht nach dem Prinzip von Befehl und Gehorsam arbeitet, sondern dass man dort Fragen stellt, wo einem die Erklärungen partout nicht einleuchten.
Boudgoust: So würde ich es nicht nennen. Ich hab die Erfahrung gemacht: In der ARD gibt es selten Entscheidungen, die spontan fallen. Zumal Entscheidungen von einer solchen Tragweite. Im Moment, das stimmt schon, fehlt uns einfach das Geld, um einen groß angelegten Jugendkanal zu starten. Aber die Idee ist immer noch lebendig und wir machen im Übrigen auch im SWR eine Menge. Wir versuchen gerade, ein eigenes Labor aufzubauen, das auch noch mit ordentlich Geld aus der Intendantenreserve bestückt werden wird. Wir gehen gerade ganz neue Wege. Wir arbeiten verstärkt mit den jungen Wellen zusammen. „Radio macht Fernsehen“ könnte man vereinfacht drüber schreiben. Und ich bin sicher, irgendwann einmal wird das auch Früchte tragen. Weil es für mich undenkbar ist, dass wir einfach sagen: Eine bestimmte Generation werden wir nicht, wollen wir nicht erreichen. Das wäre ja faktisch die Selbstaufgabe.
Interview: Alexandra Gondorf
Letzte Änderung am: 08.05.2011, 17.10 Uhr