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Das "Millionenviertel" im Pfälzerwald Die "Sparkasse" des Forstamtes

Burkhard Steckel ist kein typischer Manager: Sein Kapital ist Holz. Im "Millionenviertel" bei Johanniskreuz, für das der Forstamtsleiter Sorge trägt, wachsen Eichen von erstklassiger Qualität. Die verkauft sein Amt zwar teuer – muss dafür aber über Generationen in den Bestand investieren.

Einst füllte Grunzen das Gehölz. Die Geschichte des "Millionenviertels" begann nämlich als Futterrevier. Über Jahrhunderte trieben Menschen aus der Region ihr Mastvieh in den Wald, damit es sich dort verköstigen konnte. Eichen waren dafür ideal: Ihre stärkehaltigen Eicheln bildeten ein gefundenes Fressen für jene Tiere, die später als schmackhaftes Fleisch auf den Tellern landeten.

Gleiches galt für das Wild im Wald. Wohl genährt sollte sein, was den adligen Besitzern des ehemals kurpfälzischen Jagdgebiets Johanniskreuz vor die Flinte lief. Aber nicht nur als Futterspender, sondern auch als Bauholz waren Eichen stets gefragt und dienten etwa als Balken in Fachwerkhäusern.

Jagd- und Wirtschaftsinteressen waren die einen, das ausgeglichene Klima und wasserdurchlässige Böden weitere Faktoren, die die heute so wertvollen Laubbäume im Pfälzerwald besonders gut sprießen ließen. So legten Natur und Menschenhand vor etwa 300 Jahren den Grundstock für einen der mittlerweile kostbarsten Wälder Mitteleuropas.

"Fürs Herz, fürs Auge – und fürs Portemonnaie"

Als Leiter des Forstamts Johanniskreuz ist Burkhard Steckel Hüter dieses hölzernen Schatzes. Dank des lukrativen Baumbestandes erwirtschaftet sein Forstamtsbezirk jährlich ein Plus von bis zu anderthalb Millionen Euro. Sein Millionenviertel nennt der 52-Jährige deshalb auch gern die "Sparkasse des Forstamtes".

Anders als in einer Bank aber herrscht in seinem Arbeitszimmer ein rustikales Ambiente. Steckels Büroschrank haben Handwerker aus Holz gezimmert, das aus dem Millionenviertel stammt. "Wir alle im Amt erfreuen uns am alten Eichenbestand: Das ist was fürs Herz, was fürs Auge – und natürlich auch was fürs Portemonnaie", sagt Steckel.

Edle Möbel, teure Fässer

In einem Alter von etwa 250 Jahren sind die Bäume am wertvollsten. An die 1.000 solch kostbarer "Alt-Eichen" zählt allein das Millionenviertel, über den Forstamtsbezirk Johanniskreuz verteilt sind es noch deutlich mehr. Genug edle Laubbäume, um im gesamten Forstamtsbezirk gut 1.000 davon im Jahr zu fällen.

Einen Kubikmeter des Holzes verkauft das Forstamt im Schnitt für 700 Euro. Die beste Qualität bringt Spitzenerträge von mehr als 3.000 Euro. Eine Eiche kann so bis zu 10.000 Euro wert sein. Eine Fichte dagegen spült kaum mehr als 200 Euro in die Kassen.

In den 1980er Jahren waren es Möbelhersteller, die den Eichenpreis in zuvor ungeahnte Höhen trieben. Heute sind es in erster Linie Kelterer, die die Nachfrage nach den Edel-Eichen oben halten. Sie fertigen daraus teure Barrique-Fässer für ihren Wein. Aber auch als Parkett ist das Holz derzeit beliebt.

Produzieren für die nächsten Generationen

Der guten Nachfrage zum Trotz: Das schnelle Geld sucht das Forstamt Johanniskreuz mit dem Millionenviertel nicht. "Wir arbeiten in Produktionszyklen, die für die meisten Unternehmer unvorstellbar sind", sagt Steckel. Was das Holz beim Verkauf an Gewinn bringt, fließt größtenteils in die Pflege des Bestandes: Neu gepflanzte Eichen werden aufwendig eingezäunt, unerwünschte Bäume und Sträucher entfernt und Schädlinge bekämpft, so gut es geht. Die kräftigsten der nachwachsenden Eichen, so genannte Zukunftsbäume, werden nach und nach markiert, die schwächeren Nachbarn gefällt. Prozesse, die Jahrzehnte dauern und Sorgfalt erfordern.

"Lebe von den Zinsen, aber greife nie das Kapital an" - diese Aussage hat Steckel zum Leitspruch seiner Waldpflege gemacht. Finanzielle und ökologische Motive greifen im Millionenviertel ineinander. Eine Edel-Eiche will schließlich teuer gepflegt sein.

Wandertipp
"Spurensuche" heißen vier Rundwanderwege, die durch den Wald bei Johanniskreuz führen – vorbei an kultur- und forsthistorisch interessanten Punkten. Rundweg Nr. 2 durchquert das Millionen-Viertel. Er startet am Haus der Nachhaltigkeit in Trippstadt. Dort gibt es auch "Spurensuche"-Wanderkarten.

Autor: Jan Teuwsen

Letzte Änderung am: 19.08.2008, 15.18 Uhr