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Der Luchs kehrt zurück Eine Raubkatze spaltet das Land

Wolf, Bär und Luchs – die Wieder-Ansiedelung der drei großen Raubtiere ist in Europa ein heißes Thema. In Baden-Württemberg sorgt vor allem der Luchs für Wirbel. Immer wieder werden Luchs-Spuren entdeckt, und im Alb-Donau-Kreis wurde Anfang 2007 eine toter Luchs gefunden. Die Meinungen über die Rückkehr des Raubtieres sind geteilt.

Auswilderung – ja oder nein? An dieser Frage scheiden sich in der "Arbeitsgemeinschaft Luchs" die Geister. Die AG – 2004 vom Landesministerium für Ernährung und Ländlichen Raum gegründet – bringt Naturschützer, Wildparks, Behörden und Interessenverbände zusammen. In regelmäßigen Abständen beraten sie über die Zukunft des Luchses in Baden-Württemberg.

Alle sind sich einig: Die Rückkehr des Raubtieres wäre eine Bereicherung für die Artenvielfalt und die natürlichen Verhältnisse im Land. Aber soll man Luchse, die in Gehegen leben, auswildern, um eine stabile, wild lebende Luchs-Population aufzubauen? Die Naturschützer und Luchs-Freunde können sich das vorstellen und setzen sich in der AG dafür ein – Landwirte und Jäger sind aber dagegen.

"Illegale" Luchse schaden dem Image

Der Eurasische Luchs (Lynx lynx) ist das drittgrößte Raubtier in Europa (nach Bär und Wolf) und gehört zur Familie der Katzenartigen. Er wird bis zu 120 Zentimeter lang und bis zu 70 Zentimeter hoch. Das Fell des Luchses ist rotbraun oder beige mit schwarzen Tupfen – perfekt für die Tarnung im Wald. Luchse ernähren sich hauptsächlich von Rehen und Gämsen.

Unter Jägern genießt der Luchs keinen guten Ruf. Daran ist das Raubtier nicht selbst schuld. Illegale Auswilderungen hätten den Luchs unbeliebt gemacht, meint Klaus Lachenmaier vom Landesjagdverband Baden-Württemberg. Bei einer illegalen Auswilderung setzen radikale Luchs-Verfechter ein Tier eigenmächtig aus - ohne wissenschaftliche Begleitung und Erlaubnis der Behörden. Den Jägern ist so etwas ein Dorn im Auge.

Der Landesjagdverband bemüht sich darum, das Verhältnis Jäger-Luchs zu verbessern: Reißt ein Luchs ein Reh im Revier eines Jägers, zahlt der Verband diesem Jäger eine so genannte Riss-Prämie, um ihn für den Verlust zu entschädigen und den Ärger über den Luchs zu mindern. Denn grundsätzlich werde die Rückkehr des Luchses vom Landesjagverband begrüßt, sagt Klaus Lachenmaier - jedenfalls so lange der Luchs von selbst wieder kommt. Für eine künstliche Auswilderung jedoch - ob erlaubt oder unerlaubt - sehe man keine Notwendigkeit. Schließlich wildere man auch keine Elche in Baden-Württemberg aus, obwohl auch sie früher dort angesiedelt waren.

Landwirte fürchten wirtschaftlichen Stillstand

Vom Luchs gerissene Tiere – dieses Problem fürchten auch die Landwirte. Und auch für sie gibt es einen Entschädigungsfonds, der die Angst vor der Rückkehr vermindern soll.

Doch die Landwirte sprechen sich noch aus ganz anderen Gründen gegen den Luchs aus: Sie fürchten wirtschaftlichen Stillstand. Sollte der Luchs in großer Zahl nach Baden-Württemberg zurückkehren, würde nämlich die EU-Richtlinie zum Flora-Fauna-Habitat greifen: Die Landwirte müssten Rücksicht auf die Streifgebiete des Luchses nehmen und sich zum Beispiel Hof-Erweiterungen und neue Zufahrtsstraßen genehmigen lassen. Artenschutz ginge vor Wirtschaftlichkeit. Das will der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband verhindern. Gegen eine natürliche Wieder-Ansiedelung der Luchse werde man sich nicht wehren, sagt der Pressesprecher des BLHV, Richard Bruskowski – wohl aber gegen die künstliche Auswilderung.

Ohne Auswilderung keine Luchs-Population?

Dass die Luchse aber ganz von alleine wiederkehren, wird von Naturschützern und Experten bezweifelt. Der Anschluss an bestehende, wilde Luchs-Populationen fehlt nämlich. Zwar gibt es ganz in der Nähe (Schweiz und Elsass) frei lebende Luchse. Es existieren aber kaum Wege nach Baden-Württemberg, die von den Tieren genutzt werden können.

Aus diesem Grund befürworten die Naturschützer eine künstliche Auswilderung. Nur so könne der bisher eher seltene Gast öfter in Baden-Württemberg gesichtet werden.

Der Luchs als Sympathieträger

Auch die Tourismus-Branche steht einem Auswilderungs-Projekt positiv gegenüber – gilt der Luchs doch allgemein als Sympathieträger und weckt positive Assoziationen an Wildnis und unberührte Natur. Auf Postern und Broschüren verschiedener Wildparks ist der Luchs daher auch als Werbefigur zu sehen.

Keine Gefahr für Spaziergänger und Haustiere

Angst vor dem Luchs haben nur noch wenige Menschen. Die Akzeptanz für das Tier ist in Baden-Württemberg mittlerweile schon sehr groß. Das hat das Institut für Forstpolitik an der Universität Freiburg herausgefunden, das im Auftrag der "Arbeitsgemeinschaft Luchs" das Image der Raubkatze untersucht. Lediglich Menschen, die den Luchs kaum kennen, fürchten ihn, meint Institutsleiter Dr. Ulrich Schramml. Sie stellen sich den Luchs als gefährliches Raubtier vor, das auch Menschen und Haustiere angreift und im Wald auf Spaziergänger losgeht - eine falsche Vorstellung, die aber immer noch verbreitet ist.

Die Lösung lautet: Aufklärungsarbeit – und damit wurde in Baden-Württemberg schon begonnen. In Baden-Baden gibt es seit dem Sommer 2009 einen Luchspfad. Dort kann man das Raubtier und seinen Lebensraum anhand von Info-Tafeln näher kennen lernen.

Aufklären und überzeugen - der Schlüssel zur Auswilderung

Aufklärungsarbeit ist das eine - Überzeugungsarbeit das andere. Wenn die Auswilderungs-Befürworter ihr Ziel erreichen wollen, müssen sie weiter bei Jägern und Landwirten für den Luchs werben - und vor allem: Sie müssen den beiden Interessengruppen klar machen, dass sich die landwirtschaftlichen Schäden durch den Luchs in Grenzen halten werden. Nur wenn sie das schaffen, kann der Luchs vielleicht in seine alte Heimat Baden-Württemberg zurückkehren, wo er – laut Michael Hug vom NABU – hingehört "wie Bollenhut und Maultaschen".

Autorin: Rabea Amri

Letzte Änderung am: 19.08.2008, 09.12 Uhr

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