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Baumzucht im Pfälzerwald Das Zukunftslabor des Waldes

Um den Wald auf den Klimawandel vorzubereiten, sorgen Biologen mit Genanalysen und Zuchtanlagen für optimalen Nachwuchs. Die Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft in Trippstadt kümmert sich zum Beispiel um den seltenen Speierling.

Außen hui und innen herb: Die Früchtchen des Speierlings sind roh ungenießbar, aber im Most schmecken sie lecker. Der Speierling ist eine der seltensten Waldbaumarten in Rheinland-Pfalz. In Oberhausen an der Appel stehen einige uralte Exemplare.

Der Biologe Werner Maurer kümmert sich um diese Raritäten, die schon von den Römern sehr geschätzt wurden: "Nachdem die Menschen gemerkt haben, dass die Früchte zum Teil gegessen werden können oder medizinische Wirkung entfalten, haben sie die Bäume aus dem Wald geholt und gezielt auf Streuobstwiesen angepflanzt", sagt Maurer.

Doch auf Wiesen und im Wald gibt es nur noch wenige tausend Speierlinge. Selbst wenn die Bäume mit Früchten voll hängen: Weil sie so einzeln wachsen, verarmen die Gene. Das Erbgut in den Früchten werde immer eintöniger, sagt Maurer: "Je genetisch vielfältiger eine Baumart ist, desto besser kommt sie mit Umwelt-Veränderungen zurecht. In Zeiten des Klimawandels ist das besonders von Belang, da wird der Speierling eine der wichtigen Baumarten sein."

Züchten für den Klimawandel

Damit die Wärme liebenden Speierlinge dem Klimawandel gelassen entgegen sehen können, betreibt Werner Maurer so etwas wie Familienzusammenführung. In so genannten Samen-Plantagen wie bei Eßweiler stehen hunderte künstlich vermehrte Speierlinge aus allen Landesteilen auf engem Raum zusammen.

Solche Anlagen der Forschungsanstalt gibt es für viele Baumarten. Sie dienen dazu, die Vielfalt im Erbgut der Waldbäume zu fördern. Aus den Samen, die hier geerntet werden, lassen sich wieder neue Pflanzen ziehen, deren Gene dann frisch gemischt sind.

Gen-Pass für die Kinderkrippe

In Werner Maurers Labor in Trippstadt finden Genanalysen statt. Alle im Wald wachsenden Baumarten in Rheinland-Pfalz werden hier untersucht. Jeder Baum hinterlasse dabei seine ganz individuellen Spuren, sagt Maurer: "Es ist ein ganz persönlicher Pass von einem Baum, der sich an diesen besonderen Stellen innerhalb des Erbgutes widerspiegelt."

Ohne Gen-Pass gibt es keinen Eintritt in die Kinderkrippe des rheinland-pfälzischen Waldes, den Antonihof bei Trippstadt. Dort verbringen viele Pflänzchen ihre ersten Lebensjahre. Nadelgehölze stehen im Antonihof genauso wie seltenes Wildobst. Viele von ihnen werden später wertvolle Samen liefern. Alles dient einem Ziel: unseren Wald durch vielfältiges Erbgut gesund in die Zukunft zu bringen.

Die Früchte der Speierlinge aber dienen nach der Ernte nicht nur der Arterhaltung. Der Speierling ist einer der wenigen Waldbäume, aus dem sich ein richtiger Edelbrand brennen lässt. Und der schmeckt richtig gut.

Autor: Axel Weiß / Webfassung: Jan Teuwsen

Letzte Änderung am: 15.09.2008, 10.26 Uhr