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Rufmord im Netz  "Das Internet hat ein sehr gutes Gedächtnis"

Gerüchten im Internet Herr zu werden, ist nicht gerade einfach, wie der Fall von Bettina Wulff, der Frau des ehemaligen Bundespräsidenten zeigt, die gegen die Suchmaschine Google vor Gericht zieht. Wir geben praktische Tipps, wie Sie sich wehren können.

Auge mit google-Zeichen

Jede Suchanfrage, die ein Nutzer bei Google eingibt, fließt in eine Datenbank ein. So lernt die Software die Welt kennen – und die Interessen der Nutzer. Nach einem bestimmten mathematischen Modell – einem so genannten Algorithmus – verknüpft Google bei weiteren Anfragen dann die Einträge in der Datenbank miteinander, um Ergebnisse vorzuschlagen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit dem Interesse des Nutzers entsprechen.

Bettina Wulf hat bei Gericht eine eidesstattliche Erklärung abgegeben, wonach alle Behauptungen über ihr angebliches Vorleben als Escort-Dame falsch seien. Eine solche Erklärung der Frau eines früheren Bundespräsidenten ist einzigartig. Ihr Mann Christian Wulff war vor rund einem halben Jahr im Zuge einer Kreditaffäre zurückgetreten.

Im Fall von Bettina Wulff reicht es schon, ein "B" einzugeben und schon schlägt Google vor, sich über ihr vermeintlich pikantes Vorleben informieren zu können. Dagegen klagt die 38-Jährige nun vor dem Landgericht Hamburg, weil Google dort seinen Deutschlandsitz hat.

Google hält dagegen: "Die bei der Google Autovervollständigung sichtbaren Suchbegriffe spiegeln die tatsächlichen Suchbegriffe aller Nutzer wider“, sagte der Sprecher von Google Nord-Europa, Kay Oberbeck. "Die angezeigten Begriffe sind das algorithmisch erzeugte Resultat mehrerer objektiver Faktoren, inklusive der Popularität der eingegebenen Suchbegriffe. Google schlägt diese Begriffe nicht selbst vor – sämtliche in Autovervollständigung angezeigten Begriffe wurden zuvor von Google-Nutzern eingegeben."

Welche Chancen hat Bettina Wulffs Klage?

Im Ausland hatten solche Klagen gegen Google schon Erfolg: Ein Italiener und ein Japaner haben jeweils vor Gericht Recht bekommen, dass ihr Eigenname nicht in der Autovervollständigung mit Verbrechen in Zusammenhang gebracht werden darf, die sie nicht begangen haben. In Frankreich gab es einen gerichtlichen Vergleich zwischen Google und einigen prominenten Politikern - darunter dem jetzigen Staatspräsident Francois Hollande. Wer deren Namen "googelte", dem wurde in der Autovervollständigung der Begriff "Juif" (Jude) mit angeboten. Dieser Begriff kann in Frankreich als kränkendes Schimpfwort verwendet werden.

In Deutschland gab es bisher fünf Mal vergleichbare Klagen gegen Google und der Konzern hat sie alle gewonnen. Hierzulande ist das Recht auf freie Meinungsäußerung sehr stark geschützt und darauf wird sich Google vermutlich berufen.

Was kann man gegen Verleumdung im Netz tun?

"Das Internet hat ein sehr gutes Gedächtnis", sagt Stefan Engel, Datenschutz- und Cybermobbing-Experte der EU-Initiative "klicksafe" bei der Landeszentrale für Medien und Kommunikation in Ludwigshafen. Seine Ratschläge haben wir im Folgenden aufgelistet:

  • Der erste Schritt ist die Beweisführung - einen Screenshot von dem Eintrag machen, der mir nicht gefällt. Einfach die "Drucken" -Taste drücken und in einem Textverarbeitungsdokument einfügen. "Das ist später sehr wichtig."
  • Prüfen, ob meine allgemeinen Persönlichkeitsrechte verletzt wurden. Wenn ja, habe ich in Deutschland Anspruch auf ein Entfernen der Anträge. So wird der Normalbürger davor geschützt, ungefragt in die Öffentlichkeit gezogen zu werden.
  • Wenn beleidigt, bedroht oder wie im Falle von Bettina Wulff verleumdet wird, können auch andere Strafbestände erfüllt sein.
  • Bei kleinen Verstößen - "das berühmte Partyfoto" - genügt es meist, die Leute direkt anzusprechen, mit der Bitte, das Foto oder den Eintrag zu entfernen.
  • Bei sozialen Netzwerken empfiehlt es sich, mit dem Anbieter der Plattform in Kontakt zu treten. Die meisten Anbieter haben eine Selbstverpflichtungserklärung unterzeichnet und bieten Formulare an, wie ungewünschte Fotos oder Beiträge gelöscht werden können.
  • Bei Böswilligkeit zur Polizei gehen und notfalls einen Fachanwalt einschalten, um die Inhalte möglichst schnell aus dem Netz entfernen zu lassen.
  • Bei allen Maßnahmen gilt: Der Betroffene muss selbst aktiv werden.

Autor: Kai Laufen; Online-Redaktion Peter Mühlfeit

Letzte Änderung am: 10.09.2012, 15.34 Uhr