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Sportförderung "Wir sind kläglich gescheitert"

Höher, schneller, weiter - in diesem Jahr sind wieder Olympische Spiele. Medaillen-Erfolge sind ohne Sportförderung kaum möglich. Doch wer bekommt das Geld und weshalb?

Wolfgang Maennig

Olympiasieger Wolfgang Maennig

Wolfgang Maennig ist Sport-Ökonom und ehemaliger Ruder-Olympiasieger. SWR-Moderator Bernhard Seiler hat mit ihm über das Thema Sportförderung gesprochen.

Nach welchen Kriterien wird entschieden, ob viel Geld in eine Sportart rein gepumpt wird?

Im Großen und Ganzen geht es nach Zuschauerinteresse, das die Sportarten generieren können. Zuschauerinteresse ist natürlich noch sehr allgemein gefasst und die Werbe- und Medienfachleute gucken einfach danach, wie gut eine einzelne Sportart - wie sie so sagen - ein Zuschauerkontakt-Produzent ist. Da wird gemessen, wie viele Sekunden wie viele Millionen Zuschauer eine Sportart im Fernsehen anschauen. Dann kann man hochrechnen, wie lange sie ein Logo eines Sponsors sehen. Das ergibt dann den Werbewert der jeweiligen Sportart.

Da die Beliebtheit von Sportarten beim Zuschauer schwankt, ist damit auch die Sportfinanzierung gewissen Moden unterworfen?

Absolut. Der Tennisverband ist ein gutes Beispiel. In Zeiten von Boris Becker, Steffi Graf und Michael Stich war das natürlich überhaupt kein Problem. Dann kam lange, lange Zeit vor der jetzigen Renaissance eine relativ große Ebbe im Spitzentennis und der Tennisverband ist schwer ins Schlingern geraten. Die Tennisturniere waren nichts mehr wert in Deutschland.

Biathlon

Gemachtes Zuschauerinteresse: Biathlon

Biathlon ist auch ein ganz interessanter Fall, weil, wenn Sie so 20 Jahre zurückdenken - ich hoffe, mir sind jetzt die Biathleten nicht böse - dann war das so eine Nebensportart wie beispielsweise mein Rudersport. Das hat sich gewandelt. Dafür haben im Prinzip die Medien gesorgt. Da hat sich ein Fernsehsender damals die Rechte am Biathlon gesichert und hat das entsprechend stark gepuscht, so dass das Zuschauerinteresse geschaffen wurde. Es ist also nichts, was vom Himmel fällt, was die gegebenen Präferenzen der Bevölkerung sind, sondern, man kann Zuschauerinteresse auch schaffen.

Um wie viel Geld geht es denn? Können Sie uns irgendwelche Vergleichsgrößen nennen, zum Beispiel Fußball im Vergleich zu Biathlon?

Klar ist, und das weiß aber auch jeder, dass Fußball ganz, ganz weit vor allen anderen Sportarten liegt und dann kommen so Sportarten wie vielleicht Handball, Basketball und ähnliches. Dann ist lange nichts. Dann kommen die Randsportarten sozusagen, aber genaue Zahlen kennt man nicht.

Loskauf Sportwetten und Sportler fördern

Diskus-Olympiasieger Robert Harting wirbt für die Deutsche Sportlotterie, die Geld für die Athleten einsammeln will.

Ich habe mit meinen Mitarbeitern vor einigen Jahren einmal versucht die öffentliche Förderung herunter zu brechen und zu gucken, wie viel eigentlich welche Sportarten bekommen. Öffentliche Haushalte sollen ja eigentlich transparent sein. Wir sind kläglich gescheitert: Wir haben es nicht geschafft, die Bundeszuwendung, die Landeszuwendungen, die kommunalen Zuwendungen auf der Ebene darunter und vielleicht von so halb öffentlichen Institutionen, wie Lotterien zusammenzufassen und zuzuordnen.

Wenn Sie das schon nicht mit öffentlichen oder quasi öffentlichen Ausgaben schaffen, haben Sie keine Chance festzustellen, welcher Sponsor an welchen Athleten etwas zahlt. Es wäre eine sehr, sehr schwierige Aufgabe, die mit großen Ungenauigkeiten festzustellen wäre.

Online: Peter Mühlfeit und Christine Scherer

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